Fußball

Eine neue Rolle für den galligen „Sechser“

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Erkut Orhan ist einer, der dazwischen haut und auf dem Platz rackert und ackert. Seit wenigen Wochen ist der 34-jährige auch Trainer der FSV Werdohl.

Der Fußball schreibt immer wieder mal ganz besondere Geschichten. Auch am Riesei in Werdohl. Dort hat Erkut Orhan bei der FSV Werdohl eine neue Aufgabe gefunden, die er gar nicht gesucht hatte. Zumindest nicht während seiner aktiven Laufbahn.

Werdohl - Als Erkut Orhan in der Winterpause der Saison 2014/15 von Eyüpspor (heute TSV) zum „großen Stadtnachbarn“ FSV Werdohl wechselte und sich der Mittelfeldspieler ein knappes halbes Jahr später einen Syndesmosebandriss sowie einen Bruch des Wadenbeins zuzog und fast eine ganze Saison ausfiel, schien eine Fortsetzung der aktiven Laufbahn stark gefährdet. Doch Orhan kämpfte und meldete sich nach dieser Verletzung zurück, wenn auch zunächst „nur“ als Ergänzungsspieler mit wenig Spielanteilen im Werdohler Landesliga-Team. Seit etwas mehr als drei Wochen und dem freiwilligen Rückzug von Manuel Sander von der Trainerbank ist der inzwischen 34-jährige Werdohler Spielertrainer der FSV. Der Fußball, er schreibt halt immer wieder mal ganz besondere Geschichten...

Ich hatte immer mal im Kopf, dass ich nach meiner aktiven Laufbahn gerne als Trainer arbeiten würde. Dass es jetzt so schnell ging und ich sowohl Spieler als auch Trainer bin, dass war so überhaupt nicht geplant.

Erkut Orhan

„Ich hatte immer mal im Kopf, dass ich nach meiner aktiven Laufbahn gerne als Trainer arbeiten würde. Dass es jetzt so schnell ging und ich sowohl Spieler als auch Trainer bin, dass war so überhaupt nicht geplant“, sagt Erkut Orhan. Als klar war, dass „Manni“ Sander aus privaten und beruflichen Gründen nicht mehr die nötige Zeit finden würde, um das Traineramt am Riesei adäquat auszuüben und seinen Posten daher schließlich zur Verfügung stellte, da entschieden sich die Verantwortlichen am Riesei für eine interne Lösung und machten den bisherigen kickenden „Co“ von Manuel Sander zum Cheftrainer.

Es ist eine Herausforderung, vor der Orhan Respekt hat. Aber auch eine Herausforderung, die er mit Freude und Ehrgeiz angehen wird – wohlwissend, dass es eine sehr knifflige Landesliga-Spielzeit für die FSV werden wird. „Da brauchen wir uns auch überhaupt nichts vorzumachen. Es wird ein ganz hartes Jahr für uns. Wir werden definitiv gegen den Abstieg spielen. Und nichts anderes“, spricht Orhan Klartext. Inzwischen hat der 34-jährige zwar einen 21-köpfigen Kader beisammen und mit Innenverteidiger Iraklis Klazoglou oder Offensivspieler Stefanos Kafetzis auf den letzten Drücker vor dem Stichtag 1. Juli noch erfahrene Akteure begrüßen können am Riesei, es befinden sich aber auch mehrere junge und unerfahrene Akteure im Aufgebot, die schlicht und einfach viel Zeit benötigen werden, um in der Landesliga anzukommen.

„Wenn wir als Mannschaft schnell zusammenfinden, dann haben wir auch eine Chance“, meint Erkut Orhan, der sich mit seinem Team seit rund zwei Wochen in der Saisonvorbereitung befindet. „Mehrere Spieler sind aktuell im Urlaub. Aber die Jungs, die da sind, ziehen gut mit“, berichtet der 34-Jährige, der den geplanten Test am Dienstag gegen den TuS Grünenbaum aber mangels Masse abblasen musste. Und ob die FSV am Samstag beim bezirksligisten ASSV Letmathe antreten wird, war am Montag aufgrund der vielen Urlauber noch fraglich.

Fraglich ist auch noch, wer Erkut Orhan als Co-Trainer unterstützen wird in der neuen Saison. Die Gespräche am Riesei laufen, möglicherweise könnte Neuzugang Stefanos Kafetzis die Rolle des kickenden „Co“ übernehmen. Abwarten. Klar ist hingegen, dass Erkut Orhan trotz der Trainerrolle auch weiterhin Spieler sein wird. Auf der Position des „Sechsers“ fühlt sich der Werdohler, der aufgrund seiner aggressiven, galligen, ja durchaus bissigen Spielweise bei den Gegenspielern nicht gerade beliebt ist und auf dem Platz auch verbal nicht zurückschreckt, pudelwohl.

Orhans Gangart auf dem Platz ist eher Heavy Metal und nicht Kuschelrock

Orhan, der am Riesei nach seiner langen Verletzungspause zunächst Ergänzungsspieler gewesen war und sich in den zurückliegenden zwei, drei Spielzeiten dann einen Stammplatz erkämpf hatte, ist das, was man im Fußball-Sprech als „Aggressive Leader“ bezeichnet. Einer, der dazwischen haut, rackert und ackert. Er hasst es, zu verlieren. Seine aggressive und nicht selten energiegeladene bis temperamentvolle Spielweise wird der 34-Jährige auch nicht ändern, weil er als Spielertrainer nun möglicherweise etwas mehr in den Fokus gerückt ist als vorher. „Ich werde ganz sicher nicht anfangen, die Gegenspieler zu streicheln, nur weil ich jetzt Trainer geworden bin“, so Orhan. Seine Gangart auf dem Platz ist eben eher Heavy Metal und nicht Kuschelrock. Seinem Team möchte er auf der „Sechs“ weiterhin helfen und sich eben sonntags nicht im flauschigen Pulli an die Seitenlinie stellen. „Wenn es einer auf dieser Position besser macht, dann setze ich mich aber auch auf die Bank. Ganz klar“, sagt der 34-Jährige, der in den kommenden Wochen bis zum Saisonstart mit seinem Team noch viel Arbeit vor der Brust und die Ärmel längst hochgekrempelt hat...

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