Handball

Zusammenschluss nach 15 Jahren

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Strahlten um die Wette: Die Zwillinge Melanie Nitschke (links) und Karina Traumüller standen am Wochenende nach 15 Jahren Pause wieder gemeinsam in einem Punktspiel auf der Platte und feierten mit der HSG Lüdenscheid prompt einen Erfolg (24:20 gegen Wetter/Grundschöttel).

Lüdenscheid – Ganze 15 Jahre hat es gedauert, bis Karina Traumüller und Melanie Nitschke wieder in einem Team zusammen aufliefen. Am vergangenen Samstag streiften die beiden Handballerinnen das Trikot der HSG Lüdenscheid über und feierten einen 24:20-Erfolg in der Landesliga über die HSG Wetter/Grundschöttel. So weit, so normal – doch Traumüller und Nitschke heißen beide gebürtig Schäfer und sind zweieiige Zwillinge.

Für die beiden Plettenbergerinnen ein ganz besonderes Erlebnis. Ihre Handballkarrieren nahmen in den vergangenen Jahre unterschiedliche Wege, aber ihre ersten Gehversuche im Ballsport unternahmen die beiden 30-Jährigen gemeinsam beim TuS Plettenberg, ehe es Karina zur TSG Adler Dielfen zog.

„Die ersten ein, zwei Jahre habe ich dort alleine gespielt, dann kam Melanie aber auch hinzu“, erzählt Traumüller. Dann kletterte sie selbst die Karrieretreppe allerdings weiter hinauf, wechselte im Alter von 15 Jahren in der B-Jugend zur HSG Blomberg-Lippe, um in der A-Jugend perspektivisch gesehen auch Jugend-Bundesliga zu spielen. Ein Schritt, den Melanie nicht mitging: „Ich hatte auch die Möglichkeit, weiter oben zu spielen und den Sprung zu schaffen. Doch das war nie mein Ziel und heute kann ich nur von Karinas Fähigkeiten profitieren. Ich bin sehr stolz auf sie und ihren Karriereweg.“

Acht Jahre Handball-Bundesliga

Traumüllers Fähigkeiten sind unbestritten, denn nach der Station in Blomberg-Lippe spielte sie acht Jahre für Borussia Dortmund in der Handball-Bundesliga, ehe sie vor zwei Jahren die Hallenschuhe eigentlich an den Nagel hing. Die Plettenbergerin heiratete Björn Traumüller, langjähriger Leistungsträger bei der HSV Plettenberg/Werdohl, wurde schwanger und brachte vor einem Jahr eine Tochter zur Welt. Doch nach einer Zeit kamen der Bewegungsdrang und die Lust auf den Handball zurück.

„Ich habe gemerkt, dass ich mich wieder mehr bewegen muss, und wollte wieder etwas tun. Aber anderseits wollte ich nicht zu weit fahren, da ich die Zeit, die ich im Auto sitzen würde, lieber mit meiner Tochter verbringe. Deswegen bin ich vor knapp zwei Monaten einfach mal zu einem Training von Melanie mitgegangen“, erzählt die ehemalige Bundesliga-Akteurin. Die Mannschaft der HSG Lüdenscheid, bei der ihre Schwester seit zwei Jahren nach ihrer siebenjährigen Zeit beim Verbandsligisten SG TuRa Halden-Herbeck spielt, machte auf die Lehrerin einen nachhaltig guten Eindruck.

Mannschaft nimmt Traumüller gut auf

 „Das war aber auch wirklich purer Zufall, aber ausgerechnet an dem Tag, als Karina mit zum Training kam, war die ganze Mannschaft erstmals in dieser Saison vor Ort. Vom Vorstand bis zum Frauenwart waren alle in der Halle. Dabei hatten wir keinem davon erzählt. Das hat bei Karina schon Eindruck hinterlassen“, glaubt Nitschke. „Die Mannschaft ist vom ersten Moment an direkt auf mich zugekommen und hat sich auch Tipps geben lassen. Ich habe mich sofort wohlgefühlt. Und für die Truppe war es sicherlich positiv, dass ich nicht auf die Tabelle geguckt habe, bevor ich das erste Mal vor Ort war. Sonst hätte ich mir das vielleicht noch einmal überlegt“, scherzt Traumüller.

Zu diesem Zeitpunkt lag die Mannschaft von Detlev Nebert auf dem letzten Platz, doch mittlerweile haben sich die Vorjahresdritten gefangen, in den letzten drei Partien gingen die Bergstädterinnen als Siegerinnen vom Platz und rangieren auf dem siebten Platz. Die Bilanz von Traumüller ist seit ihrem Debüt blütenweiß: Zwei Spiele, zwei Siege und insgesamt 14 Treffer sind mehr als vorzeigbare Werte.

Saisonziele nach oben korrigiert

So kann es auch nach der Meinung ihrer Schwester weitergehen: „Vor der Saison haben wir uns zum Ziel gesetzt, die Klasse zu halten. Doch mit Karina haben wir jetzt schon andere Möglichkeiten und können noch etwas mehr angreifen“, gibt sich Nitschke optimistisch. Beinahe hätte es mit der Premiere im Seniorenbereich des Duos Nitschke/Traumüller noch gedauert, doch Melanie kam Freitag aus ihren verspäteten Flitterwochen aus Neuseeland zurück und stand so mit ihrer Schwester auf der Platte der BGL-Halle.

„Die ersten Minuten waren schon etwas komisch. In manchen Situationen denkt man schon, dass man früher schon einmal zusammen gespielt hat. Das ist schwierig zu beschreiben. Es hat ein wenig etwas vom blinden Verständnis“, erklärt Traumüller. Am Samstag geht es ein letztes Mal in diesem Jahr für die HSG Lüdenscheid um zwei Punkte, sie reist zum bis dato ungeschlagenen Spitzenreiter DJK Westfalia Hörde.

„Aber auch da werden wir versuchen, etwas mitzunehmen“, sagt Traumüller. Danach ist erst einmal Pause angesagt, im Kreise ihrer Familie verbringen die Zwillinge gemeinsam die Weihnachtsfeiertage, um im nächsten Jahr gemeinsam auf dem Parkett weitere Siege zu feiern – nach 15 Jahren Pause haben die Handballerinnen viel aufzuholen.

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