Tischtennis

WTTV-Jahresrechnung ärgert Vereine: Der Streit ums liebe Geld

Tischtennisspieler spielt die vorhand
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Die Tischtennis-Saison 20/21 ist in großen Teilen der Pandemie zum Opfer gefallen. Trotzdem sollen die Vereine den vollen Beitrag den WTTV zahlen. Das sorgt an der Basis für Unmut.

Darf ein Verband die vollen Rechnungskosten anfordern, wenn nur ein Bruchteil des Spielbetriebs stattfindet? Der WTTV hat dies getan, an der Tischtennis-Basis in NRW sorgt das für Unmut.

Kreisgebiet – Die Tischtennis-Saison 20/21 ist in den Klassen des Westdeutschen Tischtennis-Verbandes ist – anders als in den Klassen des Deutschen Tischtennis-Bundes – zwar noch nicht abgebrochen. Viel Saisonzeit wird in Summe zwischen August 2020 und Juni 2021 aber nicht zusammenkommen, selbst wenn wider Erwarten tatsächlich noch einmal gespielt werden sollte.

Vor diesem Hintergrund haben die Jahresrechnungen, die der WTTV in den vergangenen Tagen an seine Vereine verschickt hat, für reichlich Unmut an der Basis gesorgt. Unmut, weil trotz der Spielausfälle die Beiträge so berechnet worden sind, als sei es ein normales Spieljahr gewesen. Unmut, den Michael Schmitz, 1. Vorsitzender der DJK Borussia Münster, in einer E-Mail an die WTTV-Führung – stellvertretend für viele Vereine – in Worte gefasst hat.

„Da unser Verein bisher sehr gut durch die Corona-Krise navigiert ist, ist diese Rechnung für uns bezahlbar. Dennoch fehlt mir dafür nahezu jegliches Verständnis“, heißt es in dem Schreiben von Schmitz, „warum? Wir haben – wie vermutlich manch anderer Verein – zwei Mannschaften in den ersten Wochen der Spielzeit zurückziehen müssen. Denn auch in unseren Reihen stehen Spieler in der Hochrisikogruppe (Chroniker, nach Herzinfarkt, Krebserkrankung), aufgrund von Tätigkeiten im Gesundheitswesen und in Schulleitungen nicht abkömmliche Akteure und auch einige ältere TT-Cracks. Dennoch schlagen beide Teams zusätzlich mit je 178,66 Euro Meldegebühr zu Buche. Wenn wir davon ausgehen, dass in dieser Saison allenfalls noch eine Halbserie gespielt wird, gegebenfalls bleibt es sogar dabei, dass wir die Saison nach nur ca. 25 Prozent der Spiele abbrechen müssen, dann sollte man sich als Verband einmal die Frage stellen, inwiefern es gerechtfertigt ist und in die Zeit passt, die Vereinsgebühren zu 100 Prozent erheben.“

WTTV-Jahresrechnung ärgert Vereine: Der Streit ums liebe Geld

Schmitz schreibt, ihm fehle konkret das Wissen, inwiefern beim WTTV auch Corona-Hilfen angekommen seien und ob nicht viele Aufwände durch ausgefallene Spiele und Spieltage entbehrlich seien, wie es konkret um die Rücklagen bestellt sei. „Aber die Verbandsgebühren in diesem besonderen Jahr unverändert an die Vereine durchzureichen, besondere Härtefälle durch Rückzüge aus Gründen des Gesundheitsschutzes unberücksichtigt zu lassen und die Rechnungstellung als rein bürokratischen Akt zu erledigen, das hätte ich so nicht erwartet. Es enttäuscht mich massiv... Wir brauchen in diesem Zeiten auch Empathie für die Vereine und aktive Gestaltung. Sonst gibt es bald nicht mehr viel zu verwalten.“

Im Tischtenniskreis Lüdenscheid ist die Jahresrechnung auch ein Thema, das die Gemüter erhitzt. Ralf Springob, der für den TTC Altena die Rechnung bekommen hat, findet die Kritik von Schmitz sehr berechtigt. „Sinnvoller wäre es gewesen, die Kosten anteilig zu berechnen“, sagt der Burgstädter – Beiträge also in Relation zur Saisondauer oder den absolvierten Spielen. In Altena hat man gerade auch im Vertragsverhältnis mit der Stadt gute Erfahrungen gemacht. Die Hallengebühren zum Beispiel sind nur angefallen, wenn der TTC auch tatsächlich die Sportstätten genutzt hat. „Die Argumentation aus Münster kann ich vollauf nachvollziehen. Auch wir haben jetzt im zweiten Jahr in Folge zum Beispiel fast keine Einnahmen durchs Catering. Das ist nicht lustig“, sagt Springob, „man könnte die Beiträge auch mit denen der nächsten Saison verrechnen. Aber es sollte grundsätzlich anteilig sein, das wäre dann eine faire Sache.“

Dass der Verband die Gelder auch braucht, ist klar. Aber was leistet er im Moment dafür? In so einem Fall kommentarlos eine Rechnung zu schicken, als ob nichts gewesen sei, das geht einfach nicht.

Markus Born (TuS Halver)

Markus Born, Abteilungsleiter des TuS Halver, hat in seinem Verein auch eine entsprechende Resonanz erfahren, als er die Rechnung an den Kassenwart der Abteilung weitergeleitet hat. Martin Steinbach ist inzwischen auch Kassierer im Gesamtverein. „Er hat mir direkt klar gemacht, dass er es eigentlich nicht einsieht, den vollen Betrag zu zahlen“, sagt Born und sagt: „Wir haben kaum gespielt und sollen trotzdem den vollen Betrag bezahlen. Das ist nicht gerecht.“

Bei vier Herrenteams liegt die Abgabe des TuS Halver über 800 Euro. Auch in Halver zahlen die Tischtennisspieler Hallennutzungsgebühren – auch hier sind sie von Seiten der Stadt nur angefallen, wenn tatsächlich die Halle genutzt wurde. Born will den WTTV anschreiben, seinen Standpunkt klarmachen. „Dass der Verband die Gelder auch braucht, ist klar“, sagt er, „aber was leistet er im Moment dafür? In so einem Fall kommentarlos eine Rechnung zu schicken, als ob nichts gewesen sei, das geht einfach nicht.“

Dass die Kommunikation mit den Vereinen besser sein könnte, findet auch Arnd Katzke. Lange Zeit war Katzke Vorstandssprecher der TTSG Lüdenscheid, heute ist der Rechtsanwalt oberster Sportrichter des WTTV. „Das ist rechtlich ein spannendes Thema, ob die Gebühr dem WTTV geschuldet ist, wenn nicht gespielt wird“, sagt der Bergstädter, ohne die Frage ad hoc beantworten zu können, „der ganz konkrete Covid-Fall ist natürlich in keiner Wettspielordnung geregelt. Hier wird von den Vereinen natürlich vor allem moralisch argumentiert.“

Der WTTV muss seinen Apparat weiter unterhalten mit hauptamtlicher Arbeitskraft und auch den Räumlichkeiten in Duisburg. Und da muss man davon ausgehen, dass die Beträge im Sinne des Haushaltsplans sinnvoll verwandt werden. Der WTTV macht sich ja nicht das Sparschwein voll.

Arnd Katzke (TTSG Lüdenscheid)

Katzke allerdings sieht bei allem Verständnis für die Vereine auch die Verbandsseite. „Der Spielbetrieb liegt ja meist in der Hand von ehrenamtlich tätigen Staffelleitern“, sagt er, „der WTTV muss davon unabhängig seinen Apparat weiter unterhalten mit hauptamtlicher Arbeitskraft und auch den Räumlichkeiten in Duisburg. Und da muss man davon ausgehen, dass die Beträge im Sinne des Haushaltsplans sinnvoll verwandt werden. Der WTTV macht sich ja nicht das Sparschwein voll.“

Ein Hilfsfond für besonders hart getroffene Vereine?

Dass der Verband dies mit der Rechnungstellung besser hätte kommunizieren können, das sieht auch Katzke so. „Ich habe auch Verständnis für das Ansinnen der Vereine“, sagt er, „aber ich wüsste nicht, wie es der WTTV sonst machen soll. Die Alternative wäre eine Sonderumlage, wenn beim Verband das Geld nicht reicht. Die müssten dann auch die Vereine bezahlen.“

Katzke hat für von der Pandemie besonders hart getroffene Vereine eine andere Idee – die Einrichtung eines Hilfsfonds für besondere Härtefälle. So würden dem Verband nicht große Teile der Einnahmen wegbrechen –und doch könnte bedürftigen Klubs geholfen werden.

Darum geht es Katzke: Möglichst viele Vereine und Sportler im Boot zu halten. „Die Sorge, die ich habe, ist doch die: Je länger der Lockdown dauert, umso gefährlicher wird es, dass Aktive vielleicht sagen: Okay, ich komme auch ganz gut ohne Tischtennis klar“, sagt der Lüdenscheider, „hier muss die Solidargemeinschaft Tischtennis zusammenhalten.“ Im Verein und mit dem Verband.

WTTV: Rechnungen gehen an 1183 Vereine in ganz NRW

Das Verfahren zur Ermittlung der Verbandsbeiträge ist im WTTV durch die Verbandstagsbeschlüsse vorgegeben. Das jährliche Gesamtbeitragsaufkommen der Mitgliedsvereine beträgt laut Beschluss des Verbandstags 2019 693 000 Euro. Zu diesem Betrag werden die an den Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) zu entrichtenden Beiträge addiert (für 2021 229 982,71 Euro). Die zu Beginn eines Geschäftsjahres vorzunehmende Erhebung der Mitgliedsbeiträge erfolgt auf Grundlage der Anzahl der Vereine (ein Drittel) sowie der Frauen- und Männermannschaften (zwei Drittel), wobei hier noch zwischen Sechser- und Vierermannschaften unterschieden wird. Für die Jahresrechnung des WTTV lagen die nachfolgend aufgeführten Berechnungsgrößen zugrunde:
- 1183 Vereine
- 2032 Sechser-Mannschaften
- 2118 Nicht-Sechser-Mannschaften

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