Schalke: Aus der Not eine Jugend gemacht

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Gehört mit seinen 25 Jahren fast schon zum alten Eisen auf Schalke: Torwart Ralf Fährmann

GELSENKIRCHEN - Jens Keller erzählte nach dem 2:0 (1:0)-Sieg über Hertha BSC am Freitagabend geradezu heroische Dinge über Kaan Ayhan. Schalkes Trainer berichtete, dass der Einsatz des 19-Jährige lange auf der Kippe gestanden hatte, da der Deutsch-Türke bereits nach dem Revierderby drei Tage zuvor über eine „Verhärtung im Adduktorenbereich“ geklagt habe. „Aber“, so Keller weiter, „Kaan hat mit Schmerzen gespielt und sich für die Mannschaft aufgeopfert“.

Von Jens Greinke

Schalkes Manager Horst Keller verneinte nachher immerhin, dass beim FC Schalke 04 so langsam der Kinderschutzbund informiert werden müsse. „Haha“, lachte der 44-Jährige, „auf keinen Fall“. Ein Fall von Missbrauch von Nachwuchs-Fußballern liegt auf Schalke trotz aller scheinbar offensichtlichen Indizien tatsächlich nicht vor. Natürlich hatten am Freitag aufgrund der aus Schalker Sicht vermaledeiten Verletzungsmisere wieder fünf Spieler unter 21 Jahren und sieben Spieler aus der vereinseigenen Jugend auf dem Platz gestanden.

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Schalker bezwingen Hertha BSC mit 2:0

Doch mittlerweile ist aus der einstigen Verlegenheits-Elf eine erstaunlich stabiles und verlässliches Ensemble erwachsen, das bundesweit für Erstaunen sorgt und mittlerweile als Vorzeige-Modell gerühmt wird. Horst Heldt hatte zwar auch am Freitag wieder arge Sorgen gehabt, „weil du gar nicht weißt, wen du aufstellen sollst“. Doch wie schon in den Spielen zuvor reicht bei den Knappen derzeit offenbar ein Blick in die Nachwuchsabteilung, um die vielen Ausfälle in der Profi-Abteilung zu kompensieren. Weshalb am Freitag Schalkes Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies mit breiter Brust durch die Katakomben der Arena stolzierte und ein wenig Eigenlob versprühte: „Wir haben uns in einer sehr prekären Lage dazu entschlossen, auf die Nachwuchsarbeit zu setzen.“ Namentlich bedankte sich Tönnies bei Nachwuchs-Trainer Norbert Elgert, der „hervorragende Arbeit“ abliefere. „Weshalb wir ihn auf der Jahreshauptversammlung auch für die Schalker Ehrenkabine vorschlagen werden.“

Der zweite wichtige Grund für die bislang so famose Rückrunde der Schalker ist für Tönnies der Umstand, „dass wir uns dazu entschlossen haben auf Kontinuität zu setzen und am Trainer festzuhalten“. Tatsächlich schien Jens Keller im vergangenen Dezember nach äußerst überschaubaren und wenig inspirienden Auftritten der Mannschaft so gut wie entlassen. Mittlerweile ist der 43-Jährige ein regelrechtes Phänomen in 51 Jahren Bundesliga-Geschichte.

Dass es durch den BVB-Sieg über Stuttgart letztlich nichts wurde, den am Freitag eroberten zweiten Tabellenplatz zu halten, dürfte die Stimmung in Gelsenkirchen nicht großartig getrübt haben. Die Schalker wissen, dass sie ein vergleichsweise angenehmes Restprogramm haben. Und sich im Gegensatz zum Erzrivalen Borussia Dortmund, der noch im DFB-Pokal und der Champions League vertreten ist, voll und ganz auf die Bundesliga konzentrieren können. „Wir haben jetzt ein neues Saisonziel, das ist der zweiten Platz“, sagte Max Meyer, übrigens ebenfalls erst 18 Jahre alt, aber alles andere als noch grün hinter den Ohren.

Quelle: wa.de

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