Unkonzentriert nach der Pause:

Heldt droht mit personellen Nachbeben

SINSHEIM - Die starke Erkältung hatte Horst Heldt sichtlich zugesetzt. Umso unangenehmer war dieses 3:3 bei 1899 Hoffenheim, dass dem Manager des FC Schalke 04 auch noch die letzte Gesichtsfarbe raubte.

Der 43-Jährige musste dann auch lange überlegen, was er auf die vielen Fragen antworten sollte, die auf ihn einprasselten. Und er entschied sich dazu, jegliche Rücksicht beiseite zu schieben. „Nach der Pause waren viele teilweise nicht klar bei Sinnen. Wir tauschen uns darüber aus – und tauschen dann aus. Der Verein überprüft, wer zuverlässig ist und wer nicht“, sagte Heldt.

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FC Schalke spielt 3:3 bei der TSG Hoffenheim

Der Ärger des Managers war verständlich. Namen nannte er zwar nicht. Wen er meinte, war aber zu ahnen. Die undisziplinierte Spielweise von Jermaine Jones und die erneut schwache Leistung von Timo Hildebrand sorgten neben etlichen Fehlleistungen anderer Spieler offenbar für besonderen Ärger beim Manager. Als Konsequenz wurde Jones für den CL-Auftritt in Basel morgen freigestellt. Der Mittelfeldspieler verliert seinen Kaderplatz für die Begegnung in der Schweiz und will sich angeblich einer Meniskusoperation unterziehen. Aus diesem Grund drohe Jones eine Zwangspause von etwa sechs Wochen. Das konnten die Gelsenkirchener allerdings nicht bejahen. Laut „Sport Bild Plus“ hat Heldt den Verzicht auf Jones in Basel bestätigt: „Das Trainerteam hat entschieden, Jermaine eine Denkpause zu geben.“

Die Schalker hatten zur Pause 3:1 nach Treffern von Kevin-Prince Boateng, Joel Matip und Marco Höger souverän geführt und wohl die beste Halbzeit dieser Saison gespielt. Lediglich Anthony Modeste sorgte nach einem Fehlgriff von Hildebrand mit seinem Treffer für einen kleinen Schönheitsfehler. Was dann aber in der zweiten Hälfte passierte, war ein erneuter Offenbarungseid der Mannschaft von Trainer Jens Keller. Die Hoffenheimer glichen nach einer Energieleistung aus, Roberto Firmino per Elfmeter und David Abraham mit einen haltbaren Freistoß trafen für das Team aus dem Kraichgau. Im Anschluss luden Jones und Höger den Gegner auch noch zu Großchancen ein, die jedem Kreisligaspieler Ärger einbringen würden.

„Hören sie mir auf mit der Scheiß-Mentalitätsfrage. Wir haben individuell wahnsinnige Fehler gemacht, das hat aber nichts mit der Mentalität zu tun. Das hat bei dem ein oder anderen mit der Birne zu tun“, ätzte Keller nach dem Spiel. Wie das eine von dem anderen zu trennen ist, diese Frage ließ er offen.

Dieses Spiel im Kraichgau isoliert zu betrachten, wäre allerdings viel zu kurz gegriffen. Ob gegen Hamburg, in Wolfsburg, in Hannover, gegen den FC Bayern und jetzt auch in Hoffenheim zeigten die Schalker mindestens je eine Halbzeit, die für ihre Ansprüche indiskutabel waren. Mal waren es die einen, mal die anderen Spieler, die verhängnisvolle Fehler machten. Aber was all diese verkorksten Partien eint, ist die Erkenntnis, dass die Mannschaft diesen Namen bisher nicht verdient hat. Es erscheint geradezu als kurios, wie verunsichert die Spieler von einer auf die andere Sekunde sind, wenn sie einen Gegentreffer hinnehmen müssen. Es ist bedenklich, wie schnell sie dann die Ordnung verlieren und welch selbstzerstörerische Fehlpässe sie spielen. „Alle dachten, es geht zu einfach. Wir spielen ein bisschen Hacke hier, ein bisschen Hacke da“, sagte Boateng. Eine treffende, aber wohl ungewollte Analyse der bisherigen Saison.

Quelle: wa.de

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