Fußball

Sportgericht kann kein Urteil gegen SCP-Trainer fällen

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Für Detlev Dräger ist das Ergebnis unbefriedigend.

Trainer sollen jungen Fußballern auch als Vorbilder dienen, doch daran scheitern manche Coaches. So auch ein Juniorentrainer des SC Plettenberg, der im März Spieler einer gegnerischen Mannschaft rassistisch beleidigt haben soll. Das Verfahren gegen ihn vor dem Verbandsjugendsportgericht musste jetzt aber vorläufig eingestellt werden.

Plettenberg – Es waren die letzten Hallenturniere vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie: Am 29. Februar und am 1. März wurden die Endrunden der Hallenkreismeisterschaften (HKM) der Nachwuchskicker ausgetragen. Bei den D-Junioren setzte sich in der Sporthalle in Neuenrade der RSV Meinerzhagen durch. Auch der SC Plettenberg und der TSV Lüdenscheid waren bei der Endrunde vertreten, belegten die Plätze fünf und sieben.

So weit, so gut? – Keineswegs, denn an der Niederheide war es kein schönes Turnierwochenende, das auch Veranstaltungen für E- und F-Junioren beinhaltete. Und bei den Jüngsten lief schon vieles aus dem Ruder (wir berichteten seinerzeit): Trainer gerieten aneinander, Schiedsrichterentscheidungen wurden ständig kritisiert, Eltern buhten und brüllten gegnerische Mannschaften nieder – der Spaß am Fußball stand in Neuenrade nur selten im Vordergrund. Statt lachender sahen Mitglieder des Kreisjugendausschusses (KJA), die vor Ort waren, viele weinende Kinder.

Noch gravierender waren die Auswüchse beim D-Juniorenturnier, das sogar für zehn Minuten unterbrochen wurde. Norbert Iwannek, Koordinator Talentsichtung/Talentförderung im KJA, musste den Trainern ins Gewissen reden. „Ich habe ihnen gesagt, dass wir hier mit Zwölfjährigen arbeiten, die beigebracht bekommen sollen, wie sie sich ordnungsgemäß verhalten“, ging Iwannek nicht nur die Kritik an den Unparteiischen entschieden zu weit.

Kreisjugendausschuss leitet Verfahren an die höhere Instanz weiter

Auch Rudelbildungen und Beleidigungen gehörten an jenem Nachmittag in Neuenrade zum Standardrepertoire. Ein besonders gravierendes verbales Foul soll sich dabei der D-Juniorentrainer des SC Plettenberg erlaubt haben. „Es gab sehr schwere rassistische Beleidigungen gegen zwei dunkelhäutige Spieler des TSV Lüdenscheid“, weiß Detlev Dräger, Vorsitzender des Kreisjugendausschusses aus den Schilderungen Iwanneks. „Aufgrund der Schwere der Beleidigungen haben wir damals entschieden, das Verfahren gegen den Trainer nicht im Kreis zu führen, sondern an das Verbandsjugendsportgericht (VJSG) abzugeben“, erläutert Dräger das Vorgehen.

Zum Verhandlungstermin am 4. Juli war unter anderem Iwannek als Zeuge geladen, ebenso der Schiedsrichter, der allerdings nicht erschien. Und weil ohne die Aussage des Referees kein Urteil gefällt werden konnte, wurde ein neuer Termin anberaumt. Wie Detlev Dräger, der als Mitglied des SC Plettenberg selbst wegen möglicher Befangenheit nicht an der Verhandlung teilnahm, erfuhr, soll der beschuldigte Trainer auf dem Flur vor dem Sitzungszimmer die Lüdenscheider Kicker „nochmal angegiftet“ haben.

Trainer nicht mehr Mitglied im Verein

Zu einer zweiten, physischen Verhandlung ist es aber nicht mehr gekommen. Das Verbandsjugendsportgericht unter dem Vorsitz von Wolfgang Diekmann (Brake) hat am 17. August im schriftlichen Verfahren entscheiden müssen, das Verfahren gegen den Plettenberger Trainer vorläufig einzustellen, da selbiger nicht mehr Mitglied des SCP ist. Sollte sich der Beschuldigte indes einem neuen Verein im Verbandsgebiet anschließen und das VJSG davon Kenntnis erhalten, wird das Verfahren fortgeführt.

Für Detlev Dräger ein unbefriedigendes, vorzeitiges Ende des Verfahrens: „Solch ein Trainer muss eigentlich dauerhaft entfernt werden und eine Funktionssperre erhalten“, so die Überzeugung des KJA-Vorsitzenden, der sich die Entscheidung des SC Plettenberg, den Beschuldigten aus dem Verein auszuschließen, erst nach einem Urteil gewünscht hätte. „So finde ich das nicht optimal“, sagt Dräger, der hofft, dass diese Entscheidung nicht nur aus finanziellen Gründen getroffen wurde. Allein für die mündliche Verhandlung am 4. Juli waren Kosten von vorläufig 206 Euro vom VJSG berechnet worden. In der Regel werden die Kosten im Urteil dem Beschuldigten unter Mithaftung seines Vereins auferlegt. Da das Verfahren nun ruht, bleibt die Kostenentscheidung offen. „Manche Vereine scheuen natürlich diese Kosten“, weiß Dräger.

SC Plettenberg gibt keine Auskunft

Die Fragen, warum der SC Plettenberg proaktiv vorgegangen ist, wie der Umgang innerhalb des Vereins mit der Thematik war und warum an einem Ausschluss des beschuldigten D-Juniorentrainers offenbar kein Weg vorbeiführte, konnte ebenfalls nicht geklärt werden. Auf unsere Anfrage bat Jugendkoordinator Christian Becker „um Verständnis, dass wir über interne Personalangelegenheiten des SC Plettenberg grundsätzlich keine Auskunft in der Öffentlichkeit geben“.

Bleibt festzuhalten: Das gravierende Fehlverhalten des Trainers ist zwar offensichtlich SC-intern sanktioniert worden – ein Urteilsspruch durch den Verband, den sich der Kreisjugendausschuss und vermutlich auch die beiden beleidigten Lüdenscheider Fußballer gewünscht hätten, ist aber dadurch gleichzeitig verhindert worden.

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