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Nach der Flut: Sportler zeigen sich solidarisch

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Von: Frank Zacharias

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Keine einzige Sportstätte in Ahrweiler ist derzeit nutzbar.
Ein Bild der Zerstörung direkt nach der Flut: Keine einzige Sportstätte in Ahrweiler ist derzeit nutzbar. Der ansässige TuS muss auf Außentrainings auf unbeschädigten Plätzen in höheren Lagen ausweichen – und plant jetzt die Anmietung eines großen Zeltes. © TuS Ahrtal

Hilfe für die Opfer der Flutkatastrophe ist weiterhin gefragt. Und dass in den betroffenen Regionen auch der Sport Anlaufhilfen braucht, steht außer Frage – das haben die Verantwortlichen der Turbo-Schnecken vor Ort erfahren müssen, als sie jetzt zu einer Spendenübergabe das Ahrtal besuchten.

Lüdenscheid/Altena/Ahrtal - Insgesamt 9500 Euro hatten die Mitglieder des Vereins gemeinsam mit Kunden der Kooperationspartner Coiffeur Giovanni Triolo und dem Herscheider Geschäft Gerlinde‘s Fashion gesammelt. Und schnell war für die Turbo-Schnecken Vorsitzende Brigitte Klein und ihr Team klar, dass ein großer Teil zwar auch in die heimische Region fließen sollte, man sich aber auch mit Sportvereinen solidarisch zeigen will.

Und so wurden 5500 Euro dem Verein „Stellwerk Altena“ übergeben, der sich der Hochwasserhilfe in der Burgstadt verschrieben hat, die restlichen 4000 Euro gingen ins Ahrtal, wo der TuS Ahrweiler nach der Katastrophe am 14. und 15. Juli eine unvorstellbare Schadensbilanz ziehen musste. „Den Kontakt ins Ahrtal haben wir bewusst gesucht, weil wir häufig mit vielen Teilnehmern an Läufen über den Rotweinwanderweg teilgenommen haben. Das haben wir immer sehr genossen und wollten deshalb etwas Gutes für die Region tun“, erklärt „Ober-Schnecke“ Brigitte Klein, die daher gemeinsam mit Schneckenhaus-Ressortleiterin Saskia Zilinski nach Bad Neuenahr-Ahrweiler fuhr, um den symbolischen Spendenscheck zu übergeben – und sich selbst ein Bild von dem Schaden zu machen, den der TuS als einer der größten ansässigen Mehrspartenvereine zu verkraften hat. Und das, was die Lüdenscheider Delegation immer noch sah, war verheerend.

„Sowohl die Scheckübergabe als auch der anschließende Rundgang durch Ahrweiler waren sehr bewegend“, berichtet Brigitte Klein. Nicht nur das Appolinaris-Stadion, sondern sämtliche übrigen Sportstätten wurden überflutet und weitgehend zerstört. Das Wasser stand bis zu vier Meter hoch in den Turnhallen. „Die Vereinsräume des TuS Ahrweiler mit der kompletten Büroausstattung, viele Unterlagen, Dokumente, die Vereinshistorie aus fast 125 Jahren und Materialien sind der Flut zum Opfer gefallen.“

Die Turbo-Schnecken Lüdenscheid spendeten dem TuS Ahrweiler Geld
Auch dem TuS Ahrweiler – vertreten durch Geschäftsführerin Sabine Schenke und Schatzmeister Wolfgang Poppelreuter – übergaben Brigitte Klein und Saskia Zilinski symbolische Schecks, um die Flutschäden zu beseitigen. © Turbo-Schnecken Lüdenscheid

Und auch wenn zahlreiche Hände mit anpacken, viele Spenden eingehen, so sind die Schäden längst nicht behoben, müssen nicht zuletzt Sportvereine ums nackte Überleben kämpfen. Wer die Geschäftsführerin des TuS Ahrweiler, Sabine Schenke, dieser Tage anruft, der hört gleich: Auch mehr als drei Monate danach hat die Flutkatastrophe nichts von ihrem Schrecken verloren. Sie selbst konnte am Tag der Flut nur noch den PC mit den Mitgliederdaten rechtzeitig retten.

Der Sport muss sich seinen Platz erkämpfen

Und der Sport selbst? Er muss sich seinen Platz in der langen Liste des Wiederaufbaus hart erarbeiten. „Dabei kann der Sport den Kopf frei machen – und sich der Verein als soziales Gefüge erweisen“, sagt Schenke, die als Geschäftsführerin des TuS Ahrweiler genau dies den Mitbürgern in ihrem Ort vermitteln will: auch den Sport zu nutzen, um zuversichtlich zu bleiben. So schwer das angesichts der Rahmenbedingungen derzeit auch fällt.

„Wir haben im Vorstand recht schnell beschlossen, so früh wie möglich Angebote zu machen, um vor allem die Kinder in Bewegung zu halten“, sagt Schenke. Dazu musste man etwa auf Bolzplätze ausweichen, die oberhalb des Tals unbeschadet geblieben sind. „Die Infrastruktur erforderte es anfangs jedoch, mitunter lange Umwege in Kauf zu nehmen“, weiß die Geschäftsführerin um die Folgen von eingestürzten Brücken und zerstörten Straßen. Und doch kamen die Mitglieder. „Nicht alle und nicht regelmäßig, aber die, die kamen, haben sich gefreut, dass sie sich bewegen und austauschen konnten. Das ist ungemein wichtig“, sagt Schenke. Es gehe eben nicht nur um das körperliche, sondern auch um das seelische Wohlbefinden, zu dem ein Sportverein beitragen könne.

Zelt soll in kalten Monaten Abhilfe schaffen

Nun allerdings sinken die Temperaturen, Außensport wird insbesondere für Turn- oder Gymnastikgruppen immer schwerer realisierbar. Deshalb will der TuS gemeinsam mit anderen Beteiligten ein 9 mal 20 Meter großes Zelt im Zentrum der Stadt einrichten, in dem man im Herbst und Winter aktiv sein kann. „Allein das wird wöchentlich 600 Euro kosten“, sagt Schenke, für die aber noch viele weitere Investitionen anstehen. „Tatsächlich wurde alles an Material zerstört, was wir haben“, sagt die Geschäftsführerin des Vereins, der neben den großen Abteilungen Leichtathletik und Turnen auch Badminton, Bogenschießen, Boule, Tischtennis, Reha-Sport und vieles mehr anbietet. Die Spenden der Turbo-Schnecken sollen daher unter anderem für Raummieten (zum Lagern), für die Anschaffung von Sportgeräten und die Renovierung sowie Grundausstattung des zerstörten Vereinsraums und Geschäftszimmers verwendet werden. In anderen Bereichen war man bereits aktiv: Angesichts immer noch fehlender Straßenbeleuchtung wurde die Laufgruppe des Vereins mit Stirnlampen ausgerüstet...

Und nach und nach soll dann auch ein normales Vereinsleben wieder Einzug in den TuS halten. Im besten Fall mit allen Mitgliedern, die auch vor der Flut dem Verein angehörten. „Abmeldungen, die explizit der Flut zuzuschreiben sind, hatten wir bislang nicht. Wir unterstützen unsere Mitglieder aber auch“, sagt Schenke. So habe man selbst eine Spendenaktion gestartet, mit der man 140 von der Flut betroffenen Mitgliedern mit jeweils 650 Euro helfen konnte. Die Solidarität von Sportlern für Sportler – sie ist auch im Ahrtal wichtig. „Und die Hilfe anderer Vereine ist einfach wunderbar“, freut sich die TuS-Geschäftsführerin über die Unterstützung auch aus Lüdenscheid.

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