Fußball

Kreisjugend-Ausschuss verliert vor dem Sportgericht

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Siegte vor dem Sportgericht: Michael Dregger.

Lüdenscheid - Wenn sich ein Sportrichter, der in Westfalen für den Nachwuchs-Bereich der oberste ist, mit der Rücknahme eines Ordnungsgeldes in Höhe von 30 Euro beschäftigen muss und am Ende ein Urteil schreibt, das sich auf fünf Seiten verteilt – dann muss es um etwas Grundsätzliches gehen.

Michael Diekmann ist Vorsitzender des Verbands-Jugend-Sportgerichtes im Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen. In dieser Funktion flatterte dem Bielefelder Rechtsanwalt kürzlich eine E-Mail aus Südwestfalen ins Postfach. Die Parteien: auf der einen Seite der Kreisjugend-Ausschuss (KJA) des Fußballkreises Lüdenscheid, auf der anderen Seite RW Lüdenscheid. 

Am 24. und 25. Januar hatte der KJA die Vertreter aller Vereine im Kreis, die Jugendarbeit betreiben, zur Arbeitstagung nach Kaiserau eingeladen. Elf indes waren – teils entschuldigt, teils unentschuldigt – nicht zum FLVW-Sitz gereist. „Das ist enttäuschend“, hatte der Vorsitzende des Kreisjugend-Ausschusses, Detlev Dräger, seinerzeit im Nachgang festgestellt, „wir haben Monate vorher geplant, es standen wichtige Themen mit kompetenten Referenten auf der Tagesordnung. Und dann ist fast die Hälfte der Vereine, die Jugendarbeit betreiben, nicht anwesend.“ 

So gab es eine dicke Portion Frust bei den KJA-Verantwortlichen und den festen Entschluss, die elf Fehlenden mit einem Ordnungsgeld zu belegen: 30 Euro. Eigentlich keine horrende Summe, doch einem Verein ging es ums Prinzip: Gegen dieses Ordnungsgeld legte Rot-Weiß Lüdenscheid Beschwerde ein. Dies hatte der Verein bereits im Vorfeld angekündigt. Genauer: Die Rot-Weißen hatten sich frühzeitig für die Tagung in Kaiserau entschuldigt, weil kein Vereinsvertreter für zwei Tage zu finden, die Anreise am Freitagnachmittag für Berufstätige nicht zumutbar war und zudem der Wahl des Ortes unter Umweltgesichtspunkten generell nicht in die Zeit passen würde. Der KJA hatte dies zur Kenntnis genommen, aber ein Ordnungsgeld angekündigt. RWL hatte für diesen Fall eine Beschwerde angekündigt. 

Der VJSG-Vorsitzende Diekmann nun prüfte die Argumente beider Seiten, half danach der Beschwerde der Rot-Weißen ab und begründete dies auf fünf Din-a4-Seiten. Es ist ein vielschichtiger Fall. Diekmann beurteilte dabei nicht abschließend, ob und unter welchen Voraussetzungen eine kreisliche Pflicht-Veranstaltung in einer überkreislichen Tagungsstätte angeordnet werden kann oder nicht. Allerdings stellte er klar: Falls so etwas geschieht, so „sind die Anforderungen für ein ‚entschuldigtes Fehlen’ eines Vereins jedenfalls deutlich geringer als wenn die besagte Jugendleitertagung im Kreis Lüdenscheid selbst stattgefunden hätte“. Außerdem stellte der KJA im Austausch fest, dass ihm durch das Fehlen eines RWL-Vertreters kein finanzieller Schaden entstanden sei – die Mindest-Teilnehmerzahl von 40 hatte noch rechtzeitig auf 26 korrigiert werden können. 

Kurzum: RWL muss das Ordnungsgeld von 30 Euro erstattet werden, dazu trägt der KJA die Verfahrenskosten in Höhe von 30 Euro. Weitere Beschwerden der übrigen zehn Vereine muss er indes nicht fürchten. Dafür sind die Fristen verstrichen. Die Vereine SC Lüdenscheid, TuS Grünenbaum, FSV Werdohl, TuS Versetal, TuS Stöcken-Dahlerbrück, TSV Oestertal, FC Altena 69, TuRa Brügge, SSV Lüdenscheid und Eyüpspor Werdohl, die ebenfalls für ihr Fehlen mit 30 Euro Ordnungsgeld belegt worden waren, profitieren nicht vom sportgerichtlichen Erfolg der Rot-Weißen...

Auch zweite RWL-Beschwerde erfolgreich

Die Rot-Weißen feierten damit sogar einen Doppelsieg vor dem Sportgericht, denn wenige Tage später kam auch frohe Kunde von Clemens Wurm und dem Kreissportgericht: Wieder im Zentrum ein Ordnungsgeld. RWL hatte im Testspiel bei der SpVg Hagen 11 zwei A-Junioren eingesetzt, die noch kein Seniorenspielrecht hatten. 25 Euro pro Spieler, 50 Euro Ordnungsgeld. Das wäre in Ordnung gegangen, wenn der Kreis Hagen interveniert hätte. Doch die Eingabe kam aus dem Kreis Lüdenscheid – pikanterweise auch noch initiiert von KJA-Verantwortlichen. Allerdings hatte sich der KJA und mit ihm der Kreis auch hier verzockt. Der Beschwerde von RWL wurde abgeholfen, weil der Staffelleiter, der die Strafe ausgesprochen hatte, nicht zuständig war, weil er zudem keine ordnungsrechtlichen Bestimmungen ernannt hatte. Ein Eigentor des Kreises, der auch die Verfahrenskosten tragen darf…

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