Fußball

Darum ist es auf der Stummel so schön...

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Jan Hildebrandt (rechts) hat sich in Affeln zu einem gefürchteten Torjäger weiterentwickelt.

Affeln – So viele wie in dieser Saison waren es noch nie: Zehn Plettenberger Fußballer, namentlich Dominik Appel, Tim Allenstein, Markus Binder, Niklas Linke, Mark Stracke, Sezer Bilgin, Kevin Mrohs, Timon Jürgens, Jan Hildebrandt und Spielertrainer Pietro Guerrieri, spielen zurzeit beim Arnsberger A-Kreisligisten SV Affeln. Das sind fast 50 Prozent des gesamten Kaders. Hinzu kommen noch fünf Plettenberger Kicker (SVA-Vorstandsmitglied Julian Catania, Martin Gatesch, Marvin Mancofschi, Valeri Wittmann und Marc Andre Wolf) in der zweiten Affelner Mannschaft sowie deren Trainer Nico Schulte.

Ähnlich ist die Situation beim SSV Küntrop: Dort gehören acht Plettenberger der A-Ligamannschaft an, zwei weitere spielen in der Zweitvertretung. Man könnte also fast schon ein Spiel untereinander nur mit Plettenberger Fußballern austragen.

Auch in der Vergangenheit haben sich viele Fußballer aus Plettenberg in die Nachbarschaft orientiert, wobei die Richtungen unterschiedlich waren. Der Zug gen Kreis Arnsberg hängt sicherlich auch damit zusammen, dass beim SVA mit Pietro Guerrieri und beim SSV Küntrop bis vor wenigen Wochen mit Giuseppe Ventimiglia zwei Trainer mit langer Plettenberger Vergangenheit im Einsatz sind bzw. waren.

Dennoch stellt sich die Frage, was den Fußball auf dem Dorf für die Spieler aus der größeren Nachbarstadt so interessant macht. Ist der Zusammenhalt, die Kameradschaft bei einem Dorfverein größer? Oder geht es auch um eine andere Form der Wertschätzung, die ihnen dort entgegengebracht wird? Kurzum: Warum fühlen sich die Plettenberger auf den Dörfern so wohl?

Die zweite Frage muss aber natürlich lauten: Was täten SVA und SSV ohne die Plettenberger Fußballer? Gäbe es dann noch gute bis sehr gute A-Ligamannschaften oder müsste man gar, wie im Jugendbereich bereits erfolgreich praktiziert, auch über eine Kooperation im Seniorenbereich nachdenken?

Das sagt der Vorstand

Benjamin Nakajew, Vorsitzender der Fußball-Abteilung des SV Affeln: „Aus meiner Sicht schätzen die Spieler und Trainer zunächst den großen Zusammenhalt und den daraus resultierenden Teamgeist beim SV Affeln. Selbstdarsteller und Egoisten gibt es in unseren Reihen nicht, sowohl auf der sportlichen Ebene, als auch im Vorstand. Wir sind sehr bodenständig, auch wenn wir sportlich ehrgeizige Ziele verfolgen, haben wir ein sehr ruhiges Vereinsumfeld geschaffen – ohne Querelen. Wir genießen ein wirklich gutes Image im Fußballkreis Arnsberg.

Der Teamgedanke steht über allem. Daraus resultiert natürlich auch gegenseitiger Respekt und große Wertschätzung. Die Spieler wissen, dass wir immer ein offenes Ohr für sie haben, auch wenn es mal um Belange außerhalb des Fußballplatzes geht. Ein weiterer wichtiger Punkt ist aus meiner Sicht auch die Mannschaftszusammensetzung. Unsere „Affelner Jungs“ tragen ihren Teil dazu bei und nehmen die externen Kicker auch jederzeit super auf, leben das „Teamgefühl“ vor und die Plettenberger Jungs integrieren sich da einfach super. Es gibt keinen Neid und keine Missgunst, denn innerhalb der Mannschaft (und auch bei den Zuschauern) spielt es überhaupt keine Rolle, ob man nun aus Affeln, Neuenrade, Werdohl oder Plettenberg kommt, denn am Sonntag tragen alle das blau-weiße Trikot und alle sind „Affelner Jungs“.

Die Spieler haben gemeinsam Spaß, unternehmen auch viel außerhalb des Platzes. Das zeigt uns, dass wir vieles richtig machen. Zudem ist es sicherlich auch ein Pluspunkt, dass wir nicht im direkten sportlichen Vergleich zu den Plettenberger Vereinen stehen, die alle im Kreis Lüdenscheid spielen. Man muss aber ganz klar sagen, ohne die Unterstützung der externen Spieler (und gerade auch der Plettenberger) wäre es beim SV Affeln sehr schwierig, erfolgreichen A-Liga Fußball anzubieten. Es würde uns qualitativ und quantitativ einiges fehlen, um unseren eigenen Ansprüchen – erfolgreichen Fußball anbieten, Top 5 in der A-Liga, junge und talentierte Spieler fördern – auch gerecht zu werden.

Zudem müssten wir dann unsere zweite Mannschaft sicherlich vom Spielbetrieb abmelden mangels Personal. Auch unsere eigenen talentierten Spieler aus dem Verein würden uns dann langfristig verlassen, mangels sportlicher Perspektive, und ich bezweifle sehr, dass wir in der Spitzengruppe der A-Liga mithalten könnten. Tristes Mittelmaß wäre die Folge.

Aufgrund des demografischen Wandels fehlen uns gerade im älteren Nachwuchsbereich seit rund fünf Jahren jedes Jahr Spieler, die wir in den Seniorenbereich integrieren können. Waren es vor rund 7 bis 10 Jahren noch fünf Spieler und mehr pro Saison, so sind es aktuell einer bis maximal drei Spieler, die dann zum Teil den Sprung in die erste Mannschaft sportlich gar nicht schaffen. Deshalb sind wir einfach auf externe Unterstützung angewiesen, denn eine Spielgemeinschaft im Seniorenbereich kommt bei uns in Affeln überhaupt nicht in Frage, weil wir weiterhin eigenständig agieren möchten. Dafür betreiben wir als Vorstand auch eine Menge Aufwand und ich bin positiv gestimmt, dass wir auch in Zukunft weiterhin erfolgreich sein werden.

Abschließend bleibt mir zu sagen, dass diese aktuelle Situation sicherlich auch immer vom sportlichen Faktor abhängig ist. Wir sind momentan in einer aussichtreichen Position, stehen im Titelkampf um die Meisterschaft in der A-Liga. Auch im Amateurbereich ist das Geschäft mittlerweile sehr schnelllebig und man weiß nie, was im kommenden Jahr passiert – erst recht nicht in der aktuellen Situation unter Corona-Bedingungen. Die Situation kann sich natürlich auch wieder ändern. Dennoch bin ich sehr glücklich, dass die Jungs aus Plettenberg an Bord sind und nicht nur sportlich, sondern auch menschlich toll sind, wenngleich ihnen ihr Heimatverein im Herzen bleibt.“

Das sagt der Trainer

Pietro Guerrieri:

„Der SV Affeln ist ein Verein,der jedem Spieler das Gefühl gibt, etwas besonderes zu sein – und nicht einer von vielen. Man wird sofort herzlichst aufgenommen. Auch wenn man nicht auf Anhieb funktioniert, wird man nicht fallen gelassen. Der Vorstand hat stets ein offenes Ohr und ist hilfsbereit, die Zuschauer und Fans sind positiv verrückt. Es ist mehr als nur ein Fußballverein: Man hilft sich auch privat, wo man kann.

Auch als ich zunächst nur ein Jahr als Spieler in Affeln war und dann wieder weg war, ist der Kontakt nie abgerissen. Ich bin dankbar, die Gelegenheit bekommen zu haben, eine A-Ligamannschaft mit sportlichen Ambitionen trainieren zu dürfen. Es zeichnet den Verein aus, dass man jemandem schon nach kurzer Zeit so vertraut.“

Das sagen die Spieler
Jan Hildebrandt: 

„Es herrscht ein familiärer Umgang im Verein. Als Neuzugang bin ich super aufgenommen worden. Wenn man den Schritt wagen möchte, ist es für einen Plettenberger direkt um die Ecke und trotzdem ein anderer Fußball-Kreis.“

Dominik „Ingo“ Appel:

 "Das wichtigste zuerst: Dorf ist nicht gleich Dorf, das habe ich selbst merken müssen. Beim SVA bin ich damals super aufgenommen worden, auch im gesamten Umfeld. Natürlich hatte ich es einfacher, weil mit Sven Kortmann mein Schwager schon in Affeln war. Meist steckt die Gemeinschaft in der Kabine, aber da oben ist die Gemeinschaft überall zu spüren. Die Menschen sind einfach viel offener. Auch mein Schwiegervater Ulli ist immer gerne zur Stummel gekommen – schon mit Sven damals – und hat bis heute ein gutes Gefühl. Außerdem sind die Kabinen-Partys legendär.“

Kevin Mrohs:

„Ich finde den Zusammenhalt im Verein top. Sei es im Team oder Team übergreifend, so eine Kameradschaft zwischen 1. und 2. Mannschaft habe ich noch nie erlebt. Das bestätigt auch, dass es etwas anderes ist, im Dorf zu spielen. Natürlich spielt es auch eine Rolle, dass man in Affeln in einem anderen Kreis spielt, schließlich hat man als Plettenberger in der Jugend nur im Kreis Lüdenscheid gespielt. Was noch für Affeln spricht, sind die spontanen Kabinenpartys, die öfter mal bis spät in die Nacht gehen.“

Niklas Linke:

„Die Atmosphäre im Verein und mit den Fans ist harmonisch und familiär. Die Unterstützung unter den Mannschaften wird groß geschrieben. Keiner ist sich zu schade, irgendwo auszuhelfen. Vom ersten Tag an habe ich mich als Teil der Mannschaft gefühlt. Der Zusammenhalt ist top.“

Tim Allenstein:

„Der Verein hat ein super Umfeld mit viel Unterstützung des Vorstandes, der Reserve, der Frauenmannschaft und von allen Anhängern. Unsere Erste ist qualitativ keiner Plettenberger Mannschaft unterlegen. Der Vorstand arbeitet seriös – mit einem klaren Konzept und langfristigen Zielen.“

Markus Binder:

„In Affeln schätzt man jeden Einzelnen und sieht nichts als selbstverständlich an. Ein Grund für meinen Wechsel war, dass ich noch einmal etwas erreichen wollte. Die Zeit davor stand der Spaß mehr im Vordergrund, dass Ergebnis war eher Nebensache. Einfacher machte die Entscheidung auch, dass mein langjähriger Weggefährte Jan Hildebrandt bereits mehrere Jahre in Affeln aktiv war. Auch das Bier nach jedem Training ist natürlich schön, dies hatte ich aber auch beim TuS Plettenberg. Ich konnte mir eigentlich nichts anderes vorstellen, außer blau und gelb beim TuS. Dennoch bin ich froh, diesen Schritt gewagt zu haben. Auch viele Freunde und Weggefährten waren verwundert, als ich die Farben blau und gelb durch blau und weiß tauschte. Aber ich denke, eine Veränderung tut manchmal einfach gut. Mein Herz schlägt blau und gelb, ich glaube auch mein ganzes Leben lang. Seit anderthalb Jahren ist aber auch blau und weiß hinzugekommen!“

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