Handball

Zwischen guter Ausstattung und fehlendem Verbandskonzept

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Handballerin und Lehrerin in Personalunion: Alina Kammler

Kreisgebiet – Alina Kammler  ist zum einen leidenschaftliche Handballerin und zum anderen ist die Linkshänderin auch Pädagogin an der Richard-Schirrmann-Realschule am Buckesfeld. Wer, wenn nicht sie, sollte den Handball in die Schulen tragen?

„Natürlich versuche ich in jedem Jahr immer auch ein bisschen, den Handballsport im Unterricht näherzubringen“, sagt Kammler, zeigt aber auch die Probleme auf, „die Kollegen wagen sich eher nicht daran, weil für die zur Verfügung stehende Zeit Handball eine zu komplexe Sportart ist.“ Aus eigener Erfahrung berichtet Kammler, dass der Unterricht dann meist nicht über Pass- und Fang-Übungen hinausgeht. „Dazu kommt, dass die Klassen nicht immer homogen sind, und Fußball kann letztlich jeder...“

Kierspe und Meinerzhagen ein gutes Handballeinzugsgebiet

Auch Marius Kraus ist die Art von Lehrer, die prädestiniert dafür ist, den Handballsport an die nächste Generation weiterzugeben. Der 34-Jährige ist noch heute in der Verbandsliga aktiv. Seit 2011 arbeitet er als Lehrer am Evangelischen Gymnasium auf dem Bamberg in Meinerzhagen und mag sich dort über nichts beklagen. „Natürlich haben wir dort auch eine sehr gute Ausstattung. Neue Handbälle sind auch vor kurzem angeschafft worden“, sagt Kraus, der mit seinen Klassen durchaus das Themenfeld Handball beackert, sehr gerne sogar.

„Wir haben ein gutes Einzugsgebiet mit Kierspe und Meinerzhagen, aber auch Bergneustadt“, sagt Kraus, Handball ist da kein fremdes Spiel, „deshalb schaffen wir es auch meistens, eine Schulmannschaft zu stellen, die ich dann betreue. Nur in diesem Jahr hatten wir ein paar Schwierigkeiten mit den Terminen, das war schade.“ Dass nur er Handball lehrt auf dem Bamberg, sieht Kraus nicht. „Handball steht für die Klasse 7 auf dem Lehrplan“, sagt der Linkshänder, „und deshalb sollte jeder Schüler bei uns auch einmal in seiner Schulzeit mit Handball in Berührung gekommen sein. Die Kollegen halten sich daran, ich mache ja auch Gymnastik oder Rock’n-Roll, obwohl ich da persönlich den Handball vorziehen würde…“

SGSH als positives Beispiel

Meinerzhagen ist allerdings nicht überall. Der Halveraner Rolf Weber unterrichtet inzwischen an der Realschule in Wipperfürth, war vorher an den Realschulen in Meinerzhagen und Halver. „Es ist eigentlich immer das Zufallsprinzip gewesen“, sagt der frühere Oberliga-Torwart des Schalksmühler TV und langjährige Seniorentrainer, „wenn sich ein Lehrer engagiert, wird Handball gespielt, aber es kommt sehr aufs Engagement des Einzelnen an.“

Sein Studienkollege aus Zeiten an der Deutschen Sporthochschule und guter Freund Hans-Jürgen Wagner pflichtet ihm bei. „Wenn man sich bemüht, kommt etwas dabei heraus, das sieht man im Moment bei der SGSH ja auch mit Mark Dragunski“, sagt Wagner, „aber es muss noch nicht einmal ein Ex-Nationalspieler sein. Ein gut geschulter junger Erzieher oder Lehrer kann genauso die Jungen und Mädchen in die Hallen holen.“

Wagner, der über Jahrzehnte als Diplom-Sportlehrer in Diensten des TuS Stöcken-Dahlerbrück Jahr für Jahr in Schalksmühle die Minihandballer neu rekrutierte und inzwischen in den Schuldienst gewechselt ist, setzt mit seiner Kritik beim Handballverband an. „Dass man die WM nutzen will, das habe ich schon so oft gehört“, sagt er, „aber praktisch passiert dann doch nicht viel. Wenn der Verband Hauptamtliche einstellt, dann trainieren sie bald die Leistungsmannschaften in den Verbänden.

Davon geht doch niemand in die Schule.“ Auch an der Förderschule in Altena-Mühlenrahmede, an der Wagner inzwischen arbeitet, macht Wagner Handball zum Inhalt, auch wenn es manchmal schwierig ist. Rolf Weber hat noch in dieser Woche in der 8. Klasse seiner Realschule ein Handballturnier ausspielen lassen. Es sind die positiven Beispiele, von denen es flächendeckend aber zu wenige gibt. Jedenfalls gemessen am Reservoir von Jungen und Mädchen, die aktuell in den Vereinen landen. Ob die WM den großen Boom bringen wird – auch bei den Pädagogen wird dies zumindest leise bezweifelt.

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