Gedankenspiele der Schalke-Bosse Tönnies und Heldt

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Manager Horst Heldt steht vor der Herausforderung, den S04 auch in Zukunft finanziell wettbewerbsfähig zu halten.

GELSENKIRCHEN - Es war nicht nur der Fund eines Blindgängers vor dem Dortmunder Stadion, der vor dem 146. Pflichtspielderbys zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 für Aufregung sorgte.

Von Jens Greinke

Es war auch ein recht explosives Gedankenspiel von Schalkes Aufsichtschef Clemens Tönnies, der in dieser Woche öffentlich über neue Einnahme-Quellen nachgedacht hatte. Ein „Gedanken-Modell“ des Vereinsbosses sieht vor, dass die 132 000 Schalke-Mitglieder zum Beispiel je 1000 Euro einzahlen könnten, um den Klub endlich von seiner Schulden-Last zu befreien.

„So sparen wir 25 Millionen jedes Jahr an Zins und Tilgung. Das macht in zehn Jahren insgesamt 250 Millionen mehr“, rechnete Tönnies vor und ergänzte: „Dann spielten wir, was die zukünftigen finanziellen Möglichkeiten betrifft, plötzlich in einer ganz anderen Liga. Und das als eingetragener Verein ohne Investoren und Fremdbestimmung.“

Tönnies' Vorstoß findet kaum Resonanz

Die positive Resonanz in der Mitgliederschaft hielt sich daraufhin in Grenzen. Tönnies‘ Überlegungen machen allerdings deutlich, dass die Schalker Verantwortlichen der Meinung sind, neue Einnahmequellen generieren zu müssen, um weiter im Konzert der Großen mitzuspielen.

Auch Manager Horst Heldt fragt: „Wie sieht der Fußball in zehn Jahren aus? Man muss sich Gedanken machen, wie man konkurrenzfähig bleibt.“ An der Einstellung des Klubs, am Status des eingetragenen Vereins festzuhalten, habe sich laut Heldt nichts verändert. „Das bleibt das Ziel und unser großer Wunsch. Und wir sind optimistisch, dass wir das schaffen.“ Die Frage wird sein wie.

Nationale und internationale Konkurrenz im Nacken

Denn der Vorschlag von Tönnies dürfte kaum praktikabel sein. Heldt spürt die Konkurrenz sowohl national als auch international. Aus der 2. Liga drängen mit dem SV Ingolstadt und RB Leipzig zwei weitere Unternehmens-gestützte Vereine mit großen Ambitionen in die Bundesliga.

Und international sind die Engländer mit ihrem neuen TV-Vertrag in geradezu monströse Dimensionen vorgestoßen. Dort werden künftig 2,3 Milliarden Euro pro Saison für die Übertragungsrechte an die Premier League gezahlt. Die Bundesliga erhält aktuell für fünf Jahre 2,5 Milliarden. Diese Kluft wird für Vereine wie Schalke weder durch die Einführung von noch mehr Spieltagen noch durch freiwillige Spenden der Mitglieder zu schließen sein.

So gesehen wird es spannend werden, ob der Klub tatsächlich an seiner aktuellen Rechtsform als eingetragener Verein wird festhalten können. Oder ob er sich Investoren von außen öffnet. Oder es so macht wie der Derby-Gegner, dessen offizieller Name lautet: Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA.

Quelle: wa.de

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