Tennis, Sauerland-Open

Turnierfavorit Pablo Andujar direkt im ersten Spiel am Stadtpark entzaubert

Tennis Vorhand
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Schied gegen den Bosnier Mirza Basic aus: Pablo Andujar.

Der dritte Tag der Sauerland-Open am Stadtpark brachte zwar auch wieder Regen, aber längst nicht so stark und ausdauernd wie am Montag. So wurde bei kühler Witterung fast das komplette Programm geschafft. Mit einer Sensation: Pablo Andujar, Nummer eins der Setzliste, musste direkt die Segel streichen.

Lüdenscheid – Die Platzmann-Sauerland-Open haben die erste große Überraschung: Der topgesetzte Spanier Pablo Andujar musste am Dienstag im Lüdenscheider Nieselregen bereits in der 1. Runde die Segel streichen. Auch für Mischa Zverev, von den Fans in Lüdenscheid besonders herzlich empfangen, ist das Turnier bereits vorbei. Der ältere Bruder des frisch gebackenen Olympiasiegers Sascha Zverev verlor sein Erstrundenmatch ebenfalls. Den Setzlistenzweiten Pedro Martinez rettete im Entscheidungssatz am Dienstagabend zumindest vorerst der Lüdenscheider Regen. Martinez, der sich im dritten Satz verletzungsbedingt hatte behandeln lassen müssen, lag in diesem 3:4 zurück, als die Partie gegen den Argentinier Camilo Ugo Carabelli abgebrochen wurde. So hat Martinez noch die Chance, mit neuer Kraft die 2. Runde zu erreichen.

Pablo Andujar hat diese Chance nicht mehr. Er erlebte den dritten Satz seines Einzels auf dem Centre-Court am frühen Nachmittag gegen den Bosnier Mirza Basic wie in Trance. Hadernd, mit leerem Blick, einem stillen Kopfschütteln. Es war nicht so gewesen, dass Andujar gegen den 1,88-Meter-Athleten aus Bosnien das Spiel dominiert hatte, das nicht. Aber er hatte es mühsam und zäh bis zu dem Punkt gebracht, an dem alles gut zu werden schien. Einen Fehlstart im ersten Durchgang hatte der Turniermitfavorit nach 63 Minuten zum 7:5-Satzerfolg gekontert. Im zweiten Satz legte er eine 5:3-Führung vor. Sie sollte nicht reichen.

„Es war ein gutes Match, das Pablo im ersten und zu Beginn des zweiten Satzes bestimmt hat, aber dann habe ich meine Chancen genutzt und im dritten Satz noch aggressiver gespielt“, stellte Mirza Basic zufrieden fest, nachdem er sich nach dem Überraschungssieg erst einmal kurz mit den Sabanov-Brüdern ausgetauscht hatte. Die beiden Kroaten, die in Lüdenscheid gemeinsam am Doppel-Wettbewerb teilnehmen, hatten den bosnischen Daviscup-Spieler, der 2018 schon einmal die Nummer 74 der ATP-Weltrangliste gewesen ist, inzwischen aber nur noch auf Rang 268 geführt wird, unterstützt und immer mehr ermutigt, als dieser langsam, aber sicher die Oberhand gewonnen hatte.

Turnierfavorit Pablo Andujar direkt im ersten Spiel am Stadtpark entzaubert

Vier Punkte in Serie hatten Basic den zweiten Satz beschert. Und damit war das Momentum auf seiner Seite gewesen. Beim 35-jährigen Andujar, bei dem sich die Zuschauer gerade daran gewöhnt hatten, wie andächtig er vor jedem ersten Aufschlag aus den vier Bällen, die er sich von den Ballkindern reichen ließ, die zwei vermeintlich erfolgversprechendsten auswählte, war nun nichts mehr gegangen. Die letzten beiden Punkte hatte er beinahe widerstandslos abgegeben, die letzten neun Ballwechsel der Begegnung waren an Basic gegangen. 6:0 im dritten Durchgang, es war ein besonderer an einem an besonderen Momenten nicht armen dritten Tag der Turnierwoche. Für den Mann, der gekommen war, um die Sauerland-Open zu prägen, wenn nicht gar zu gewinnen, war es auch schon der letzte Moment am Stadtpark. Nach zwei Stunden und 32 Minuten Spielzeit.

Kein guter Tag für das „Team Zverev“, wie es einige Besucher auf der Tribüne auf ihren Hoodies trugen. Das „Team Zverev“ hatte Pablo Andujar unterstützt, spielt der Spanier doch mit beiden Zverev-Brüdern für den Rochusclub Düsseldorf in der Bundesliga. Doch während es bei Andujar ein irgendwie besonderer Kampf mit überraschenden Wendungen gewesen war, lief bei Mischa Zverev, der nach Andujar auf den Centre-Court durfte, alles trivial ab: 3:6, 1:6, und das war es dann. Der Belgier Julien Cagnina war an diesem Nachmittag einfach der bessere Spieler, auch deshalb, weil die Fehlerquote beim 33-jährigen Linkshänder aus Hamburg einfach zu groß war. Die Erwartungen der Fans auf der Tribüne, auch beim Nachwuchs des TC Halver, der in Teamstärke zum Lüdenscheider Stadtpark gekommen war, wusste der Ex-Davis-Cup-Spieler nicht zu erfüllen.

Am Abend brauchten die Zuschauer wieder den Regenschirm, wenn sie nicht unters Tribünendach wollten.

Dafür gab es andere Matches, die neben Klasse auch Spannung zu bieten hatten: Am Vormittag kämpften der Gießener Julian Lenz und der Japaner Shintaro Mochizuki zwei Stunden und 35 Minuten lang auf dem Centre-Court. Mochizuki ist kürzlich erst 18 Jahre alt geworden, doch der Sieger des Junior-Grand-Slam-Turniers 2020 in Wimbledon wirkt jünger, erinnert mit seiner geschmeidigen, leichtfüßigen Art an den jungen Michael Chang. So nahm er den so wuchtigen Grundschlägen von Lenz am Dienstagmorgen phasenweise ihre Kraft. Den ersten Satz holt sich Mochizuki nach Rückstand noch mit 7:5. Im zweiten Durchgang lag er 0:3 hinten, führte dann 5:3, um den Durchgang noch 5:7 zu verlieren. Und so hatte der 28-jährige Lenz final doch mehr zuzusetzen und zog mit einem 6:2 im dritten Satz letztlich verdient in die 2. Runde ein, in der er auf den gesetzten Russen Roman Safiullin treffen wird. Safiullin musste in der 1. Runde gegen den Spanier Adrian Mendendez-Maceiras ebenfalls über drei Sätze gehen, allerdings mit gutem Ende für ihn.

Emotionen und Höhepunkte bei Nicolas Jarry

Der Ballwechsel des Tages, er wurde wohl direkt vor der Klubterrasse im Drei-Satz-Match zwischen dem Slowaken Lukas Klein und dem Chilenen Nicolas Jarry gespielt. 6:5 führte Jarry im Tiebreak des zweiten Satzes, als Klein ein ziemlich perfekter Lob gelang, doch Jarry konterte den Ball mit einem noch viel perfekteren No-Look-Schlag, den Klein nicht zu parieren wusste. Der Satz war für Jarry gewonnen. Und auch den dritten holte sich der Chilene wieder im Tiebreak, nutzte den zweiten Matchball zum 8:6 und schlug danach noch einen Tennisball vor lauter Freude übers Weiterkommen in Richtung Frankenplatz und Kornkammer. Wer Emotionen suchte, war beim Chilenen richtig, er hatte sich im Laufe des Matches auch auf seine Art mit Schieds- und Linienrichter sowie den Ballkindern ausgetauscht. Lukas Klein, eine „Aufschlagmaschine“ aus der Slowakei, blieb konsterniert zurück.

Kurzum: Bei immer wieder leichtem Regen und kühler Witterung, gegen die sich die Besucher am Stadtpark gerne auch mal eine Decke auf die Klubterrasse oder die Tribüne mitnahmen, brachte der dritte Turniertag viele sehr gute Matches. Turnierdirektor Rogier Wassen und Anlagenwart Dominik Mertgens atmeten am Abend auf. Obwohl das Martinez-Match und auch die Partie von Daniel Altmaier auf dem Centre-Court (bei 6:2, 4:1-Führung gegen den Argentinier Olivieri) wegen Regens abgebrochen werden mussten, waren letztlich doch noch viele Spiele über die Bühne gebracht worden. Die Hoffnung für die nächsten Tage ist gleichwohl vor allem die, dass sich das Wetter bessern möge. Eine Hoffnung, die Spieler, Organisatoren und Zuschauer teilen.

Glatte Niederlage: Mischa Zverev.

Die Ansetzungen für den Turnier-Mittwoch

Centre-Court: 10.30 Uhr: Duke Ajdukovic (Kroatien) – Constant Lestienne (Frankreich/9); anschließend Spielfortsetzung Genaro Alberto Olivieri (Argentinien) – Daniel Altmaier (Deutschland/4); anschließend Julian Lenz (Deutschland) – Roman Safiullin (Russland/7); anschließend Roberto Carballes Baena (Spanien/3) – Nicolas Jarry (Chile); anschließend (nicht vor 17 Uhr) Dustin Brown/Hazem Naw (Deutschland/Syrien) – Martin Cuevas/Facundo Mena (Uruguay/Argentinien)

Court 7: 10.30 Uhr: Mirza Basic (Bosnien) – Tristan Lamasine (Frankreich); anschließend Marvin Möller/Tim Sandkaulen (Deutschland) – Antonio Sancic/Artem Sitak (Kroatien/Neuseeland); anschließend Adrian Mendendez-Maceiras/Fernando Romboli (Spanien/Brasilien) – Lennart Fastabend/Ludger Fastabend (Deutschland); anschließend Denys Molchanov/Aleksandr Nedovyesov (Ukraine/Kasachstan/1) – Julian Lenz/Sem Verbeek (Deutschland/Niederlande)

Court 3: 10.30 Uhr: Karol Drzewiecki/Sergio Martos/Gornes (Polen/Spanien) – Ivan Sabanov/Matej Sabanov (Kroatien/4); anschließend Fortsetzung Camilo Ugo Carabelli (Argentinien) – Pedro Martinez (Spanien/2); anschließend Juan Manuel Cerundolo/Alexander Merino (Argentinien/Peru) – Ruben Gonzales/Ruan Roelofse (Philippinen/Südafrika); anschließend André Begemann/Albano Olivetti (Deutschland/Frankreich/3) – Duke Ajdukovic/Mirza Basic (Kroatien/Bosnien); anschließend Hans Hach Verdugo/Miguel Angel Reyes-Varela (Mexiko) – Roman Jebavy/Igor Zelenaj (Tschechien/Slowakai)

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