Fußball

RWL hat alle Schulden getilgt

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Per Schulterschluss und viel beharrlicher Arbeit heraus aus dem Schuldensumpf, von links: RWL-Sprecher Michael Dregger und seine Vorstandskollegen Martin Buchheister und Stefan Grappendorf.

Lüdenscheid - Lautstarker Beifall brandete im Vereinsheim der Wasserfreunde am Dienstagabend auf: Es war ein historischer Moment für die Fußballer von Rot-Weiß Lüdenscheid, als Vorstandssprecher Michael Dregger anlässlich der Jahreshauptversammlung des Klubs verkündete: „Bis auf einen laufenden Warenkredit der Warsteiner Brauerei sind wir schuldenfrei.“

22 Jahre lang hatte er mit seinen Vorstandskollegen nach dem „Steuercrash“ im Winter 1996, daran gearbeitet, den Klub, der schon Ende der 70er Jahre noch zu Zweitligazeiten in die roten Zahlen gerutscht war, zu entschulden. Bevor der älteste der beiden Gründungsvereine, die Sportfreunde 08, in sein 111-jähriges Bestehen geht, ist der Schritt gelungen.

Diese beharrliche Arbeit an der Entschuldung ist den Verantwortlichen sicher hoch anzurechnen, gleichwohl überraschte und schockierte der Stand an Verbindlichkeiten kurz vor der Jahrhundertwende: Ende 1996 noch mit 600 000 Mark beziffert und offiziell eingeräumt, bestätigten sich am Dienstagabend nicht nur die Gerüchte, die schon immer von einer höheren Verschuldung der Rot-Weißen ausgegangen waren, sondern wurden sogar noch übertroffen, betrugen die Verbindlichkeiten nämlich mehr als das Vierfache: „Umgerechnet 1,4 Millionen Euro“ (Dregger) waren es letztlich, die sich aus Forderungen von Gläubigern, Steuerschuld und Forderungen an Sozialversicherungsabgaben ergeben hatten.

Den schwierigen Weg aus diesem finanziellen Desaster zeichnete Dregger nach. „Natürlich wäre der Weg in die Insolvenz der einfachste gewesen. Das hätte jedoch die Auflösung des Vereins zur Folge gehabt, ganz abgesehen von den möglichen persönlichen Nachteilen für die finanziell engagierten Mitglieder“, begründete der erst 1996 ins Vorstandsteam eingestiegene heutige Sprecher, warum RWL nicht den Weg gegangen war wie seinerzeit der FC Gütersloh oder andere. „Alle handelnden Personen mussten damals Strafen zahlen, es wurden damals von allen Beteiligten Fehler gemacht, alle haben von den Unregelmäßigkeiten gewusst oder bewusst weggeschaut. Aber kein Vorwurf an irgendwen in dieser Situation, erst im Nachgang würde man alles anders machen. Aber niemand kann sich von den Fehlern freisprechen, zumal viele andere Vereine es genauso gemacht haben“, meinte Dregger.

Dass einige handelnde Mitglieder den Weg des Vorstands dann nicht mitgegangen sind, sondern sich zurückgezogen hatten, bedauert er. „Wir haben nicht aufgegeben“, bricht Dregger eine Lanze für seine Mitstreiter wie Martin Buchheister, Franz-Josef Frieling, kurzzeitig den viel zu früh verstorbenen Ulrich Siebensohn, später dann Heiko Kölz und schließlich Stefan Grappendorf. Erlass von Schenkungsteuern und Vergleiche mit Gläubigern waren die Begleiter auf dem langen Weg zurück in die Schuldenfreiheit, „aber wir schwimmen nicht etwa im Geld, die Schuldentilgung war nur mit Sondermitteln möglich."

Die Topnachricht führte in der nur 35-minütigen Versammlung zur guten Laune der 41 erschienenen Mitglieder, die nicht nur einen buchhalterischen Gewinn von knapp 8500 Euro in 2017 registrierten und mit einstimmiger Vorstandsentlastung honorierten, sondern auch überwiegend erfreuliche weitere Fakten geliefert bekamen: So stieg die Mitgliederzahl auf nunmehr über 500 und fällt die sportliche Bilanz ausgesprochen positiv aus, sieht man vom Landesligaabstieg der A-Junioren und dem drohenden Abstieg der zweiten Seniorenvertretung ab.

Die RWL-Erstvertretung hat in der Bezirksligastaffel 6 nur das Pech, dass die „Übermannschaft“ der SpVg Hagen 11 „mit ihren offenbar deutlich besseren Mitteln“ den Bergstädtern die Chance auf den Aufstieg nimmt. Und Jugendleiter Stefan Grappendorf hatte im schriftlichen Bericht kampffreudig erklärt: „Wir wollen die erste Adresse im Jugendfußball in unserer Region nicht nur bleiben, sondern wir wollen diesen Status ausbauen.“

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