Turnen, Verbandsliga-Relegation

Riesenjubel: STV aufgestiegen

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Der Moment, als alle Spannung abfiel: (von links) Lina Chiduck, Merisa Zornic, Jana Simroth, Berenike Grau, Selma Zornic und Tingni Lu freuen sich über den Aufstieg.

Sendenhorst - Riesenjubel beim 125-Jahr-Jubilar: Der Schalksmühler TV turnt im Jahr 2019 in der Verbandsliga des Westfälischen Turnerbundes: Am Samstag belegte die Leistungsriege des Traditionsvereins bei der Aufstiegsrelegation in Sendenhorst den dritten Platz. Doch wenngleich der Vorsprung auf einen Nicht-Verbandsliga-Platz am Ende riesig war, war der Tag nichts für schwache Nerven.

Der Vormittag in der Sporthalle am Westtor in Sendenhorst begann für die Schützlinge von Trainer Jochen Gerlach mit einem personellen Rückschlag. Milena Flechsler verletzte sich beim Einturnen (Verdacht auf Muskelfaserriss in der Wade). Damit musste die an allen vier Geräten gesetzte Turnerin passen.

Doch das Team rückte ob dieser Hiobsbotschaft noch näher zusammen. Zum Auftakt am Schwebebalken kam Berenike Grau für Flechsler ins Team - und turnte eine richtig gute Übung ohne Absteiger (10,75 Punkte). Auch Lina Chiduck war zum Auftakt oben geblieben (11,95), und Merisa Zornic kam nach ihrem Absteiger-freien Vortrag (10,60) gar nicht mehr aus dem Strahlen heraus. 

Knie verbunden, Relegationsstart dahin: Milena Flechsler.

Drei gute Vorlagen für die aktuell vielleicht beste Balken-Turnerin der Riege, Jana Simroth, doch wie hoch der Druck war, war an ihrer Übung abzulesen. Eine Woche nach einer Traumübung bei den Gaukunstturnmeisterschaften stieg Simroth dreimal ab - und weinte bittere Tränen (7,50, Streichergebnis). Jochen Gerlach verbuchte den „Zitterbalken“ trotzdem als Erfolg. Drei Turnerinnen ohne Absteiger in der Wertung, 33,30 Punkte, der Auftakt war gelungen. 

Ausgerechnet an ihrem Gerät, dem Schwebebalken, lief es diesmal für Jana Simroth diesmal nicht. Doch dafür gab die Lüdenscheiderin am Boden und Sprung die passende Antwort.

Und am Boden legte der STV imposant nach. Jana Simroth gab die richtige Antwort auf ihren Balken-Fauxpas (13,70), Tingni Lu zeigte trotz Trainingsrückstandes eine tolle Leistung (13,30) und Lina Chiduck war ohnehin im Aufstiegsmodus: 14,10 Punkte, drittbeste Bodenübung aller Turnerinnen. Fürs Team beim Streichergebnis von Merisa Zornic (10,60) 41,10 Punkte - ein Rekordwert.

Starke Bodenkür: Tingni Lu, für die es wegen ihres Studiums in Köln der letzte Wettkampf für den STV war.

Der STV schien nach den eigenen Ansprüchen auf Kurs, Jochen Gerlach blieb „vorsichtig optimistisch“, doch wie viele würde nötig sein, um vier Teams hinter sich zu lassen? Die Anspannung blieb maximal, doch auch am Sprung hatte Jochen Gerlach am Ende ein Lächeln im Gesicht: 13,10 Punkte für Chiduck, 12,75 für Simroth und 12,60 für Tingni Lu, die für Flechsler nachgerückt war und sogar eine bessere Wertung bekam als Merisa Zornic (12,05). 38,45 Punkte im Teamresultat. Besser sollte am Sprung am Ende nur der überlegene Relegationssieger aus Greven sein.

Höchste STV-Wertung am Sprung, zweitbeste Vierkämpferin aller Turnerinnen: Lina Chiduck im "Aufstiegsmodus". 

Es wartete aber noch der Stufenbarren und mithin das Gerät, bei dem der STV zuletzt die meisten Sorgen hatte. Beim Abschlusstraining hatte sich Milena Flechsler als vierte Turnerin empfohlen, nun musste sie ersetzt werden, also turnte doch „Stand-by“ Selma Zornic (9,70). Es ging aufs Finale zu, die Spannung stieg. Als Berenike Grau für eine gute Übung nur 9,70 Punkte erhielt, schüttelte Jochen Gerlach leise den Kopf. 

Kam am Stufenbarren zu schlecht weg bei den Wertungsrichtern: Berenike Grau.

Doch es wurde alles gut. Merisa Zornic, die jüngste Barren-Turnerin des Tages, kam gut durch und noch ein bisschen besser bei den Wertungsrichtern weg (12,10). Lina Chiduck, die am Balken den Wettkampf eröffnet hatte, beschloss ihn nun auch am Stufenbarren - 12,60 Punkte, ein starkes Resultat, und doch schaute sie ärgerlich drein, hatte beim Abgang den unteren Holm mit dem Fuß berührt. „Das darf mir in meinem Alter nicht passieren“, sagte die 23-Jährige. Doch unterm Strich war auch der Stufenbarren mit 34,40 Punkte für den STV absolut im Rahmen.

Hatte allen Grund zum Strahlen: Merisa Zornic.

Und ein paar Minuten später strahlte auch Chiduck wieder, und Simroth weinte zum zweiten Mal an diesem Tag, diesmal Tränen der Freude: 147,25 Punkte bedeuteten Rang drei in der Relegation für den Saisondritten der Landesliga 1, der lauter und ausgelassener jubelte als jede andere Riege. Besser waren in Sendenhorst nur Landesliga-1-Meister TVE Greven (154,65) und der KTV Bielefeld (152,75), also die beiden Riegen, die den STV auch in der Saison auf Distanz gehalten hatten.

Lina Chiduck feierte den Aufstieg mit Ex-STV-Turnerin Marie Rademacher (ehemals Eicker).

Als viertes Team qualifizierte sich der TV Olpe (143,75) für die Verbandsliga, der KTV Dortmund (Hörde, 141,90), Ex-Oberligist VfL Kamen (137,05), die SpVg Heepen (137,05) und der TV Lengerich (135,45) werden dagegen zum Personal der neuen Landesliga 1 im WTB gehören.

Ex-STV-Turnerin Claudia Raczek mit dem STV-Schal, Trainer Jochen Gerlach mitten in der Jubeltraube.

Lina Chiduck war in Sendenhorst nicht nur drittbeste Turnerin an Boden und Stufenbarren - sie turnte auch mit 51,75 Punkten den zweitbesten Vierkampf aller Turnerinnen in diesem Wettkampf.

STV-Riege feiert Aufstieg in die Verbandsliga

Und während der STV all dies bejubelte, musste auch Tingi Lu eine Träne verdrücken, eine Träne des Abschieds war es. Sie geht zum Studium nach Köln und erklärte nach der Relegation in Sendenhorst, dass dies ihr letzter Wettkampf für den STV gewesen ist. Ein Abschied mit einem Aufstieg, schöner ging es in diesem Augenblick gar nicht.

Die Aufstiegsriege des STV nach der Siegerehrung.

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