„Reduziertes Bankkonto“

Turbo-Schnecken legen Corona-Bilanz vor: Finanzielle Einbußen

Brigitte Klein blickte auf die Corona-Maßnahmen der Turboschnecken Lüdenscheid zurück.
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Brigitte Klein blickte auf die Corona-Maßnahmen der Turboschnecken Lüdenscheid zurück.

Das Jahr 2019 war für die Turbo-Schnecken Lüdenscheid ein absolutes Rekordjahr. Doch dann kam im Frühjahr 2020 Corona. Jetzt legte der Verein eine erste Bilanz vor.

Lüdenscheid - Als Harald Bräcker am Sonntagnachmittag mit seinem Vortrag fertig war, drückte er sich nicht um ein Fazit, im Gegenteil. „Ich habe eine schlechte und eine gute Nachricht für euch“, rief er den gut 40 Mitglieder der Turbo-Schnecken, die trotz aller Corona-Auflagen und Ängste zur Jahreshauptversammlung gekommen waren, zu, „die schlechte Nachricht: Das Virus wird uns auch 2021 weiter beschäftigen. Die gute dagegen: Die Turbo-Schnecken wird’s auch 2021 noch geben – aber mit einem deutlich reduzierten Bankkonto.“

Bräcker hatte stellvertretend für Geschäftsführerin Gisela Kaddatz die Zahlen vorgetragen. Der Partner von Oberschnecke Brigitte Klein ist im größten Lüdenscheider Sportverein der Finanz-Stratege im Hintergrund. Sein Vortrag war eindrucksvoll, weil er einen Einblick verriet, was die Pandemie mit einem Großverein, dessen Wohl und Wehe von so vielen Einflüssen abhängt, macht.

Turbo-Schnecken Lüdenscheid legen Corona-Bilanz vor

Das Jahr 2019 war für die Schnecken ein Rekordjahr gewesen. „Da hat alles gepasst, die Auslastung, die Veranstaltungen“, sagte Bräcker, „am Ende stand das beste Ergebnis der Vereinsgeschichte.“ In Zahlen waren es trotz aller Abschreibungen für das Schneckenhaus 76 000 Euro Gewinn – etwa der doppelte Gewinn im Vergleich zum Jahr 2018. Doch dann kam das Jahr 2020 mit dem ersten Lockdown im Frühjahr, mit der Absage des Firmenlaufs, des Sommerfests, des Martinsumzuges und des Weihnachtsmarktes. Die Vermietungen im Bistro liefen auch nicht mehr.

Jochen Baum ist seit 55 Jahren Mitglied der Turbo-Schnecken Lüdenscheid.

Die Turbo-Schnecken beantragten in der Krise Kurzarbeitergeld, nahmen die NRW-Soforthilfe in Anspruch und auch die NRW-Hilfe Sport. Sie setzten zum Teil die Tilgungszahlungen an die NRW-Bank aus und erhielten Spenden aus der Mitgliedschaft. Trotzdem bleibt ein Minus. Bräcker sprach von einem Umsatzausfall von 200 000 Euro und einem 50 000-Euro-Minus in der Jahresbilanz. „Allerdings“, sagte er, „sind diese Zahlen gerechnet, bevor der zweite Lockdown kam...“ Das Aus für den Sportmonat November wird die Zahlen nicht verbessern.

Bräcker erläuterte den Mitgliedern auch, warum eine Erstattung von Mitgliedsbeiträgen einen Verlust der Gemeinnützigkeit nach sich ziehen könnte. Er berichtete davon, dass der Verein aber „natürlich“ die Kurs- und Studio-Gebühren für die Zeit des Lockdowns ausgesetzt habe. „Wir handeln aus Sicht des Mitglieds und sind uns unserer sozialen Verantwortung bewusst“, stellte er fest.

Noch einen Aspekt betonte der Herr der Zahlen: „Die Menschen sind in dieser Zeit verunsichert, es gibt kaum Neumitglieder.“ Die Schnecken hatten im Dezember 2019 2306 Mitglieder, bewegten inklusive der Kursteilnehmer 2757 Menschen. Die Zahlen liegen leicht unter dem Vorjahreswert, aber im Grunde auf einem Niveau. Nur: Weiter nach oben geht es derzeit nicht. Bräcker nahm den Mitgliedern am Ende aber etwaige Ängste um den Verein: „Wir haben kein Liquiditätsproblem, aber wir reduzieren unsere Rücklagen.“

Die Vereinsvorsitzende Brigitte Klein dokumentierte in ihrem Jahresbericht, dass sich der Verein viel Mühe gegeben hatte, die Corona-Krise zu meistern. Mit dem Outdoor-Campus, der im August eröffnete (Klein: „Eine strategische Maßnahme...“), mit dem Wohnzimmer-Sportprogramm beim Lockdown im Frühjahr, dazu mit einem akribisch ausgearbeiteten Hygienekonzept fürs Schneckenhaus nach dem Neustart – mit vielen positiven Rückmeldungen von Mitgliedern, die sich ganz und gar nicht unsicher gefühlt haben beim Training, im Gegenteil. „Wir werden uns nun auch für den November etwas einfallen lassen“, kündigte Klein an, „Anfang Dezember soll es zudem für den Studiobereich zwei Luftreiniger geben, damit man nicht immer die Türen aufreißen muss in der kalten Jahreszeit.“ Auch der Outdoor-Campus soll so lange geöffnet bleiben, bis der Schnee die Schnecken zum Abbau des Zeltes zwingt.

Mit einem Blick auf die Zukunft kündigte Klein auch für 2021 wieder einen virtuellen Lauftreff an. Der Termin für den Firmenlauf 2021 steht auch schon – am 25. Juni 2021 soll er stattfinden, wenn die Pandemie es dann zulassen sollte. Erstmals übrigens mit einem eigenen Maskottchen, das „Schnecki“ heißt und von einer teilnehmenden Firma aus dem Siegerland gestiftet wurde.

Wir Turbo-Schnecken werden nun gemeinsam dem Corona-Blues trotzen...

Brigitte Klein, Vorsitzende der Turbo-Schnecken

Brigitte Klein verwies auch auf zahlreiche neue Angebote im Schnecken-Portfolio und stellte die neuen Gesichter bei den Schnecken vor – neben den neuen Bufdis Anna Wengenroth und Jonas Waack vor allem auch die Herscheiderin Saskia Schiefer, die nach einem Studium für Sport-Management an der Deutschen Sporthochschule und Stellen bei Sportverbänden im Ruhrgebiet und im Oberbergischen nun die Ressortleitung fürs Schneckenhaus übernommen hat. Verlassen wird den Verein Ende Dezember Christine Fischer, die dann in den wohlverdienten Ruhestand gehen wird.

Keine neuen Gesichter gibt es derweil im Vorstand: Sowohl Geschäftsführerin Gisela Kaddatz als auch der stellvertretende Vorsitzende Robert Daniel wurden bei den Wahlen im Amt bestätigt.

Die Jubilare der Turbo-Schnecken:

55 Jahre: Joachim Baum

40 Jahre: Michael Wülfrath

25 Jahre: Petra Becker, Peter Becker, Heike Brinkmann, Heinz Einfeld, Claudia Engel, Ina Fehlmann, Christine Fischer, Klaus Heider, Kathleen Lehwald, Mareike Mähler, Gabi Marré, Brigitte Pudimat, Karin Pajewski, Renate Schmidt, Ernst Uhing

10 Jahre: Heiner Adams, Brigitte Bering-Bette, Gebhard Bieniasch, Bernd Blecher, Petra Borlinghaus-Madsack, Jutta Boxheimer, Alexander Brand, Sabrina Bräucker, Frauke Engelhardt, Iris Espeloer, Karl-Heinz Ewertz, Mareike Geck, Cuma-Tan Göbenli, Christiane Hüttebräucker, Lena Sofie Hüttebräucker, Mark Julian Hüttebräucker, Meik Kasper, Ingrid Kopp, Sabine Kuhstohs-Thiel, Annegret Link, Daniela Mühlbauer, Stefan Müller, Helmut Niemann, Frederik Plate, Heike Pohl, Dorothee Schiller, Volker Scholz, Ingrid Schubeius, Klaudia Schwiesau, Karin Sommer, Sabine Spiller-Vasen, Bärbel Stabenau, Helmut Steinhauer, Ellen Strobler, Alexander Tan, Günter Tholen, Claudia von Oczkowski, Petra Weinberg, Ralf Weinberg, Finn Zilles, Martin Zimmermann

Und dann war diese „ganz besondere Jahreshauptversammlung“ (O-Ton Klein) nach knapp einer Stunde auch schon wieder Geschichte. „Nach der Veranstaltung machen wir die Lichter aus und schließen das Schneckenhaus wieder für einen Monat“, hatte Klein eingangs gesagt, und eigentlich war’s es eher ein Schlusswort gewesen, „es stimmt uns traurig, aber wir akzeptieren die Entscheidung des Bundes. Ich bin überzeugt davon, dass hier im Schneckenhaus alles dafür getan worden ist, dass die Infektionszahlen nicht in die Höhe steigen. Aber nun werden wir Turbo-Schnecken gemeinsam dem Corona-Blues trotzen...“

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