Ailton und Schalke: "Mein Herz gehört Werder"

+
Dicke Backen statt breites Grinsen: Ailton wirkt nachdenklich, als er im Oktober 2003 seinen Wechsel von Werder zum FC Schalke 04 erklärt.

BREMEN/GELSENKIRCHEN - Erst Mladen Krstajic, dann Ailton – es war ein Schalker Doppelschock, der Werder Bremen vor zehn Jahren mehr als nur erschütterte. Wir haben mit Ailton über diese Zeit gesprochen.

Binnen zwei Tagen verkündete der damalige S04-Manager Rudi Assauer zunächst den Wechsel des serbischen Innenverteidigers zum Saisonende und nur 24 Stunden später auch den Transfer von Ailton. Der Jubel über das 5:3 gegen den VfL Wolfsburg und die gerade zurückeroberte Tabellenspitze ging über in einen Aufschrei der Empörung.

Zielscheibe war Assauer, der angeblich hinter dem Rücken der Werder-Bosse die Spieler wegschnappte. „Wut und Zorn“ empfand Trainer Thomas Schaaf. „Ein Gefühl der Ohnmacht“ beschlich Sportdirektor Klaus Allofs, der klagte: „Wenn so einer kommt, sind wir zerstörbar.“ Später musste Werders damaliger Aufsichtsratsboss Franz Böhmert zugeben, dass er Assauers Andeutungen nicht ernst genommen hatte.

Und „Toni“ Ailton? Er merkte bald, dass er einen Fehler gemacht hatte und weinte – in der Kabine, im Bett, auf der Toilette. Zehn Jahre danach traf sich unser Redakteur Carsten Sander mit Ailton (40) zum Rückblick auf den „vielleicht großen Fehler“ seiner Profi-Karriere.

Lieber Ailton, was war damals in Sie gefahren, als Torjäger des aktuellen Spitzenreiters einen Vertrag beim Tabellenzehnten zu unterschreiben?

Ailton:Ich weiß es nicht. Es war auch eine sehr schwere Entscheidung. Vielleicht war es ein Fehler, dass ich nicht länger nachgedacht habe.

Wie lange denn?

Ailton:Oh, das ging so schnell. Nach dem Spiel gegen Wolfsburg – ich glaube, ich hatte zwei Tore geschossen – hatte ich eine Verabredung mit Assauer. Ich habe mit ihm über Schalke gesprochen, danach sollte ich mich entscheiden. Er ist mit dem Ziel gekommen: Heute unterschreibt Ailton bei Schalke. Es war wie ein – wie sagt man auf Deutsch . . .?

. . . wie ein Überfall?

Ailton:Genau! Ich habe dann drei Tage überlegt, habe viel mit meiner Familie geredet, mit Freunden, mit meinem Berater – und dann habe ich Ja gesagt. Heute würde ich sicher nicht nur drei Tage nachdenken, sondern mindestens einen Monat.

Und würden wie entscheiden?

Ailton:Also, wenn Du jetzt Rudi Assauer wärst und ich Ailton, dann würde ich Dir sagen: Fahr’ wieder nach Hause.

Haben Sie während der Saison versucht, den Wechsel rückgängig zu machen?

Ailton (lacht):Ich nicht. Aber mein Berater. Er hat versucht, Assauer einen anderen Brasilianer anzubieten, damit ich in Bremen bleiben kann. Aber Assauer hat nur gesagt: ,Wir sind hier in Deutschland. da gilt ein Handschlag.‘ Ich habe aufgegeben und gesagt: Okay, dann gehe ich im Sommer zu Schalke. Schade, denn wenn ich in Bremen geblieben wäre, hätten wir vielleicht noch einen Titel geholt, ich wäre vielleicht noch mal Torschützenkönig geworden. Aber mir ist es ergangen, wie vielen anderen Spielern auch, die eine falsche Entscheiung oder eine Entscheidung viel zu schnell getroffen haben. - csa

Lesen Sie das komplette Interview mit Ailton hier bei unserer Partnerzeitung!

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare