Fußball

Zusammenlegung der Sportgerichte: Zurückhaltung an der Basis

Portrait Heiko Kölz
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Beurteilt die neuen Ideen der Ständigen Konferenz zurückhaltend: Heiko Kölz, Vorsitzender des KSG im Fußballkreis Lüdenscheid.

Im Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen hat die Ständige Konferenz zuletzt darüber diskutiert, die Kreissportgerichte und Kreisjugendsportgerichte zusammenzulegen. An der Basis im Fußballkreis Lüdenscheid reagiert man zurückhaltend.

Kreisgebiet – Die Zukunft der Sportgerichte im Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) war bei der Ständigen Konferenz, die in diesem Jahr vor dem Weihnachtsfest als Videokonferenz zusammenkam, nicht das bestimmende, aber doch ein vieldiskutiertes Thema.

Dreieinhalb Jahre nach der Einführung der neuen Rechts- und Verfahrensordnung könnte es schon bald die nächste einschneidende Veränderung im Bereich der Sportgerichtsbarkeit bei den Fußballern in Westfalen geben. „Ziel ist es, die Sportgerichte zusammenzulegen in den Kreisen“, sagt Klaus Scharf, der als Vorsitzender des Fußballkreises Lüdenscheid an der  Ständigen Konferenz teilnahm, „in sieben Kreisen in Westfalen sind das Kreissportgericht und das Kreisjugendsportgericht bereits  zusammengelegt. Und das will man nun überall.“

Außerdem, so Scharf, stehe eine Reduzierung der Bezirkssportgerichte von vier auf drei im Raum. Grund dafür sei zum einen, dass es immer schwieriger sei, Funktionäre für diese Ehrenämter zu gewinnen. Zum anderen sei „auf dem Papier“ auch auf den Plätzen weniger los, gebe es inzwischen weniger Fälle, die vor dem Sportgericht zur Verhandlung kämen. Wobei der Lüdenscheider Kreisvorsitzende bezweifelt, dass es wirklich ruhiger geworden ist auf den Fußballplätzen. „Aber die Schiedsrichter tragen manche Dinge nicht mehr ein, haben keine Lust, Sonderberichte zu schreiben“, sagt Klaus Scharf.

Zusammenlegung der Sportgerichte: Zurückhaltung an der Basis

Wie dem auch sei: Der Vorsitzende des Kreisssportgerichts im Kreis Lüdenscheid, Heiko Kölz, zeigte sich jedenfalls einigermaßen überrascht davon, was das Präsidium und die Kreisvorsitzenden bei der Ständigen Konferenz diskutiert hatten. Im Kreise der KSG-Vorsitzenden, die sich normalerweise immer im Herbst zur Rechtstagung in Kaiserau treffen, ist dieses Thema nämlich noch nicht diskutiert worden. Womöglich auch deshalb nicht, weil die in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie als Tages-Veranstaltung im November geplante Rechtstagung am Ende doch komplett ausfallen musste. Die Pandemie-Entwicklung hatte eine Präsenz-Veranstaltung im November nicht mehr sinnvoll erscheinen lassen.

Aber wie sieht Kölz, der seit mehr als zwei Jahrzehnten erst der Kreisspruchkammer und dann nach der im Juli 2017 in Kraft getretenen Reform dem Kreissportgericht vorsteht, die Ideen der Ständigen Konferenz? „Es ist eine Organisationsfrage“, sagt der Rechtsanwalt, „die Zahl der Ligen bleibt gleich, die Zahl der Spiele auch. Die Arbeit wird also nicht grundsätzlich weniger, wenn man Sportgerichte zusammenlegt. Aber sie wird auf weniger Schultern verteilt. Ob das sinnvoll ist, ist Ermessenssache.“

Althergebrachte Strukturen sind ja nicht vom Himmel gefallen. Sie haben ihre Existenz-Berechtigung.

Heiko Kölz (KSG-Vorsitzender)

Eine derart tiefgreifende, grundlegende Organisationsänderung müsse sehr gut durchdacht sein, sagt Kölz, man dürfe es sich da nicht zu einfach machen. In der Einschätzung schwingt eine gewisse Skepsis mit. Eigentlich gibt es im Fußballkreis Lüdenscheid keinen Grund, in die funktionierenden Systeme einzugreifen. Sowohl das KSG unter Vorsitz von Heiko Kölz als auch das Kreisjugendsportgericht unter dem Vorsitz von Ralf Willschütz sind personell sehr gut besetzt. Es gibt hier bisher kein Problem, Funktionäre fürs Ehrenamt zu finden.

Kölz bringt einen weiteren Aspekt ins Spiel: Aktuell sind es durchaus Experten in ihren Gebieten, die Urteile verfassen. Das KJSG urteilt nach der Jugendspielordnung, das KSG nach der Spielordnung, die für die Senioren gilt. Übrigens analog zur Rechtsprechung im alltäglichen Leben, in der es auch ein gesondertes Jugendstrafrecht gibt. Heiko Kölz hält dies für nachvollziehbar und sinnvoll. „Althergebrachte Strukturen sind ja nicht vom Himmel gefallen“, sagt er, „sie haben ihre Existenz-Berechtigung.“

Mehr Arbeit für die Einzelrichter seit 2017

Dazu kommt, dass es zwar stimmt, dass die Zahl der Fälle für die Sportgerichte kleiner geworden ist, die Arbeit dadurch aber nicht  automatisch weniger. War es früher nach Verhandlungen so, dass ein Tenor festgehalten werden musste, so müssen die Einzelrichter heute nach ihren Entscheidungen gesamte Urteile mit Urteilsbegründung verfassen. Vom Arbeitsaufwand ist das ein massiver Unterschied.

„Es gibt zwar aktuell weniger Fälle, aber keine Garantie, dass es so bleibt. Was passiert, wenn die Fahlzahlen wieder anziehen?“, gibt Heiko Kölz zu bedenken. Er will sich nicht grundsätzlich dem Neuen verschließen, aber eine gewisse Skepsis bleibt bei der bisherigen Betrachtung der neuen Ideen im Verband. Diese allerdings dürften letztlich auch nicht im Eiltempo umgesetzt werden – vorher wird der Verband die Thematik wohl dann doch noch mit seinen Sportrichtern und Jugendsportrichtern erörtern. Ein Termin, bei dem so manches Argument ausgetauscht werden dürfte...

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