Bundestrainerin Ramge: „Sieger der Herzen“

+
Nach dem bitteren ersten Umlauf verzückten Jolina Ossenberg-Engels und Timo Gerdes am Samstag mit ihrer Titanic-Kür das Publikum in der Westfalenhalle.

Dortmund - Nach einem harmonischen, mit viel Gefühl und Emotionen gespicktem zweiten Umlauf fielen sich Jolina Ossenberg-Engels und Timo Gerdes am Samstagmittag erleichtert in die Arme.

Die Doppelvoltigierer aus Altena hatten mit ihrer traumhaft schönen Titanic-Kür das Publikum in der Westfalenhalle in ihren Bann gezogen. Es war ein begeisternder Auftritt, der von den Richtern mit 8,035 Punkten belohnt wurde. Nach einem schwarzen Freitag und gleich zwei Stürzen im ersten Umlauf beendeten die Pferdeakrobaten aus dem Lennetal das Weltcup-Finale im Pas-de-deux zwar „nur“ auf dem vierten Platz, konnten das Oval nach dieser bemerkenswerten Reaktion am Samstag aber hocherhobenen Hauptes verlassen und ernteten kräftigen Applaus von den Rängen.

Vor allem Psychologie-Studentin Jolina Ossenberg-Engels hatte an der Seite des 22-Jährigen Gerdes nach dem finalen Showdown ihr bezauberndes Lächeln wiedergefunden, das sie nach den Stürzen am Freitagabend ebenso verloren hatte wie die Hoffnung auf silbernes oder gar goldenes Edelmetall. Sie lächelte für begehrte Selfies in unzählige Smartphone, suchte zusammen mit Timo Gerdes und Longenführerin Claudia Döller-Ossenberg-Engels den Kontakt zu den vielen mitgereisten Fans.

Das „Heimspiel“ in Dortmund, es nahm eben doch noch ein versöhnliches Ende. Die Titanic von der Lenne, sie war beim Finale der weltbesten Voltigierer nicht gesunken. Im Gegenteil. „Jolina und Timo haben heute gezeigt, wie wunderschön und emotional ihre Kür ist“, sagte Bundestrainerin Ulla Ramge, „sie sind die Sieger der Herzen. Das wurde deutlich.“ Wie wahr.

Der Start in den Signal Iduna Cup, er verlief für die Ausnahmeathleten des RV Altena am Donnerstag verheißungsvoll. Im Warm-Up des FEI Weltcup-Finals ging der Tagessieg zwar an die Kölner Theresa-Sophie Bresch und Torben Jacobs mit Holiday on Ice und Alexandra Knauf an der Longe, dahinter aber platzierten sich Jolina Ossenberg-Engels und Timo Gerdes (7,880) vor den Schweizern Zoe Maruccio/Syra Schmid und Marina Mohar/Céline Hofstetter.

Als vorletztes Paar gingen die heimischen Bundeskader-Voltigierer demnach in den ersten Umlauf am Freitagabend, wollten diesen auf dem Rücken des niederländischen Warmbluts Caram sauber und möglichst fehlerfrei turnen. Doch es kam anders. „Ich glaube, manchmal kann man das gar nicht erklären. Es fing erst gut an und wir haben uns auch sicher gefühlt. Dann aber kam die erste Übung – und da merkte man schon, dass es irgendwie hakt. Danach war es schon schwierig, die Harmonie wiederzufinden. Das hat sich dann leider durchgezogen – und dann kam auch schon der erste Sturz“, suchte die 21-jährige Ossenberg-Engels nach Erklärungen. Es folgte ein weiterer Abgang, als Gerdes in der Brücke wegrutschte, und mit dem die Hoffnungen auf einen Platz ganz vorne im Keim erstickt wurden.

Aber: Nach diesem zweiten Sturz turnten die Altenaer sauber zu Ende und retteten, was noch zu retten war. „Sie haben die Kür trotzdem routiniert zu Ende geführt. Das war eine starke, eine reife Leistung“, zollte Bundestrainerin Ramge dem heimischen Duo großen Respekt. Es war ein Ausdruck von Stärke in einem ganz bitteren Moment. Großer Sport. Der Rückstand auf das Podium, er war mit 5,731 Punkten aber immens. Von den Rängen gab es tröstenden Applaus für die sichtlich enttäuschten Protagonisten. „So ist der Sport, auch das gibt es. Dortmund steht hinter euch“, verabschiedete der Hallensprecher das Paar aus dem Zirkel.

Mit dieser Hypothek gingen Jolina Ossenberg-Engels und Timo Gerdes in den zweiten Umlauf, in dem sie mit ausgefeilter Choreografie und turnerischen Elementen mit hohen Schwierigkeitsgeraden Publikum wie Richter überzeugten. Lohn waren 8,035 Punkte und wie schon am Donnerstag die zweitbeste Tagesleistung. Vor allem aber war es die Bestätigung, dass Ossenberg-Engels und Gerdes im Vorfeld zu recht zu den Favoriten gehört hatten. Verdienter Gewinner des zweiten Kürumlaufes und letztlich auch Weltcup-Sieger wurden die Vorjahreszweiten Theresa-Sophie Bresch und Torben Jacobs aus Köln. Platz zwei in der Endabrechnung ging an Zoe Maruccio/Syra Schmid aus der Schweiz.

„Wir sind mit dem zweiten Umlauf total zufrieden. Es ist wirklich eine ganz große Last von uns gefallen, weil man schon mit einem unguten Gefühl rein geht und denkt: hoffentlich passiert heute nichts. Wir haben uns nur auf uns fokussiert, haben alle anderen ausgeblendet. Das hat funktioniert“, betonte Claudia Döller-Ossenberg-Engels. Die Longenführerin war nach der Aufregung tags zuvor daher am Samstag auch voll des Lobes für Caram: „Er hat das wirklich gut weggesteckt.“ Mit der Note für den entspannt wirkenden Vierbeiner im zweiten Kürumlauf, eine 6,575, war sie hingegen weniger glücklich. „Ich hätte mir eine hohe Sechser- oder sogar eine Siebenernote erhofft.“ Das Gremium um Helma Schwarzmann hatte es anders gesehen. Sei’s drum.

Wichtiger war aus Sicht der Altenaer, den Weltcup nach dem Schreck vom Freitagabend doch noch mit einem guten Gefühl beendet zu haben. Platz vier hin oder her.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare