KSK: Die Worte auf der Goldwaage

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Kommunikationsprobleme und Empfindlichkeiten: Schiedsrichter Uwe Kemmerling und die B-Liga-Fußballer des TSKV Altena auf dem Sportplatz Kuhlenhagen im Schalksmühler Höhengebiet.

Lüdenscheid - Das Meisterschaftsspiel der Fußball-Kreisliga B zwischen dem TuS Stöcken/Dahlerbrück und dem TSKV Altena wird mit 3:0-Toren und drei Punkten für den TSD gewertet. Zudem muss der TSKV für einen verschuldeten Spielabbruch eine Geldstrafe in Höhe von 250 Euro berappen.

Das ist das Ergebnis einer durchaus außergewöhnlichen Verhandlung des Falls vor der Spruchkammer des Fußballkreises Lüdenscheid am Montagabend im Lüdenscheider Friedrichshof. Das Spiel war beim Stande von 3:0 noch vor der Halbzeit abgebrochen worden, weil der TSKV, der sich bis dahin von Schiedsrichter Uwe Kemmerling klar benachteiligt fühlte, noch vor der Pause das Spielfeld verlassen hatte. Nach Darstellung des TSKV, weil sich die Mannschaft von Kemmerling „rassistisch“ beleidigt gefühlt hatte und einer Eskalation hatte vorbeugen wollen. Einer Eskalation, die womöglich weitere Rote Karten nach sich gezogen hätte. Das jedenfalls führte Fikret Durak für den TSKV aus.

Es war ein heikler Fall. Nach dem 3:0 hatte der TSKV zunächst dem TSD vorgeworfen, nicht Fairplay gespielt zu haben. Der TSKV hatte sich zuvor selbst geschwächt, als er eine Strafe des Referees dergestalt korrigiert hatte, dass dieser so einen TSKV-Akteur mit Gelb-Rot vom Platz geschickt hatte. Der TSD hatte dagegen später vor dem 3:0 eine höchst umstrittene Ecke schnell ausgeführt und so aus TSKV-Sicht nicht Fairplay gespielt.

Es war die Minute, als die Dinge aus dem Ruder liefen. Der TSKV meckerte, handelte sich eine Gelbe Karte ein, als ein weiterer Kicker nachfragte, weshalb, hatte Kemmerling auch diesem Spieler Gelb gezeigt und gesagt: „Er meckert gegen Deutschland, gegen Schalksmühle, gegen Dahlerbrück – das geht nicht.“ Nach TSKV-Darstellung hatte der Referee nicht das Verb meckern, sondern protestieren gebraucht.

Diskussionsrunde mit vielen Beteiligten

Während die Kammer rätselte und sinnierte, inwiefern der Ausspruch rassistisch zu sehen sei, fand Durak Kemmerlings Ausführungen weiterhin unerhört und rassistisch, ereiferte sich und warf auch der Kammer vor, dass sie bei türkischen Mannschaften ohnehin den Ruf habe, stets befangen zu urteilen.

Es war höchste Sensibilität gefragt, Worte wurden auf die Goldwaage gelegt. Heiko Kölz sah gar vom üblichen Frage- und Antwort-Spiel ab und ließ eine allgemeine Diskussions- und Austauschrunde zu, in der auch Staffelleiter Mustafa Tekir („Ich sehe keinen rassistischen Hintergrund“) und das KSK-Mitglied Guiseppe Semeraro als Diskussionsteilnehmer mit Migrations-Hintergrund die Aussagen aus ihrer Sicht werten durften, später auch noch ein vom TSKV benannter Zeuge, Shagiram Yasotharan, ein äußerst besonnen auftretender junger Mann, der feststellte: „Die Gelbe Karte war absolut berechtigt, aber das Wort Deutschland hat da nichts verloren.“

Kemmerling: „Für mich sind alle gleich“

Kemmerling selbst bekannte, er habe gemeint, dass der TSKV gegen alles und jeden gemeckert habe. „Hast du etwas gegen türkische Mannschaften?“, fragte ihn Semeraro. „Nein, für mich sind alle gleich“, bekannte der Nachrodter. Die Verhandlung war ein Musterbeispiel für die Schwierigkeiten der Kommunikation zwischen Deutschen und in diesem Fall speziell Türken, für unterschiedlichen Empfindlichkeiten.

Die Kammer nahm sich viel Zeit, abeHr sie musste auch ein Urteil sprechen und tat dies: Die Spielwertung war einfach – auch der TSKV hatte nichts anderes beantragt („Der TSD hat verdient gewonnen“). Der verschuldete Spielabbruch ging letztlich auch klar aufs Konto des TSKV, auch wenn der lieber Kemmerling bestraft gesehen hätte. „Egal, welcher Nationalität Spieler oder Mannschaften sind – sie müssen sich an die Regeln halten“, begründete der KSK-Vorsitzende Heiko Kölz, „da muss man auch einmal die Emotionen zurückstellen und eine unglückliche Wortwahl des Schiedsrichters aushalten.“

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