Mit viel Biss, aber verbal „unter der Gürtellinie“

Unterarm voran in den Zweikampf: Semir Tuz hatte gegen Hellas-Keeper Laki Vlassakidis wiederholt eine Pivatfehde eröffnet.

Lüdenscheid -  Diesmal war’s wie erwartet: Der praktisch feststehende Absteiger SV Hellas Lüdenscheid und Traditionsnachbar Rot-Weiß lieferten sich ein hoch emotionales Stadtduell, das trotz klaren 7:3-Erfolgs der Nattenberg-Kicker viel Spannung barg. Ganz anders als das Hinspiel im Herbst (4:1 für RWL).

Von Jörg Hellwig

Diesmal hatten die Hellenen unter Regie von Neu-Coach Nico Lagoudakis noch einmal die Derbymotivation der Vorsaison ausgepackt, als sie beide Duelle mit Rot-Weiß knapp für sich entschieden hatten. Unabhängig vom bislang enttäuschenden Saisonverlauf vervielfältigten die Hellenen auf dem Honsel-Kunstrasen die Fortschritte der vergangenen Wochen und zeigten der Krumbholz-Elf ohne deren Kreativ-Quartett (Scheerer, Sommer, Carbotta, Rizzi) in Halbzeit eins gar ihre Grenzen auf. Hellas hatte eine Portion mehr Biss als RWL, spielte angeführt von Kafetzis, der erstmals im Hellas-Dress richtig zeigte, warum er über höherklassige Erfahrung verfügt, „Zweikampfmeister“ Baris Moumin, dem unermüdlichen „Oldie“ Sebastian Lisiewicz und dem verbissenen Toni Liakopoulos im Abwehrzentrum nicht wie ein Absteiger. Ungeachtet des frühen Ausfalls von Evrim Kut (Unterarmbruch) und der ersten roten Karte gegen Christos Vasiliadis. Hellas haderte mit den Schirientscheidungen, zumindest teilweise zurecht.

Denn der später zweimal zum 3:3 und 4:3 erfolgreiche RW-Torjäger Semir Tuz hätte überhaupt nicht mehr auf dem Feld sein dürfen, hatte mindestens „eineinhalb Feldverweise“ in seinem Privatduell mit Hellas-Keeper Vlassakidis und mit einer beidbeinigen Grätsche erarbeitet. „Der Schiri hat mit zweierlei Maß gemessen, insofern kann man nicht von verdientem oder unverdientem Sieg sprechen. Die Entwicklung war angesichts unserer dreifachen Unterzahl zwangsläufig“, ärgerte sich Lagoudakis.

Grund zum Ärger sahen aber auch die Rot-Weißen reichlich, die vor gut 200 Zuschauern vor allem die vergiftete Atmosphäre und verbalen Ausbrüche rund um die Hellas-Auswechselbank und auf dem Feld bei den Spielern anprangerten. „Unter aller Kanone. Was hier an Beleidigungen in Richtung Schiedsrichter und uns geäußert wurde, war unter jeder Gürtellinie“, war der selbst nicht gerade als „Leisesprecher“ am Spielfeldrand bekannte sportliche Leiter der Gäste, Thomas Dregger, stocksauer beim Abgang von der Anlage.

Sportlich hatte seine Mannschaft allerdings auch nur in sehr eng begrenztem Rahmen überzeugt. Auch Trainer Robert Krumbholz hatte gesehen, dass die Leistung absolut nicht stimmte, die Hausherren den Abstiegskampf scheinbar stärker verinnerlicht hatten als sein Team.

Das schaffte zwar dann nach Wiederbeginn erwartungsgemäß in der großen Überzahl die Wende, machte aber das Spiel für den Trainergeschmack noch viel zu selten breit und brachte Hellas ausgesprochen selten zum Laufen. Erschreckend, dass Papadopoulos und Kafetzis sogar in dreifacher Unterzahl Keeper Jonas Brackmann noch zu Paraden zwangen, weil RWL zu kompliziert und fehlerbehaftet spielte. Paradebeispiel dafür: Neben der schönen Vorbereitung des frühen Führungstores und der einmal mehr demonstrierten tollen Schusstechnik beim Treffer zum 5:3, unterliefen einem nicht immer wach wirkenden Matthias Urbas auch haarsträubende Pässe ins Niemandsland.

Gut für RWL deshalb, dass nach Spielpause am Wochenende laut des spielenden Co-Trainers Lars Scheerer ein Comeback von Carbotta, Sommer und ihm selbst wieder in den Bereich des Möglichen rückt.

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