Scharfe Dregger-Kritik an den Rechtsorganen

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Nach dem BSK-Urteil wegen Schiedsrichterbeleidigung noch bis 14. Januar gesperrt: Semir Tuz.

Lüdenscheid -  Michael Dregger, Vorstandssprecher von Fußball-Traditionsclub Rot-Weiß Lüdenscheid, ist aktuell nicht gut auf die Rechtsorgane des Westfälischen Fußball-Verbandes zu sprechen, ärgert sich über den langfristigen Ausfall von Angreifer Semir Tuz..

Von Jörg Hellwig

Hatte ihn bereits in der vergangenen Woche die Verbandsjugendspruchkammer verärgert, als sie die RWL-Berufung gegen ein BJSK-Urteil zum Punktspiel der RWL-B-Junioren gegen den Nachbarn SC zurückwies, obwohl ein klarer Regelverstoß des Schiedsrichters vorgelegen hatte, brachte ihn nun am Dienstag die Bezirksspruchkammer Südwestfalen richtig in Harnisch. Unter dem Vorsitz von Friedhelm Nagel (Antfeld), dem Stellvertreter des Kammervorsitzenden Ulrich Schmidt (Siegen), verhängten die Sportrichter im von RWL beantragten schriftlichen Verfahren wegen Schiedsrichter-Beleidigung eine Zehn-Wochen-Sperre gegen den voll geständigen Rot-Weiß-Angreifer Semir Tuz.

„Das Urteil ist völlig weltfremd“

„Überhaupt keine Verhältnismäßigkeit der Mittel, völlig weltfremd“, schimpft Dregger über das BSK-Urteil aus der vergangenen Woche.

Tuz war im Spiel der Rot-Weißen beim FSV Gerlingen (0:2) am 26. Oktober vom Unparteiischen Mahmoudy-Ojghaz (Medebach) zunächst wegen eines zweifelhaften Foulspiels verwarnt und dann wegen Meckerns mit Gelb-Rot vom Platz geschickt worden. Eine Karte, die Tuz mit der wenig charmanten Frage, „Bist du besoffen?“ quittierte. Für die Kammer trotz der durch einige Fehler im Spielbericht objektiv belegbaren schwachen Tagesform des Unparteiischen, der zudem versucht haben soll, den Lüdenscheider Stürmer auch noch verbal zu weiteren Äußerungen zu veranlassen, sicher berechtigt eine Beleidigung des Schiedsrichters. Nach Auffassung der Rot-Weißen aber in einem minderschweren Fall: „Da ist ja sinngemäß nicht betrunken gemeint, sondern verwirrt. Und dann noch in Frageform“, schüttelt Michael Dregger den Kopf über das Strafmaß, den RWL-Akteur noch bis zum 14. Januar für insgesamt zehn Wochen aus dem Verkehr zu ziehen. „Wir hatten fest damit gerechnet, Semir noch in den beiden verbleibenden Spielen des Jahres einsetzen zu können und dann solch ein Urteil“, ist Dregger außer sich. Zumal die Kammer auch noch fälschlicherweise verkündete, dass ihr Urteil rechtskräftig sei.

Eine Berufung gegen den Richterspruch der Kammer aus Olpe allerdings macht wegen der Fristen zur Urteilsbegründung und Sitzungsterminierung für die Rot-Weißen keinen Sinn: „Dann wären die beiden letzten Partien

Berufung macht wegen der Fristen keinen Sinn

des Jahres gespielt, das bringt uns nichts. Ich reize die Rechtsmittel ja nur aus, wenn wir oder einer unserer Spieler dabei gewinnen können. Aber das hat in diesem Fall keinen Sinn“, sagte Dregger, der bereits vor Wochenfrist aus Kosten- und Zeitgründen auf eine Berufung gegen das erwähnte VJSK-Urteil verzichtet hatte.

„Aber wenn man andere Ereignisse auf der Fußballbühne aus den letzten Tagen zum Vergleich heranzieht, kann man nur den Kopf schütteln: Beim Bundesligaspiel Stuttgart - Augsburg sagt der mit gelb-rot vom Platz gestellte Stuttgarter Daniel Schwaab über die Mikrofone deutlich hörbar für ein Millionenpublikum zum Schiedsrichter ‘Leck mich am Arsch’. Aber da passiert gar nichts, der muss nur ein Spiel aussetzen. Und dann wird vor der KreisJugendspruchkammer ein B-Junior, der einen am Boden liegenden gegnerischen Spieler mit dem Fußballschuh vor den Kopf getreten hat, bis März gesperrt. Wegen der Winterpause auch nicht wesentlich länger als Semir Tuz für seine Frage. Da stimmt doch eine ganze Menge nicht“, zweifelt Dregger massiv an der „Linientreue“ durch die Instanzen der Fußballgerichtsbarkeit und schiebt gemeinsam mit dem lange gesperrten RWL-Kicker Tuz sauer, aber letztlich machtlos, jede Menge Frust.

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