Schalke vor Champions League-Spiel

Heldt: Nehmen keine Rücksicht auf Namen

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GELSENKIRCHEN - Jermaine Jones twitterte um 8.17 Uhr am Morgen, dass er seine tags zuvor verhängte Zwangspause nun doch lieber zum Training nutzen wolle, als eine Operation an seinem lädierten Knie durchzuführen.

Aus Basel berichtet Jens Greinke

„Schalke 04 is more important atm!!“, schrieb der US-amerikanische Nationalspieler, wobei „atm“ für „at the moment“ stand. „Tja“, sagte Horst Heldt mit leicht bitterem Lächeln, „da hat die Denkpause ja offenbar schon gegriffen.“

Wenn eine Twitter-Nachricht eines Spielers gut 36 Stunden vor einem wichtigen Champions-League-Spiel mehr Aufmerksamkeit weckt als die eventuelle Aufstellung des Gegners, weiß der interessierte Beobachter, dass auf Schalke einiges nicht ganz nach Plan verläuft. Das 3:3-Remis bei 1899 Hoffenheim und der anschließende Ausschluss von Jermaine Jones für das Spiel beim FC Basel sorgt weiter für Aufregung.

Nachdem die Mannschaft am Samstag eine 3:1-Führung in Hoffenheim verspielt hatteund Jones kurz vor Schluss ein suizidaler Fehlpass unterlief, der fast zum 4:3-Siegtreffer für 1899 geführt hatte, war der Schalker Trainerstab samt Manager Heldt am Sonntag in Klausur gegangen. Mit dem Ergebnis, dass Jones die Reise in die Schweiz nicht antreten durfte.

Bilder vom Spiel in Hoffenheim

FC Schalke spielt 3:3 bei der TSG Hoffenheim

„Zum einen sollte er über seine Leistungen nachdenken“, erläuterte Trainer Jens Keller die Intention dieser Maßnahme, „zum anderen hatte sich in seinem Fall auch einiges aufgestaut“. In einer ersten Gegenreaktion hatte Jones danach mit dem Gedanken gespielt, eine seiner Aussage nach längst fällige Operation am Meniskus durchführen zu lassen. Dass er von dieser Idee am frühen Morgen Abstand nahm, wurde von den Schalker Verantwortlichen wie bereits erwähnt wohlwollend zur Kenntnis genommen. „Das ist für uns auch ein Zeichen, dass er sich durchbeißen will“, sagte Keller.

Laut Benedikt Höwedes, der zu den knapp 40 000 Followern von Jones‘ Twitter-Account zählt, habe der Ausschluss des Mannschaftskameraden nicht zu großer Unruhe im Team geführt. „Der Trainer hat absolut das Recht, einen Spieler aus dem Kader zu nehmen, wenn es gut für die Mannschaft ist“, sagte der Schalker Kapitän mit gewohnt loyaler Attitüde: „Wir gehen damit professionell um.“

Dennoch ist die Suspendierung des erfahrenen, aber auch als ungestüm geltenden Jones ein klares Zeichen für das gesamte Team. „Ich als Spieler würde mir das jetzt durch den Kopf gehen lassen“, empfahl Horst Heldt angesichts der Tatsache, „dass Jermaine ja nicht irgendein Profi“ sei, sondern dem Spielerrat angehöre und Nationalspieler sei. Was bedeute: „Wir nehmen auf Namen keine Rücksicht.“

Wie effektiv die Maßnahme letztlich sein wird, muss sich zeigen. Beim Auswärtsspiel in Basel geht es für die Schalker zunächst darum, ihren guten Start in die Champions-League-Gruppenphase auszubauen. Nach dem 3:0-Heimsieg über Steaua Bukarest könnte im St. Jakob-Park ein wichtiger Schritt in Richtung k.o.-Phase fallen. Die Causa Jones habe die Mannschaft nach Meinung von Höwedes „analysiert und abgehakt“. Nun muss sie zeigen, dass sie auch die richtigen Schlüsse daraus gezogen hat.

Erst mit Verspätung reiste Schalkes Mittelfeld-Chef Kevin-Prince Boateng in Basel an. Der Neuzugang vom AC Mailand weilte zunächst noch bei einem nicht näher beschriebenen privaten Gerichtstermin, nahm am frühen Abend aber am Abschlusstraining mit der Mannschaft teil. Heldt teilte mit, dass der Gerichtstermin und Boatengs verspätete Ankunft in der Schweiz mit dem Verein abgesprochen gewesen sei.

Quelle: wa.de

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