Tischtennis

Quo vadis, TTSG Lüdenscheid?

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Neue Herausforderung in Velbert: Peter Petrovics (vorne) und Tamas Hejj verlassen den Tischtennis-Verbandsligisten TTSG Lüdenscheid. Für die Bergstädter reißt das Löcher, die kaum zu stopfen sein werden.

Lüdenscheid - Die TTSG Lüdenscheid muss zwei schmerzliche Abgänge verkraften und steht vor einem personellen Neubeginn.

Die Tischtennis-Saison ist vorzeitig beendet, und damit steht Verbandsligist TTSG Lüdenscheid vor einer Zäsur: Spitzenspieler Peter Petrovics und Tamas Hejj wurden vor dem Oster-Wochenende vom TTC SW Velbert als Neuzugänge für eine Zukunft in der NRW-Liga vorgestellt, verlassen die TTSG nach drei Spielzeiten wieder. Die Bergstädter, im Tischtenniskreis hinter dem TTC Altena die unangefochtene Nummer zwei, müssen sich mithin neu aufstellen. Quo vadis, TTSG? 

„Die Entscheidung von Peter ist richtig“, sagt Arnd Katzke. Katzke ist seit der Fusion von BW Lüdenscheid und TSG Wehberg zur TTSG Urgestein und Seele der 1. Mannschaft. Als Petrovics im Sommer 2017 kam, hatte der Ur-Lüdenscheider davon geschwärmt, dass der Ungar der beste Spieler sei, den die TTSG je in ihren Reihen gehabt habe. Und tatsächlich stieg die TTSG in der Saison 2017/18 in einer dramatischen Relegation in die NRW-Liga auf, allerdings im Folgejahr auch direkt wieder ab. 

„Folgerichtig“ nennt Katzke den Schritt des im Verein sehr beliebten Ungarn, zu dem auch er ein sehr gutes Verhältnis hat. Folgerichtig, weil sich Parameter verschoben haben. Die Perspektive bei der TTSG ist nach dem Verlust von André Hegendorf (nach der ersten Halbserie nach Hamburg) eine andere geworden. Auch Petrovics ist inzwischen anders aufgestellt. Durch Arbeit im Zwei-Schicht-System steht er fürs Jugendtraining nur noch alle zwei Wochen zur Verfügung. 

„Ein Wettbieten mit Velbert wäre einfach nicht sinnvoll gewesen“, sagt Katzke, „Peter hat hier alles sehr gut gemacht, gar keine Frage, aber nun ist es richtig so.“ Katzke ist sogar froh, dass die TTSG letztlich keine finanziellen Zusagen gemacht hat, die man nun nach der Corona-Krise womöglich revidieren müsste. „Wir sollten die Zukunft mit einer zurückhaltenden Kalkulation angehen“, sagt der Anwalt. 

Petrovics’ ungarischen Landsmann, Tamas Hejj, hätte die TTSG dagegen sehr, sehr gerne gehalten. „Der Verein hat sich bis zum Ende sehr bemüht. Das ist sehr schade“, sagt Katzke und lobt vor allem Hejjs großes Engagement in der Nachwuchsarbeit, „letztlich ist der Draht zu Peter zu eng gewesen.“ Petrovics war nach seiner ersten Station in der Region bei der TSG Valbert in der Vergangenheit zu Hejj zum ATS Nahmer gewechselt und später über den TTC Altena zur TTSG Lüdenscheid. Nun geht es weiter nach Velbert. Die TTSG erwischt dies in diesen Tagen auf dem falschen Fuß. Alternativen gibt es noch keine. Katzke warnt vor Schnellschüssen aus dem Internet und beneidet Uwe Lenke, der nun planen muss, ohne in der Corona-Krise persönliche Gespräche führen zu können, nicht. Aus der 1. Mannschaft haben Martin Wichary und Felix Klose fürs neue Jahr fest zugesagt. Daniel Becker stünde, wenn er zusagt, weiter eingeschränkt zur Verfügung: Die aktuelle Nummer zwei, die immer aus Menden anreist, spielt mit Priorität Tennis. 

Und Katzke selbst? Der Anwalt ist nachdenklich geworden. „Ich habe 15 Jahre in der 1. Mannschaft gespielt“, sagt er, „13 Jahre Verbandsliga, ein Jahr Landesliga, ein Jahr NRW-Liga. Mir ist es nun vor allem wichtig, dass die Mannschaft zusammenpasst.“ Zur Nachdenklichkeit haben die Entwicklungen in vielerlei Hinsicht beigetragen. André Hegendorfs Wechsel im Winter kam fürs Team letztlich unverhofft. Das TTSG-Modell mit sechs Spielern, die zuverlässig immer spielen – eine richtige, eingeschworene Mannschaft –, es war damit dahin. In der Liga gab es zudem Gegner wie zum Beispiel Holzbüttgen II, die mal in Altena beim Kellerkind die weite Anreise scheuten und kampflos verloren, aber eine Woche später daheim Spieler aufboten, die viel zu stark für die Liga waren. Nun der Abschied von Hejj und Petrovics, die in Lüdenscheid leben und arbeiten. „Ich hatte gehofft, dass es für sie hier eine sportliche Heimat werden sollte“, sagt Katzke traurig, „aber andere Argumente sind dann stärker gewesen...“ 

Die Zukunft? Spieler wie die sehr talentierten, aber noch sehr jungen Dringenberg-Brüder an dieses Niveau heranführen und ausbilden. Davon redet Arnd Katzke. „Eine Mannschaft in der Verbandsliga macht doch genau dann Sinn, wenn auch Ur-Lüdenscheider auf diesem Niveau spielen können“, sagt er. Er kann sich vorstellen, dass mit den eigenen Leuten etwas Neues aufgebaut wird. Die Spielklasse ist dann nicht das Wichtigste. 

„Aber so, wie wir Glück gehabt haben, dass Tamas und Peter seinerzeit zu uns gekommen sind, so können wir auch wieder Glück haben“, sagt Katzke, will eine gute Zukunft in der Verbandsliga keineswegs abhaken, rechnet aber nicht vor dem Monat Mai mit Entscheidungen. Bis zur nächsten Saison ist noch viel Zeit. Zeit, die den TTSG-Verantwortlichen im Moment sehr zupasskommt.

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