3:0 gegen Stuttgart ein echter Stimmungsaufheller

GELSENKIRCHEN - Es war ein gut ausgesuchter Moment, als am Samstag vor dem Anpfiff über den großen Videowürfel eine aus Schalker Sicht sehr, sehr gute Nachricht exklusiv verbreitet wurde. Die vorzeitige Vertragsverlängerung mit dem 18-jährigen Riesentalent Max Meyer bis 2018 wirkte just in jenem Moment wie ein Antidepressivum für die Schalker Familie, deren Mitglieder am Ende dieses Tages noch weitere Glückshormone ausschütten durften.

Von Jens Greinke

Knapp zwei Stunden später sah man auf Schalker Seite fast nur glückliche Gesichter. Der letztlich souveräne und auch verdiente 3:0 (1:0)-Heimerfolg über den VfB Stuttgart war ein Stimmungsaufheller zur rechten Zeit. Nach den teilweise schwermütigen Auftritten der Mannschaft von Trainer Jens Keller und der Hiobsbotschaft am Freitag, als sich Dennis Aogo im Abschlusstraining einen Kreuzbandriss zugezogen hatte, wäre ein weiterer Nackenschlag wahrscheinlich nur schwer zu verkraften gewesen. Viele in der Arena rieben sich verwundert die Augen, wie scheinbar unbeeindruckt von allen Widrigkeiten die Schalker Mannschaft ihre Arbeit verrichtete. „Das war ja gar nicht zu erwarten“, sagte selbst Keller, „nach den Reisestrapazen in dieser Woche und dem Schicksalsschlag mit Dennis Aogo.“

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Schalke siegt 3:0 über Stuttgart

Der Schlüssel zum Erfolg lag gegen die Schwaben vor allem in der Arbeitsmoral der Knappen. So liefen die beiden Sechser, Roman Neustädter und Jermaine Jones, jeweils über zwölf Kilometer. „Aber wir sind ja auch dafür da, die Scheißarbeit zu machen“, sagte Jones. Wie sich ein ganzer Haufen Frust durch einen einzigen Schuss entladen kann, war in der 79. Minute beim US-Nationalspieler zu beobachten. Als Jones den Ball rund 25 Meter vom Tor entfernt zugespielt bekam, brachte er das Spielgerät mit einigen Schwierigkeit unter Kontrolle, um es dann mit aller Wucht und wohl aus Wut aufs Tor von VfB-Keeper Sven Ulreich zu, nunja, hämmern. „Wenn ich ehrlich bin, nehme ich den Ball nicht gut an. Ich habe dann nur noch gedacht: Weg mit dem Ding“, sagte Jones. Der Ball flog ohne Rotation und wie an der Schnur gezogen passgenau in den rechten Torwinkel. Ein Traumtor. Jones setzte zu einem exaltierten Jubellauf an, formte mit beiden Händen ein Herz. „Das war für meine Frau, die mich in den vergangenen Wochen, die nicht immer einfach für mich waren, unterstützt hat“, verriet der 33-Jährige später.

Die Entscheidung in dieser Partie war freilich schon früher gefallen. In der ersten Halbzeit hatten die Schwaben durchaus noch mithalten können und sogar die Riesenchance gehabt, in Führung zu gehen. Doch Timo Werner verließen die Nerven, als er nach einem Ballverlust von Jones allein auf Schalke-Keeper Ralf Fährmann zugelaufen war (31.). Es sollte der einzige Patzer von Jones in diesem Spiel bleiben. Sechs Minute später war nach schöner Vorarbeit von Kevin-Prince Boateng und Julian Draxler die Schalker Führung durch Jefferson Farfan geglückt. Der Peruaner war es auch, der kurz nach Wiederanpfiff nach einem Foul an Julian Draxler den fälligen Elfmeter zum 2:0 in die Maschen drosch (47.).

Durch eine seltsame Entscheidung verpassten es die Schalker am Ende dieses aus ihrer Sicht so positiven Tages, ihre Freude einer größeren Öffentlichkeit mitzuteilen. Interviews mit dem ZDF wurde boykottiert, da der TV-Sender sich am Ende der Woche dazu entschieden hatte, am letzten Vorrunden-Spieltag der Champions League die Partie von Borussia Dortmund bei Olympique Marseille zu übertragen, statt das Schalker Heimspiel gegen den FC Basel. Womit keines der vier möglichen Königsklassen-Spiel der Schalker live im Free-TV zu sehen war bzw. sein wird. ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz hatte die Entscheidung damit begründet, dass die „Dortmunder derzeit den attraktiveren Fußball spielen.“

Schalkes Manager Horst Heldt sagte am Samstagabend zum ZDF-Boykott: „Wir finden es nicht attraktiv genug, uns ihnen in Interviews zu stellen.“

Quelle: wa.de

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