Champions League

Schalker Remis hinterlässt Welle schlechter Laune

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Angespannt: Horst Heldt.

BUKAREST - Nach dem ernüchternden 0:0-Remis gegen Steaua Bukarest schwappte eine Welle von schlechter Laune aus der Schalker Kabine in der National Arena.

Von Jens Greinke

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Dennis Aogo zum Beispiel, ansonsten ein junger Mann mit untadeligen Manieren, zog eine Schnute und ging mit verneinenden Kopfschütteln an sämtlichen Mikrofonen vorbei. Jermaine Jones stand ebenfalls nicht der Sinn nach einer öffentlichen Analyse. Der US-Nationalspieler, der auch außerhalb des Platzes gerne schnell im Angriffsmodus, knurrte: „Ihr schreibt doch sowieso, was ihr wollt.“

Während draußen vor dem Stadion die Schneeflocken im kalten Wind wirbelten, schien es, als habe es auch in der Schalker Mannschaftskabine einen jähen Winter-Einbruch gegeben.

Auch Horst Heldt zeigte deutliche Anzeichen von großer Anspannung – und dies nicht zum ersten Mal. Auf harmlose Kleinigkeiten reagiert der Manager mittlerweile bemerkenswert gereizt. In Bukarest stieß sich der 43-Jährige an dem Umstand, dass ein gewisser Ralph Frank nicht als Physiotherapeut zu bezeichnen sei, sondern als: „Biostatiker!“ Womit er die Exklusivität dieses Berufs unterstreichen wollte, die Kevin-Prince Boateng derzeit dazu zwingt, fast wöchentlich eine Reise nach München zu unternehmen, um sein lädiertes linkes Knie vom besagten Frank behandeln zu lassen.

Wie auch wenige Stunden vor dem Anpfiff in Bukarest, als der Deutsch-Ghanaer am Vormittag in einen Flieger stieg, der ihn wieder in die bayrische Landeshauptstadt brachte. Laut Heldt, um für das nächste Meisterschaftsspiel gegen den VfB Stuttgart am Samstag wieder einsatzbereit zu sein. Wobei mittlerweile die Frage erlaubt sein muss, welcher Begriff für den Beruf von Ralph Frank als despektierlicher aufgefasst werden muss: Physiotherapeut, wie es am Dienstag übrigens selbst in einer Pressemitteilung des Klubs kurz vor dem Spiel hieß? Oder „Guru“? So hatte ihn Heldt vor dem Anpfiff im Sky-Interview bezeichnet.

Bilder vom Spiel in Bukarest:

Magerkost beim 0:0 des FC Schalke 04 in Bukarest

Es sind jedenfalls viele Dinge, die auf Schalke Stirnrunzeln hervor rufen und der Atmosphäre im Klub offensichtlich nicht zuträglich sind. Jens Keller steht seit Wochen in der Schusslinie und wird mehr und mehr zu einem Trainer der tragischen Gestalt. Das Spiel der Mannschaft bleibt ähnlich uninspiriert wie die öffentlichen Auftritte des 43-Jährigen, der eine gewisse Tendenz zum Selbstmitleid nicht verbergen kann.

Bei Horst Heldt ist in dieser Beziehung ein gewisser Geisterfahrer-Effekt zu beobachten. Während sich die Kritik an Keller stetig vermehrt, glaubt Schalkes Manager weiterhin standhaft, in die richtige Richtung zu steuern. Ein gefährlicher Kurs.

So schwelt es auf Schalke seit Wochen. Dass es noch nicht zu einem Ausbruch gekommen ist, mag in erster Linie daran liegen, dass sämtliche Saisonziele des Klubs noch im Bereich des Möglichen liegen. Zyniker könnten sogar behaupten, dass Schalke das erste Endspiel bereits erreicht hat. Am 11. Dezember kommt es in Gelsenkirchen mit dem FC Basel zum Showdown um den Einzug in das Achtelfinale der Champions League.

Jens Keller sagte in Bukarest: „An unserer Ausgangslage hat sich nichts verändert.“ Was nicht ganz korrekt war: Denn Basel hat durch seinen Sieg über den FC Chelsea die Schalker in der Gruppe E auf Rang zwei abgelöst. So reicht den „Knappen“ nicht mehr ein Remis, sie müssen gegen die Schweizer unbedingt gewinnen, wenn sie nicht in die Europa League abrutschen wollen.

Dass sie dort nach dem 0:0 von Bukarest auf alle Fälle das Sechzehntel-Finale erreicht haben, war für niemanden ein Trost. „Wir wollen nicht in die Europa League“, sagte Max Meyer fast trotzig.

Quelle: wa.de

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