Turnen, Relegation zur 3. Bundesliga

Die Stärken des Meisters, ein anderes Wettkampfformat und ein Topfavorit

+
Vielturner, auch in der Relegation zur 3. Bundesliga in Oberhausen: Kevin Meisel turnt für den TSV Kierspe alle sechs Geräte. Der Lüdenscheider ist inzwischen der „Senior“ der Liga, ist im Oktober 29 Jahre alt geworden.

Kierspe – Zum zweiten Mal in Folge ist der TSV Kierspe zuletzt Meister der Männer-Oberliga in Westfalen geworden. Die Turner wollen nun eine gute Saison krönen mit einem Erfolg im Relegationswettkampf zur 3. Bundesliga.

Am Samstag gilt es um 10 Uhr in der Sporthalle der Böll-Gesamtschule in Oberhausen. Doch wie groß sind die Chancen auf den großen Coup? Worauf darf sich die Riege einstellen? Vor dem ganz besonderen Wettkampf sprach Sportredakteur Thomas Machatzke mit dem Vater der Kiersper Turnerfolge, mit Trainer Uwe Hütz. 

Uwe Hütz, es ist ein besonderer Tag: Mit welcher Erwartung gehen Sie am Samstag in den Relegationswettkampf zur 3. Bundesliga? 

Unsere Jungs sollen noch einmal einen schönen Wettkampf turnen. Sie sollen in Oberhausen das zeigen, was sie in der Liga gezeigt haben. Und dann wird man am Ende sehen, was dabei rauskommt. Die Konkurrenz ist schwer einzuschätzen, zum Beispiel die Tabellenletzten der beiden Staffeln, die TG Pfalz und Sulzbach, kann ich gar nicht richtig einschätzen. Dazu kommt, dass es ein anderes Wettkampfformat ist. 

Das bedeutet? 

In der Oberliga turnen wir Übungen aus dem Bereich „Kür modifiziert“, nun warten Anforderungen aus dem richtigen Kürbereich. Die Wertigkeiten der Übungsteile sind anders. Bestimmte Teile, die im modifizierten Kürbereich gingen, gehen nun nicht mehr. Auch wir haben unsere Übungen zum Teil noch umgestellt. In 95 Prozent der Fälle ist das kein Problem, aber zum Beispiel an Barren und Reck und unter Umständen auch an den Ringen ist es schon anders. 

Sie haben die Konkurrenz bereits angesprochen. Haben Sie einen Favoriten? 

Auf jeden Fall ist der TuS Vinnhorst II der Topfavorit. Die 1. Riege aus Vinnhorst ist vor einem Jahr in die 1. Bundesliga aufgestiegen – und da hat man dann noch einmal mächtig aufgerüstet. Nun sind dort einige Turner übrig, die man oben nicht mehr braucht, die aber nun in die 3. Bundesliga aufsteigen wollen. Diese Riege wird nicht zu schlagen sein. Der Rest dürfte enger zusammenliegen. 

Wenn Sie die heutige Riege des TSV mit der Riege vergleichen, die 2014 in Bergisch Gladbach dabei war und den letzten Platz belegt hat – sind Sie heute stärker aufgestellt? 

Auf jeden Fall, alleine durch Jendrik Lange. Ansonsten ist es ja fast dieselbe Riege – und die einzelnen Turner haben sich auch noch einmal entwickelt. Allerdings kann Tobias Langwald keine Ringe mehr turnen. Insgesamt aber sind wir heute auf jeden Fall stärker. Damals war aber eigentlich allen klar, dass man keine Chance haben würde. Wir haben damals auch keine Übungen umgestellt. Da war es ein ordentlicher Abstand nach oben. 

Uwe Hütz sieht die Kiersper Stärken an Pauschenpferd und Barren.

Wie würden Sie denn heute die Stärken und Schwächen des alten und neuen Oberliga-Meister TSV Kierspe beurteilen? 

Am Seitpferd sind wir sicherlich sehr gut aufgestellt, und auch am Barren. Was sicherlich nicht so gut ist, das ist das Reck. Am Boden sind wir gut aufgestellt, die Ringe sind schwer einzuschätzen, wobei wir da auch drei eigentlich richtig gute Übungen haben. 

Sie haben Jendrik Lange angesprochen. Er ist der jüngste Turner der Riege, kommt aus der Förderarbeit am Turnzentrum in Bochum. Tut so ein Zugewinn der Riege – nicht nur im absoluten Ergebnis – auch deshalb gut, weil alle merken: Da geht noch mehr... 

Jendrik hat sicherlich das eine oder andere Übungsteil aus Bochum mitgebracht, das die anderen gerne übernommen haben. Er hat sich hier und da auch noch was abgeguckt. Ob er bei uns noch etwas gelernt hat, kann ich nicht beurteilen. Auf jeden Fall ist Jendrik extrem talentiert – und das ist natürlich gut für die ganze Riege. 

Am Ende des Tages werden sich zwei der sechs Riegen für die 3. Bundesliga qualifizieren. Wenn der TSV es schaffen sollte – wäre es die Erfüllung eines Traums oder eher ein Albtraum, weil dann die Arbeit erst losginge? 

Sportlich müsste man in so einem Fall noch einmal richtig was tun, wenn man in der 3. Bundesliga nicht sieben Mal was auf die Hose bekommen wollte. Man muss sich immer vor Augen führen, dass auch jetzt zwei starke Riegen dabei sind, die in der 3. Bundesliga kaum was gewonnen haben. Ziel müsste es dann schon sein, noch einmal was draufzupacken. Dazu muss man bedenken, dass wir von unseren Trainingsmöglichkeiten schlechter ausgestattet sind als die meisten Konkurrenten. Das wäre schön alles sehr schwierig. Aber schön wäre es natürlich trotzdem, wenn wir es schaffen würden, gar keine Frage! 

Uwe Hütz, vielen Dank für das Gespräch!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare