Fußball (RWL Retro)

Uwe Helmes: Lüdenscheider Nattenberg als Sprungbrett zur 1. Bundesliga

Cover RWL Heimspielheft von 1981
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Die Nachricht vom Abschied: Im Februar 1981 vor dem Heimspiel gegen Osnabrück vermeldete RWL den Wechsel von Uwe Helmes zum MSV Duisburg in die 1. Bundesliga.

Uwe Helmes kam im Sommer 1980 von den SF Siegen zu Rot-Weiß Lüdenscheid und wechselte im Sommer 1981 weiter zum MSV Duisburg in die 1. Bundesliga. Helmes schaut zurück auf eine besondere Spielzeit am Lüdenscheider Nattenberg.

Lüdenscheid – In der Aufstiegsrunde zur Regionalliga West 1973 hatte Rot-Weiß Lüdenscheid Union Ohligs noch auf Platz drei verwiesen. Der Verein aus dem Bergischen schaffte zwar als Nachrücker den Sprung in die damals zweithöchste deutsche Spielklasse, qualifizierte sich als 15., nun als OSC Solingen, aber ebenso wie die Bergstädter (Platz zehn) nicht für die neue 2. Liga Nord.

Den Aufstieg schaffte der nach der Fusion mit dem VfL Solingen-Wald als SG Union Solingen firmierende Club aber schon 1975, rettete sich 1977, obwohl sportlich als 19. abgestiegen, durch den Lizenzentzug des Bonner SC und Verzichte besser platzierter Mannschaften und traf damit in der Saison 77/78 wieder auf die frisch aufgestiegenen Lüdenscheider. Und im Gegensatz zu den Rot-Weißen reichten die Platzierungen der Solinger in den folgenden vier Jahren für die Qualifikation zur neuen, eingleisigen 2. Bundesliga aus.

Beim 2:1-Sieg der Union am Nattenberg vor 40 Jahren gelang dem damals 22-jährigen RWL-Stürmer Uwe Helmes kein Treffer. Dennoch lief es in der Rückrunde für den Siegerländer ausgezeichnet, erzielte er die Mehrzahl seiner zwölf Saisontore, einmal sogar zwei beim 4:5 an der Essener Hafenstraße. Dass Helmes so befreit aufspielen konnte, lag daran, dass er schon seit Februar den Vertrag für die 1. Bundesliga in der Tasche hatte.

Uwe Helmes: Lüdenscheider Nattenberg als Sprungbrett zur 1. Bundesliga

Daran hatte der schnelle und athletische Angreifer, der sich derzeit zu Hause in Alchen von einer lange aufgeschobenen, am 25. Januar endlich durchgeführten Operation am rechten Sprunggelenk („Der Fuß ist jetzt wieder gerade“) erholt, ein Jahr zuvor nicht im Traum gedacht. Doch mit seinem Tordrang bei Oberligist Sportfreunde Siegen bewarb er sich für höhere Aufgaben. „Ich hatte Angebote von Viktoria Köln, Fortuna Köln und dem VfL Osnabrück. Aber Klaus Eick, dem ich viel zu verdanken habe, hat mich Tag und Nacht verrückt gemacht“, erzählt Helmes. Dem Werben des Fußball-Obmanns von RWL gab der heimatverbundene Helmes auch deshalb nach, „weil ich meinen Job nicht aufgeben wollte. Ich habe bis halb Vier beim Finanzamt in Siegen gearbeitet, bin danach zum Training gefahren. Wir waren noch Feierabendprofis.“

Dass die Rot-Weißen den Sprung in die eingleisige 2. Liga nicht packen würden, dessen war sich Helmes bewusst. „Wir waren doch schon am 1. Spieltag abgestiegen. Sicher bin ich mit dem Wechsel nach Lüdenscheid ein Risiko eingegangen, aber ich wollte ein Jahr Dampf machen.“ Und die Saison am Nattenberg als Sprungbrett nutzen.

Das gelang Uwe Helmes anfangs nicht. „In den ersten zehn Spielen habe ich nur auf der Bank gesessen. Die 2. Liga war etwas ganz anderes als die Oberliga, ich musste mich umstellen. Aber ich wollte einfach in diesem Superstadion auflaufen. Auch die Trainingsmöglichkeiten auf dem Nebenplatz mit Naturrasen waren vom Feinsten – in Siegen mussten wir auf Asche trainieren.“ Erst ab Oktober war Helmes Stammspieler und beeindruckte: „Ich hatte Kraft und habe alles in Grund und Boden gerannt. Uwe Klimaschefski von Hertha BSC, Kuno Klötzer von Werder Bremen und Uli Maslo von Eintracht Braunschweig machten Angebote. Doch dann kam Klaus Eick und berichtete von einem Anruf des MSV Duisburg.“

Ich hatte mit 21 Jahren Anfragen von Viktoria Köln, Fortuna Köln und dem VfL Osnabrück. Aber Klaus Eick hat mich Tag und Nacht verrückt gemacht!

Uwe Helmes

Der Obmann ermunterte Helmes zum Probetraining an der Wedau. Helmes machte das Programm von MSV-Coach Friedhelm Wenzlaff mit, sollte tags darauf wiederkommen, doch Schnee auf der Sauerlandlinie ließ keine Fahrt zu. Der Traum von der 1. Bundesliga platzte aber nicht. „Wir haben mit RWL an einem Sonntagmorgen ein Testspiel in Duisburg gemacht, gewinnen 3:2, und ich schieße zwei Tore“, erinnert sich Helmes an einen überragenden Auftritt. Noch im Februar unterschrieb er den Vertrag beim Gründungsmitglied der Bundesliga, das in der Ära Bernard Dietz auch international für Furore sorgte, 1979 im Halbfinale des UEFA-Cups stand.

RWL Retro: Die 2. Bundesliga 1980/81

Das Frühjahr 2021 ist in Lüdenscheid geprägt vom sportlichen Lockdown. Nichts geht dieser Tage. Vor 40 Jahren, im Frühjahr 1981, kämpfte Rot-Weiß Lüdenscheid in der 2. Fußball-Bundesliga, die zur Saison 81/82 eingleisig werden sollte, um den Klassenerhalt. Es war ein aussichtsloser Kampf, denn für die Qualifikation für die eingleisige 2. Liga wurde eine Wertung mit Ergebnissen der vorherigen fünf Spielzeiten zu Rate gezogen. So lange waren die Rot-Weißen seinerzeit noch gar nicht dabei gewesen. In Erinnerung geblieben ist diese Zweitliga-Zeit dem Fußballfan aber natürlich trotzdem. RWL war der Stolz der Fußballregion in diesen Tagen, auch wenn es am Ende der Spielzeit 80/81 zurück in die Oberliga ging, die damals noch die dritthöchste Spielklasse war. Die LN erinnern in einer Serie an einige der Protagonisten der damaligen Zweitliga-Tage.

Teil 1: Peter Vollmann

Teil 2: Volker Rieske

Teil 3: Uwe Helmes

Uwe Helmes hatte damit Planungssicherheit für die Zeit nach RWL, war „so happy“, dass er sich gar nicht ansah, was er da unterschrieben hatte. „Ich bin anschließend mit meiner Frau zum Kaufhof nach Gelsenkirchen gefahren und hab erst dort geguckt. Bis dahin habe ich gar nicht gewusst, was in dem Vertrag drinstand – so bekloppt war ich damals.“

Beflügelt von der Perspektive 1. Bundesliga gab Helmes „richtig Gas“ im Team mit Scheermann, Wolf, Petkovic, Rieske, Wischniewski – den Männern, die für Helmes die Vorbilder bei RWL waren. „Das waren gestandene Zweitligaspieler – wir hatten eine gute Mannschaft.“

Union Solingen mit einem Ex-Schalker im Tor

Eine Mannschaft, die aber letztlich gegen die hochkarätige Konkurrenz aus Berlin, Bremen, Braunschweig und Hannover nur selten bestehen konnte – und auch nicht am 11. April gegen Union Solingen, bei der mit Helmut Pabst ein Keeper zwischen den Pfosten stand, der Anfang der 70er Jahre zweiter Mann bei Schalke 04 hinter Norbert Nigbur gewesen war und nach den Stationen Wacker 04 Berlin und Fortuna Köln in Solingen 217 Zweitligaspiele absolvierte.

Weit übertroffen wird Pabst indes von Dirk Hupe, der es in 20 Jahren Profifußball gar auf 613 Einsätze in der 1. und 2. Liga brachte. Die „bergische Eiche“, mit markantem Haupthaar und Vollbart gesegnet, war einer der Innenverteidiger, gegen den Uwe Helmes nur ungern spielte. Weder am 11. April 1981 noch am 30. Mai 1986, einem der schwärzesten Tage in der Laufbahn des Stürmers, der nach dem Duisburger Abstieg aus der Bundesliga noch eine Saison an der Wedau geblieben war (damals mit Sturmpartner Roland Wohlfarth).

Uwe Helmes auf dem Panini-Bild im Trikot des MSV Duisburg.

„Ich hatte Angebote von Kickers Offenbach, Sturm Graz und Standard Lüttich, aber immer Heimweh. Meine Mutter war damals schwer krank – sie lebt aber heute noch – weshalb ich mich 1983 für Fortuna Köln entschieden habe“, erzählt Helmes. Wolfgang Fahrian, einstiger WM-Torwart, hatte ihn kontaktiert, im Büro von Jean Löring musste Helmes aber zunächst schlucken, als er die Zahlen las, die der allgewaltige Mäzen und Präsident auf einem Bierdeckel notierte. Helmes erbat sich Bedenkzeit, doch nachdem ihm Löring 500 Mark in die Hand gedrückt hatte („Geh mal schön mit deiner Frau essen“), entschied er sich, zu unterschreiben und klopfte mit dem Verein aus der Kölner Südstadt 1986 noch einmal vehement ans Tor der 1. Bundesliga.

Mit Köln gegen den BVB: Immer wieder gegen Dirk Hupe

In der Relegation gegen Borussia Dortmund, nach Arminia Bielefeld die nächste Station von Dirk Hupe, sah die Fortuna nach einem 2:0-Hinspielsieg und einer 1:0-Pausenführung beim Rückspiel im Westfalenstadion schon wie der Sieger aus, doch der BVB erzwang in allerletzter Minute durch Jürgen Wegmanns 3:1 ein entscheidendes drittes Spiel. Für Uwe Helmes, der die beiden ersten Partien mit einem Faserriss verpasste, ein bitterer Moment: „Wir haben geheult wie die Schlosshunde, hatten doch alle schon Erstligaverträge.“ Zum Entscheidungsspiel in Düsseldorf ließ sich der Stürmer fit spritzen, doch es half nichts. Ausgelaugte Kölner („Wir waren alle kaputt. Nichts ging mehr“) gingen in dem wegen einer angeblichen Magen-Darm-Epidemie um eine Woche verlegten Spiel vor 50 000 Fans im Rheinstadion mit 0:8 unter. Helmes musste beim Stand von 0:5 verletzt raus. Zwei Jahre später beendete er nach 249 Einsätze im bezahlten Fußball seine Profilaufbahn, verpasste es so, bei Fortuna Köln mit Dirk Hupe, der im Sommer 1988 ins Südstadion kam, in einer Elf zu spielen.

Uwe Helmes kehrte derweil als Fußballlehrer 1997 wieder zum Nattenberg zurück, übernahm RWL nach dem Oberliga-Abstieg als Trainer: „Das war eine finanziell schwierige, aber auch eine schöne Zeit.“ Später führte er den SC Plettenberg in die Landesliga und trainierte in zwei Etappen auch den TuS Plettenberg. Bis Corona kam: „Nach einem 0:2 in Freudenberg war plötzlich Schluss. Ich hatte noch nicht mal Zeit, mich persönlich von den Spielern zu verabschieden.“ Das will Helmes nachholen, wenn er wieder gut zu Fuß ist. Und sicherlich wird er dann auch mal wieder bei RWL vorbeischauen.

11. April 1981: Rot-Weiß Lüdenscheid - Union Solingen 1:2 (1:1)

Trotz des frühen 1:0 durch Amir Hadifar blieb RW Lüdenscheid am 11. April 1981 im Heimspiel des 34. Spieltag der 2. Bundesliga Nord gegen Union Solingen punktlos. Das Hinspiel am Hermann-Löns-Weg im Stadtteil Ohligs, über die B 229 nur 55 Kilometer vom Nattenberg entfernt und damit die kürzeste Auswärtstour für Rot-Weiß, hatte Union 2:0 gewonnen. In der Zweitliga-Zeit verbuchte RWL drei Siege und ein Remis gegen Solingen, vier Spiele gingen an Union, das sich als Siebter für die eingleisige 2. Liga qualifizierte. mj

RWL: Wegner – Rieske, Oehler, Busch (66. Petkovic), Alfes (66. Lopatenko), Holtkamp, Steinhauer, Wischniewski, Wrede, Hadifar, Helmes – Trainer Luttrop

Union Solingen: Pabst – K.-D. Dieckmann, Fabian (69. Elfering), Hupe, Elm (75. Dzieciol), Göddertz, G. Diekmann, Krüger, Metzger, Seegler, Krumbein – Trainer Herbeling

Schiedsrichter: Wippker (Röttgen)

Tore: 1:0 (12.) Hadifar, 1:1 (26.) Elm, 1:2 (87.) Krumbein

Zuschauer: 1200

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