Tischtennis, WTTV plant große Strukturreform zum 1. Juli 2023

Zukunftsfeste Aufstellung ist das Ziel

Das Gebiet des WTTV nach der geplanten Sturukturreform
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Der Zuschnitt der künftigen Bezirke im Bereich des Westdeutschen Tischtennis-Verbandes nach der Strukturreform, die am 1. Juli 2023 greifen soll.

In gut zwei Jahren soll sie definitiv kommen: Die Strukturreform im Westdeutschen Tischtennis-Verband (WTTV). Die Kreise sollen ab dem 1. Juli 2023 wegfallen, die Bezirke stattdessen kleiner, aber auch zahlreicher werden. Einige Grenzen werden neu gezogen – orientieren will sich der Verband dabei an den kommunalen Gliederungen. Endgültig entschieden werden soll über die Reform beim nächsten Verbandstag, der für den August 2021 geplant ist. WTTV-Präsident Helmut Joosten aus Rees am Niederrhein bezeichnet die zu treffenden Entscheidungen als „wegweisend“. Damit die Delegierten aus den Kreisen und die Vorstände in den Vereinen sich mit der Thematik vertraut machen können, hat der Verband die wichtigsten Anträge vorab verschickt und liefert ausführliche Begründungen mit, „damit Sie diese vor Ort für Ihre Entscheidungsfindung frühzeitig nutzen können“, so Joosten.

Kreisgebiet - Nachdem Edgar Schwarzkopf, Vorsitzender des Kreises Lüdenscheid, seine Vereine über den Jahreswechsel um eine erste Stellungnahme zur Strukturreform gebeten hatte, hat er die neuen Informationen des WTTV nun verbreitet und ruft auf: „Macht euch bitte ein Bild zur geplanten Strukturreform. Auf dem Kreistag werden wir darüber sprechen, wie der Kreis Lüdenscheid sich in dieser Angelegenheit auf dem Verbandstag positioniert.“

Ein positives Votum der Vereine wäre ganz im Sinne des Verbandes. Präsident Joosten: „Ich gebe gerne zu, dass mir eine Zustimmung sehr am Herzen liegt, weil ich davon überzeugt bin, dass der WTTV dadurch zukunftsfester aufgestellt sein wird.“

Bündelung der Kräfte

Das Ziel, welches der WTTV mit der Streichung der Kreise als unterste Verwaltungsebene verknüpft, ist eine Stärkung der Sportentwicklung. „Das schaffen wir nur, wenn wir die Kräfte bündeln und weniger Verluste auf dem Weg durch die Untergliederungen haben“, heißt es in der Begründung. Es sei undenkbar, „dass wir die vielen bis jetzt vernachlässigten Aufgaben in der aktuellen Struktur in Angriff nehmen können. So viele Mitarbeiter/innen würden wir für diese Aufgaben in derzeit 40 Untergliederungen nicht finden. Und gerade das Fehlen dieser Mitarbeiter/innen wird schließlich oft beklagt.“

Dem Mangel an Ehrenamtlichen will der WTTV entgegenwirken. Helmut Joosten: „Wir wollen alles tun, damit wir für die anstehenden Aufgaben auch Mitarbeiter/innen finden und qualifizieren. Dazu sind für November die ersten Veranstaltungen geplant.“ Eine Arbeitsgruppe hat vorab reichlich Arbeit investiert, um Lösungen und gangbare Wege zu finden, die allgemeine Unterstützung finden sollen.

Die künftige konsequente Orientierung der Bezirksgrenzen an die kommunalen Gegebenheiten begründet der WTTV mit der Notwendigkeit einer „deutlich besseren Zusammenarbeit mit den Kreis- und Stadtsportbünden.“ Diese sei nur zu schaffen, „wenn wir uns an den Grenzen der politischen Kreise und Städte orientieren. Die Kreis- und Stadtsportbünde verfügen über zahlreiche und vielfältige Hauptamtlichkeit. Viele dezentrale Qualifizierungsmaßnahmen werden von den Kreis- und Stadtsportbünden angeboten. Vereinsberatungen werden immer mehr dezentral organisiert. Sportpolitische Kontakte sind bei der Verteilung von Fördergeldern sehr wichtig. Auch der Kontakt zu den Sportjugenden der Kreis- und Stadtsportbünde gewinnt auf dem Markt Sport und für die Kinder- und Jugendarbeit an Bedeutung.“ Insgesamt gelte es, „über Netzwerke und Kooperationen Synergien zu schaffen.“

Spielbetrieb sichern

Der Mangel an Ehrenamtlichen ist das eine Problem, der Rückgang an Aktiven ist das andere: Deshalb soll die Reform auch dazu beitragen, den Spielbetrieb zu sichern. Das sei nur in größeren Einheiten möglich. Der oft gehörten Kritik, dadurch komme es zu weiteren Fahrten, widerspricht der WTTV: „Die neuen Bezirke machen rechnerisch nur noch die Hälfte oder gar ein Drittel der Größe der bisherigen Bezirke aus. Warum sollten da Fahrten grundsätzlich weiter werden?“

78 Vereine im neuen, noch namenlosen Bezirk

Innerhalb der Grenzen des Regierungsbezirks Arnsberg soll es ab dem 1. Juli 2023 drei Tischtennisbezirke geben. Der geographisch kleinste, aber am dichtesten besiedelte Bezirk umfasst die Bereiche Herne, Bochum, Dortmund, Hagen und Ennepe-Ruhr. Ihm gehören 80 Vereine an. Der größte Bezirk beinhaltet die Kreise Unna, Hamm, Soest und Hochsauerland mit 88 Vereinen. Lediglich 78 Vereine zählen zum Bezirk mit dem Märkischen Kreis (24 Vereine), dem Kreis Olpe (12) und dem Kreis Siegen-Wittgenstein (42). Die 24 märkischen Vereine setzen sich aus den 16 Clubs aus dem jetzigen TT-Kreis Lüdenscheid und den acht zum MK gehörigen Vereine aus dem jetzigen Kreis Lenne-Ruhr zusammen. Welche Namen die künftigen Bezirke tragen werden, ist noch unbekannt.

Für den Mannschaftsspielbetrieb der Herren würden die Änderungen minimal sein. „Bei den Damen gelten bereits jetzt ganz andere Gesetze“, weiß man beim WTTV, dass Spielbetrieb der Frauen und Mädchen auf Kreisebene praktisch kaum noch stattfindet und es für die wenigen existierenden Teams –- im Kreis Lüdenscheid unterhält allein die TSG Valbert eine Damenmannschaft – vielfach bereits jetzt schon auf Bezirksebene losgeht. In den Klassen der Herren der jetzigen Kreisebene könne es sogar sein, „dass man die Veränderungen gar nicht bemerkt“, so der Verband. Erst in der Bezirksliga komme es möglicherweise zu weiteren Touren, vor allem auch im Nachwuchsbereich – aber die gebe es jetzt auch schon.

„Aber das war ein wichtiger Grund für Veränderungen, weil aktuell die Anzahl der Mannschaften auf Kreisebene an vielen Stellen überhaupt keinen vernünftigen Spielbetrieb zulässt“, argumentiert der WTTV. „Spielklassen mit vier oder fünf Mannschaften sind doch kein gutes Angebot an die Jugendlichen.“ Wer wollte da widersprechen.

Sollte es im August zur gewünschten Grundsatzentscheidung in Sachen Strukturreform kommen, ist geplant, die Feinheiten für den Spielbetrieb beim Verbandstag 2022 zu regeln. Dann soll auch über eventuelle Änderungsanträge zur Neueinteilung des Verbandsgebietes beraten werden.

Mitarbeitergewinnung

Für den Fall eines neuen Zuschnitts des Verbandsgebietes will der WTTV beim Verbandstag 2021 auch die Zusammensetzung der Gremien in den Bezirken festlegen und satzungstechnisch verankern. Die Arbeit in Sportausschüssen soll forciert werden, da eine „einseitige Besetzung eines Vorstandes mit Vertretern aus dem Wettkampfsport den vielfältigen Anforderungen nicht mehr gerecht“ werde. Indes sollen die Gremien im Hinblick auf ein effizientes Arbeiten nicht zu groß ausfallen. Neben einem Ausschuss für Sportentwicklung mit sechs Ressortleitern (Vereinsportangebote und Vereinsaktionen, Kinder- und Jugendbezirksarbeit, mini-Meisterschaften und Milchcup, Schulsport, Trainer-Aus- und -Fortbildung sowie Vereinsberatung und Vereinsentwicklung) soll es ab dem 1. Juli 2023 auch einen Ausschuss für sportpolitische Kontakte geben, der im Austausch mit den Kreis- und Stadtsportbünden stehen soll. Der Vorstand des künftigen Bezirks soll nicht mehr als acht Personen umfassen. Zwingend sind die Posten Vorsitzende/r, stellvertretende/r Vorsitzende/r, Vorstand Finanzen, Vorstand Sport, Vorstand Sportentwicklung, Vorstand Kommunikation und Vorsitzende/r des Jugendvorstands.

Erste Veranstaltungen zur Gewinnung neuer Mitarbeiter/innen für den Bereich der Sportentwicklung sollen am 14. November sowie für die Bereiche der politischen Kontakte und des Sports am 21. November, jeweils in der Jugendherberge in Duisburg, stattfinden.

Verbandstag und Beirat sollten künftig jährlich tagen, aber verkleinert werden, ohne die Stimmenverhältnisse zu ändern – diese Änderungen sollen unabhängig von der Strukturreform schon sofort nach dem entsprechenden Beschluss beim Verbandstag 2021 Gültigkeit erlangen.

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