Jugend forsch

"Welpen" des FC Schalke überzeugen gegen Real

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Diesen Freistoß von Weltfußballer Cristiano Ronaldo entschärft S04-Keeper Timon Wellenreuther spektakulär.

GELSENKIRCHEN - Timon Wellenreuther kam im feinen Zwirn aus der Kabine und sah so erwachsener aus, als er es in Wirklichkeit ist mit seinen 19 Jahren. Einen reifen Eindruck hatte er im Schalker Tor hinterlassen, als er beim 0:2 gegen Real Madrid tadellos hielt.

Von Jens Greinke 

Der Nachwuchs-Torwart war einer der großen Gewinner beim Verlierer. Wie auch der gleichaltrige Felix Platte, der mit einem Schuss an die Latte beinahe fast das gesamte Ruhrgebiet in seinen Grundfesten erschüttert hätte. Und wohl auch die Königlichen.

„Wenn der reingegangen wäre, wäre das noch in 70 Kilometer Entfernung zu hören gewesen. Dann hätten sie uns hier die Arena abgerissen“, sagte Schalkes Manager Horst Heldt angesichts von Plattes Knaller an die Latte (74.), der den 1:1-Ausgleich bedeutet hätte. Doch der Ball war zurück ins Feld gesprungen.

Real Madrid statt Regionalliga: Schalkes Stürmer Felix Platte überzeugte beim Champions-League-Debüt. 

Weshalb die Madrilenen, die durch Weltfußballer Cristiano Ronaldo in Führung gegangen waren (26.), schließlich durch Marcelo noch auf 2:0 erhöhen konnten (79.). Und somit so gut wie im Viertelfinale der Champions League stehen dürften. „Ich weigere mich zu sagen, wir sind schon ausgeschieden. Das geht gegen meine Ehre“, meinte Heldt: „Doch leichter ist es für das Rückspiel jetzt nicht geworden.“

Aufsichtsratschef Clemens Tönnies hingegen meinte gewohnt lautmalerisch: „Im Fußball ist alles möglich, wir müssen jetzt daran glauben.“ Was im Fußball alles möglich ist, zeigten die Champions-League-Debüts von Wellenreuther und Platte. Beide stammen aus der Schalker U 19, sind so unerfahren wie Welpen in der Hundeschule, meistern ihre Aufgabe aber mit Bravour.

Insbesondere Wellenreuther ist während seiner nunmehr vier Pflichtspiel-Einsätze zu einer ernsthaften Konkurrenz für die noch verletzten Ralf Fährmann und Fabian Giefer geworden. Als der 19-Jährige am Mittwoch die Arena verließ, hatte er in seiner Tasche eine Fußball-Memorabilie, um die ihn der ein oder andere beneiden dürfte: das Trikot von Iker Casillas, der Torwart-Ikone von Real Madrid.

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„Wir sind nach dem Schlusspfiff beide aufeinander zugegangen und haben die Trikots getauscht. Er hat mir dabei noch gratuliert für die gute Leistung“, erzählte Wellenreuther, der keine Angst vor großen Namen hat. Cristiano Ronaldo hatte ihn nur einmal überwinden können, vor allem, weil Schalkes Abwehrspieler Joel Matip ein schlechtes Stellungsspiel gezeigt hatte.

Die beiden anderen direkten Duelle mit dem Weltfußballer hatte Wellenreuther für sich entschieden: bei einem Freistoß, den er aus dem Winkel kratzte; bei einer Chance aus dem Spiel heraus. „Da habe ich den Winkel verkürzt, das hat ihn wohl ein bisschen nervös gemacht“, berichtete Wellenreuther: „Da hat er sich den Ball ein wenig weit vorgelegt.“

Zu Ronaldos Freistoß meinte er: „Das ist natürlich immer eine Show. Da hat man Respekt. Aber letztlich war es ein normaler Freistoß.“ Angesichts einer solchen Coolness war es schon fast beruhigend, dass wenigstens der andere Youngster zumindest „ein Kribbeln im Bauch“ verspürt hatte. „Ich war glücklich, überhaupt im Kader zu stehen“, sagte Felix Platte, der letztlich vom Pech eines anderen profitierte.

Klaas-Jan Huntelaar hatte sich nach einem Foul von Raphael Varane nach gut einer halben Stunde so schwer verletzt, dass er vom Platz musste. Bei einer ersten Röntgen-Untersuchung im Krankenhaus konnte immerhin der zunächst befürchtete Schienbeinbruch ausgeschlossen werden.

„Es ist nichts gebrochen, es handelt sich offenbar um eine schwere Prellung“, sagte Heldt. Weil der niederländische Torjäger in der Bundesliga noch ein Spiel gesperrt ist, könnte er zum Revierderby gegen den BVB (28. Februar) wieder zur Verfügung stehen. Und wenn nicht, dann haben die Schalker immer noch Felix Platte in der Hinterhand.

Quelle: wa.de

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