Nach Vertragsverlängerung

Exklusiv-Interview mit Jobst: "Erwartungen übertroffen"

DOHA - Der FC Schalke 04 hatte am Donnerstagmittag den Vertrag mit Marketing-Experte Alexander Jobst vorzeitig um drei weitere Jahre verlängert. Der 40-jährige bleibt nun bis mindestens 2017 Mitglied des dreiköpfigen Klub-Vorstandes, dem auch Horst Heldt und Peter Peters angehören.

Jobst war 2011 zum Traditionsklub gekommen, nachdem er zuvor unter anderem für Real Madrid und den Fußball-Weltverband Fifa gearbeitet hatte. Unser Redakteur Jens Greinke sprach mit Jobst über seine bisherige Bilanz und die Nutzung von sozialen Netzwerken, um Nachrichten und Neuigkeiten exklusiv zu verbreiten. Hier das Interview aus dem Trainingslager in Doha:

Herr Jobst. Sie sind nun zweieinhalb Jahre als Schalker Marketing-Chef im Amt. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Jobst: Wir haben in den vergangenen zweieinhalb Jahren im Marketingbereich nicht nur unsere Vorgaben erfüllt, sondern die Erwartungen sogar übertroffen. Unser Team hat es geschafft, die Marketingeinnahmen in diesem Zeitraum um mehr als 20 Prozent zu steigern. Wir werden zum Abschluss der Saison 2013/14 bei den Marketing-Umsätzen bei über 70 Millionen Euro liegen. Das ist für den Klub FC Schalke 04 ein Ausrufezeichen.

Können Sie etwas detaillierter aufschlüsseln, wo der FC Schalke 04 mehr Geld generiert hat?

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Jobst: Konkret sind die Erlöse im Sponsoringbereich gestiegen, dort haben wir bis zu fünf Millionen Euro mehr pro Jahr erzielt. Sukzessive sind auch die Merchandising-Erlöse um circa zwei Millionen Euro gestiegen.Wir haben mittlerweile den fünften Schalke-Shop eröffnet. Der Online-Shop-Bereich ist modernisiert und ausgebaut worden. Auch hier sind wir gut unterwegs, ich muss allerdings sagen, dass in diesem Bereich noch einiges an Potenzial steckt. Vor allem müssen wir den Logistik- und Versandprozess optimieren. Es kann nicht sein, dass ein Schalke-Fan fünf Tage auf sein Trikot warten muss. Ein weiterer Punkt auf unserer Agenda ist die Auslandsvermarktung.

Wo stehen die Schalker in der nationalen Marketing-Rangliste?

Jobst: Auf Rang drei hinter Bayern München und Borussia Dortmund, wobei der Unterschied zum BVB nicht besonders groß ist. Die hinter uns platzierten Vereine folgen dann erst mit größerem Abstand.

Und im internationalen Vergleich?

Jobst: Nach der englischen Premier League ist die Bundesliga in diesem Bereich sicherlich auf Platz zwei anzusiedeln. Und Schalke 04 wird sich hier sicherlich in den Top 15 der Klubs befinden.

Was würden Sie als größten Coup Ihrer bisherigen Amtszeit bezeichnen?

Jobst: Die vorzeitige und vor allem langfristige Verlängerung der Verträge mit „gazprom“ und anderen großen Partnern wie „Ergo“ oder „bet at home“. Für mich persönlich ist von Bedeutung, dass der Verein die Wichtigkeit des Marketingbereichs verinnerlicht hat. Marketing ist nicht nur Geld einnehmen und dieses für Spieler ausgeben, sondern Marketing hilft dem Verein in der Außendarstellung.

In Ihr Ressort fällt auch der Club-Media-Bereich mit Klub-TV und den sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook.

Jobst: Genau. Wir sehen diesen Bereich als Content-Bereich. Die Inhalte, die wir dort publizieren, kommen neben unseren Anhängern auch unseren Partnern zu Gute, weil wir damit mehr Schalke-Fans erreichen. Wir verankern diese Club-Media-Rechte zum Teil in den Verträgen mit den Sponsoren. Und das sind dann die Mehrerlöse, die in dieser Hinsicht zum tragen kommen. Wir haben aktuell 1,6 Millionen Follower auf Facebook, das ist ein enormer Mehrwert als Interaktionsplattform für unsere Fans – und auch für unsere Partner.

Werden Sie diese Kanäle künftig vermehrt dazu nutzen, Nachrichten und Neuigkeiten exklusiv zu verbreiten?

Jobst: Die klassische Pressemitteilung wird nicht komplett obsolet werden. Allerdings achten wir schon darauf, eigenen Inhalt zunächst auf unseren Plattformen exklusiv anzubieten. Das wird nicht in allen Bereichen immer der Fall sein, vor allem im sportlichen, wo wir gerne mit unseren Medienpartnern zusammen arbeiten. Aber wo es Sinn macht, werden wir die Exklusiv-Nachricht zunächst auf unseren Kanälen platzieren. Das ist übrigens auch die Strategie von anderen großen Vereinen.

Wie wichtig ist der Bereich Marketing für einen Fußball-Klub heute?

Jobst: Wer davon spricht, dass ein Verein wie Schalke ohne wirtschaftliche Partnerschaften Top-Fußball garantieren kann, der lebt in der Vergangenheit. Wir sind auf wirtschaftliche Zusammenarbeit nicht nur angewiesen, sondern werden diese in Zukunft auch weiter fördern und ausbauen.

Welche Ziele streben Sie für Ihre zweite Amtszeit bis 2017 an?

Jobst: Eine weitere Steigerung der Vermarktungserlöse, das ist vom Aufsichtsrat klar formuliert. Diese Steigerung wird zwar nicht mehr in dem exorbitanten proportionalen Verhältnis ansteigen können wie in den ersten zweieinhalb Jahren, nichtsdestotrotz haben wir noch genug Potenzial, die Zahlen zu steigern. Zudem eine weitere Professionalisierung des Außenauftritts des Vereins. Außerdem möchten wir den Erfolg im Bereich Marketing so unabhängig wie möglich vom sportlichen Erfolg machen, damit wir verlässlich planen können. Gleichzeitig ist immer klar, dass sportlicher Erfolg unabdingbar für langfristige wirtschaftliche Mehrerlöse ist.

Einer der Vertragspartner sollte im vergangenen Sommer die umstrittene Ticketbörse „Viagogo“ werden, was Ihnen auf der Jahreshauptversammlung viel Gegenwind einbrachte. Der Vertrag hatte schließlich nur acht Tage Bestand und wurde von Ihnen wieder aufgekündigt. Wie bewerten Sie dies in der Rückschau?

Jobst: Den Namen des damaligen Vertragspartners habe ich fast aus meinem Kopf gestrichen (lacht). Ich habe durch diese Aktion auch für mich den Schluss gezogen, dass das unsererseits nicht gepasst hat. Wir befinden uns aktuell in einem Schiedsverfahren. Ich kann Ihnen aber auch sagen, dass dieser Fall mir eindrücklich gezeigt hat, mit welcher Vehemenz unsere Fans und Mitglieder signalisiert haben, dass manche Dinge nicht gehen. Rein wirtschaftlich war das bis heute ein lukrativer Vertrag, aber es hat eben nicht gepasst und ist nicht vereinbar mit unseren Vereinswerten.

Haben Sie durch diesen Vorgang den Verein endgültig verstanden?

Jobst: Einige Aussagen auf der Jahreshauptversammlung gingen unter die Gürtellinie, so geht man unter Schalkern nicht miteinander um. Was mich extrem gestört hat, war der Vorwurf, ich sei kein Schalker. Man muss kein Schalker von Geburt an sein, um seine Arbeit hier gut zu machen. Ich habe meine Schlüsse daraus gezogen, identifiziere mich aber voll und ganz mit dem Verein. Ich kann sagen, ich lebe Schalke, so wie es unser Versprechen vorgibt.

Quelle: wa.de

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