Lenne-Volme-Turngau

Turngau: Keine Klausurtagung, noch kein Terminplan fürs nächste Jahr

Ältere Menschen beim Sport-Workshop
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Bewegungsangebote für Ältere hält Thorsten Gödde für besonders wichtig – zum einen für die Gesundheit, zum anderen aber auch für soziale Kontakte. „Die Sozialschiene geht richtig den Bach runter“, sagt Gödde.

Der Lenne-Volme-Turngau am Ende des Corona-Jahres 2020: Stattgefunden hat wenig, der Blick nach vorne ist ein ungewisser. Und so üben sich die Verantwortlichen in Geduld.

Kreisgebiet – Eigentlich ist der November die Zeit, in der sich die Verantwortlichen im Lenne-Volme-Turngau zur Klausurtagung treffen. Eines der Ergebnisse dieser Tagung ist dann immer bald danach im Internet zu finden: der Terminplan fürs neue Jahr. In Zeiten der Pandemie aber gab es im LVG weder eine Klausurtagung noch gibt es bereits Termine für 2021.

„Wir warten ab, das macht jetzt alles noch keinen Sinn“, sagt der Gauvorsitzende Thorsten Gödde aus Plettenberg, „Turnhallen kann man im Moment ohnehin noch nicht reservieren. Wenn es absehbar ist, dass es wieder losgeht mit dem Sportbetrieb, werden wir kurzfristig eine Sitzung machen. Dann müssen wir liefern, und das wird auch klappen.“ Klar ist für das neue Jahr, dass es zum ersten Mal seit vielen, vielen Jahren keinen Neujahrsempfang im Turngau geben wird. „Völlig inakzeptabel“ wäre ein solcher, sagt Gödde: „Und auch der Gauturntag wird definitiv nicht im ersten Quartal stattfinden, auch wenn die Satzung das eigentlich so vorschreibt. Wir werden ihn nach hinten verschieben, ins dritte oder vierte Quartal.“

Keine Klausurtagung, noch kein Terminplan fürs nächste Jahr

Gödde hat mit dem engsten Vorstandskreis online getagt – der Zeit angemessen. Das klappt problemfrei, ist der Kreis doch mit seiner Frau Dagmar, die im LVG Oberturnwartin ist, mit Helmut Trimpop, dem Herrn der Zahlen, und neuerdings auch mit Thomas Langescheid ein überschaubarer. Es ist ein ruhiges Jahr für diesen Vorstandszirkel gewesen. Finanziell hat die Pandemie der Dachorganisation aller Turnvereine im märkischen Südkreis nicht zugesetzt – viele Kosten sind aufgrund der vielen Absagen  ja gar nicht erst angefallen.

Und die Resonanz aus den Vereinen? „Als wir den Jahresabschlusslehrgang in Plettenberg abgesagt haben, da gab es  schon einige Rückmeldungen der Teilnehmerinnen, die das sehr schade fanden“, sagt Gödde, „aber ansonsten kommt von den Vereinen wenig Resonanz. Sie sind ja auch nicht aktiv – wir sind ja alle zum Füße-Stillhalten verurteilt.“

2020: Ein „totes Jahr“ für den LVG

Das Jahr 2020 bezeichnet Gödde als „totes Jahr“ für den Turngau – ein paar Veranstaltungen im Januar und Februar, dann der erste Lockdown. Wenig Substanzielles im Spätsommer. Das Turnfest in Kierspe hat man frühzeitig ins Jahr 2022 verschoben – 2021 hätte man in Konkurrenz mit dem Deutschen Turnfest in Leipzig gestanden, das inzwischen auch abgesagt ist. Der so ungewisse Blick nach vorne lässt es als durchaus sinnvoll erscheinen, dass der LVG im ersten Halbjahr 2021 kein Großereignis wie jenes am Felderhof in Planung hat.

Wobei der LVG und seine Vereine ja ohnehin nicht primär von den großen Ereignissen leben, sondern vom Breiten- und Gesundheitssport, mit dem sie im Alltag viele Menschen erreichen. Auch viele Menschen aus der Risikogruppe der Pandemie. „Für die Älteren tut mir der Lockdown ganz besonders leid“, sagt Gödde, „weil dieser Personenkreis auf Bewegung angewiesen ist. Kinder und Jugendliche können den Ausfall des Trainingsbetriebs irgendwie anders kompensieren. Aber die Altersgruppen Ü60 oder Ü70 erhalten sich doch durch ihr Training die Mobilität, die nun vielleicht verloren geht. Ich setze mich aufs Fahrrad – draußen oder im Keller. Ich habe mir einen kleinen Kraftraum eingerichtet, ich kann mir selbst helfen – aber Lieschen Müller mit ihren 78 Jahren kann das nicht mehr...“

Thorsten Gödde will beim Blick aufs Jahr 2021 keine vorschnellen Entscheidungen treffen.

Gödde sieht zudem bei der Betrachtung dieser Problematik noch eine zweite Ebene. „Es geht für diesen Personenkreis auch um die soziale Bindung im Verein“, sagt der Vier-Täler-Städter, „man trifft sich mit Freundinnen und Freunden, kann klönen. Das geht komplett verloren. Die Sozialschiene geht richtig den Bach runter. Insgesamt sind die Folgeschäden da nicht zu unterschätzen.“

Mitgliederentwicklung: Geduld bis Februar

Und die Folgeschäden der Pandemie für die Vereine? „Positiv für den LVG ist im Moment, dass es zumindest noch keine Vereinsabmeldung vom Gau zum Jahresende gibt“, sagt Gödde, „die anderen Zahlen – zum Beispiel die Mitgliederentwicklung in den Vereinen – werden wir erst im Februar sehen. Ich glaube schon, dass die Zahlen rückläufig sein werden. Die Frage ist: Wie stark?“ Gödde hat zuletzt die Online-Angebote des Landessportbundes verfolgt. Viele kreative Ideen, um auch in der Corona-Zeit in Bewegung zu bleiben. 

Für die Älteren tut mir der Lockdown ganz besonders leid, weil dieser Personenkreis auf Bewegung angewiesen ist. Kinder und Jugendliche können den Ausfall des Trainingsbetriebs irgendwie anders kompensieren. Aber die Altersgruppen Ü60 oder Ü70 erhalten sich doch durch ihr Training die Mobilität, die nun vielleicht verloren geht. 

Thorsten Gödde (Gauvorsitzender)

Grundsätzlich eine sehr gute Sache, doch der LVG-Vorsitzende hat in Teilen Bedenken, ob diese Entwicklung den Vereinen mittel- und langfristig zuträglich sein wird. Wenn sich Menschen auf Dauer so einrichten, dass sie die Befriedigung des Bewegungsdrangs auch alleine daheim bewerkstelligen können, könnten den Vereinen Mitglieder verlorengehen. „Es gibt einige Vereine, die auch online sehr aktiv sind“, sagt Gödde, „aber auch viele Vereine, die das noch nicht machen. Ich hoffe, dass diese Vereine nicht am Ende darunter leiden.“

Dass Sport im Verein am schönsten ist, wie es der Deutsche Olympische Sportbund seit mehr als 40 Jahren – immer noch aktuell – propagiert: Die Vereine werden es als ihre große Aufgabe begreifen müssen, dies nach dem Lockdown ins Bewusstsein der Aktiven zurückzuholen. Trotz aller Vorbehalte und Ängste, die in Zeiten der Pandemie auch bei sinkenden Infektionszahlen und mit den ersten Impfungen erst einmal überwunden werden müssen bei den Sportlern. Das Jahr 2021 – es darf, so unkonkret die Planungen dafür im Moment auch aussehen mögen, auch im LVG als große Herausforderung verstanden werden.

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