„Papa, Schichtende!“

Abschiedsspiel von Gerald Asamoah wird zum großen Gefühlskino

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Ein Signal von Freunden: Gerald Asamoah schwebt mit der „Tricolore“ in die Arena ein.

Gelsenkirchen - Gerald Asamoah dürfte noch viele gute Scherze an diesem Abend gemacht haben, ganz bestimmt. Aber der, den er riss, als er gerade vom Rasen der Arena kam, war sicher ein komödiantischer Höhepunkt an diesem Abend.

„Ihr wisst ja, ich feier’ nicht so gerne“, sagte der 37-Jährige zu den wartenden Journalisten. Breites Asamoah-Grinsen. „Ich werde jetzt noch ein Wasser und eine Cola trinken und dann mit meiner Frau nach Hause fahren.“ Sehr breites Asamoah-Grinsen.

Die kleine Flunkerei nahm letzlich niemand übel. Wie man diesem Mann sowieso eigentlich nichts übel nehmen kann. Tatsächlich ging es nach dem bewegenden Abschiedsspiel in der Schalker Arena für „Asa“ und eine rund 400 Menschen große Party-Gesellschaft noch ins „Villa Italia“, wo der Abend sicherlich ein würdigen Abschluss fand. Auch für die, die nicht nur Wasser und Cola tranken.

In der Arena hatte es zuvor großes Gefühlskino gegeben. Ganz so, wie es sich für den FC Schalke 04 gehört. Die Anschläge am Vorabend in Paris hatten noch am Samstagmorgen dafür gesorgt, dass von Vereinsseite diskutiert worden war, „Asa seine letzte Schicht“ abzusagen. Doch der Verein sperrte sich. „Wir kapitulieren nicht vor Terroristen“, sagte Aufsichtsratschef Clemens Tönnies zu Beginn der Veranstaltung.

Dezenter Rahmen

So begann die große Abschiedsshow eines der wohl beliebtesten Schalker Fußballer, wenn auch in dezenterem Rahmen. „Gerald hätte es anders verdient, aber das wäre unangemessen“, so Tönnies. Das geplante, große Spektakel ging so dezenter über die Bühne. „Es war erheblich mehr Pyrotechnik und Party angesagt, darauf haben wir verzichtet“, sagte Tönnies. Doch wenn Schalke einen Asamoah verabschiedet, braucht es keine künstlichen Knalleffekte.

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All die emotionalen Momente dieses Abends aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Tönnies‘ trotzige und kämpferischer Ansprache; ein an einem Seil in die Arena einschwebender Gerald Asamoah, der die französische „Tricolore“ entrollt; ein sichtlich bewegter Rudi Assauer im Kabinengang, der von all den alten Weggefährten begrüßt und geherzt wird; ein weinender Gerald Asamoah, der beim musikalischen Finale den Abschluss des Abends so lange wie möglich hinauszögern will.

Dazwischen wurde auch noch Fußball gespielt. Mit all den alten Schalker Helden: mit „Eurofightern“ wie Jiri Nemec, Olaf Thon, Mike Büskens oder Ingo Anderbrügge; mit „Asas“ alten Mannschaftskameraden wie Ebbe Sand, Mike Hanke, Kevin Kuranyi oder Marcelo Bordon; mit alten Kumpels wie Otto Addo, David Odonkor oder Rene Lewejohann. Und natürlich durften auch die Trainer nicht fehlen, die Asamoahs Karriere begleitete hatten: Mirko Slomka, der ihn in Hannover entdeckt hatte, Huub Stevens und Jupp Heynckes, die ihn auf Schalke maßgeblich geformt haben, und Rudi Völler, der ihn 2002 im Weltmeisterschafts-Finale von Yokohama einsetzte.

„Papa, Schichtende!“

Einer der emotionalen Höhepunkte war kurz vor Spielende die Einwechslung eines zweiten Asamoahs, dem siebenjährigen Sohnemann Jaden. „Ich wusste von nichts, ehrlich. Ich habe mich gefragt: Was will der denn hier unten?“ Jaden rief ins Mikrofon: „Papa, Schichtende!“ Danach wollte er nur eins: Tore schießen. Erst schob er nach unwiderstehlichem Sololauf zum 4:4 der „Schalker Allstars“ gegen die „Asa Allstars“ ein, vergab kurz darauf einen Elfmeter, ehe er kurz vor Schluss nur den Pfosten traf. Doch Vereinsmaskottchen Erwin war zur Stelle und schob den Ball noch zum 5:4 ein. Ein klar regulärer Treffer, wie Schiedsrichter Marcel Neuer entschied.

Zum Abschluss schwebte „Asa“ noch einmal durch sein altes Wohnzimmer, der Schalker Arena. Dann ging es auf die Bühne, wo er sich das Mikrofon schnappte und gemeinsam mit seinen alten Weggefährten und den 61 104 Zuschauern im ausverkauften Stadion ein paar alte Hits zum besten gab. An Tagen wie diesen eine tränenreiche Angelegenheit.

Quelle: wa.de

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