Fußballkreis Lüdenscheid

Türkgücü Lüdenscheid: Ein leiser Abschied nach 16 Jahren

Fußball-Kopfballduell
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Türkgücü Lüdenscheid beim Honsel-Cup 2013: Fünf Spielzeiten lang waren die Kicker der Moschee vom Lehmberg ein stolzer A-Kreisligist im Kreis Lüdenscheid.

Der „DITIB Türkisch Islamische Gemeinde zu Lüdenscheid e.V.“ zählt ab Januar 2021 nicht mehr zu den Fußballvereinen im FLVW. Der Name Türkgücü Lüdenscheid verschwindet nach 16 Jahren von der Fußball-Landkarte.

Lüdenscheid – Der Fußballkreis Lüdenscheid geht mit einem Verein weniger ins Sportjahr 2021: Das Präsidium des Fußball- und Leichtathletik-Verbands Westfalen hat jüngst bekanntgegeben, dass der Verein DITIB Türkisch Islamische Gemeinde zu Lüdenscheid e.V. ebenso wie zwei andere Vereine aus Westfalen (Polonia Bochum, Karate Team Lippe) zum 31. Dezember gekündigt hat und aus dem FLVW ausscheidet.

„DITIB Türkisch Islamische Gemeinde zu Lüdenscheid e.V.“? Dieser Name tauchte nie in einer Tabelle des Fußballkreises Lüdenscheid auf. Bekannt wurde der Klub der Moschee am Lehmberg unter dem Namen Türkgücü (übersetzt: Türkische Macht) Lüdenscheid. 2004 wurde der Verein gegründet. Der Name Zafer Demetgül ist wie kein anderer mit dem Verein verbunden. „Ich war Gründungsmitglied und der erste Türkgücü-Trainer“, sagt Demetgül, der dieser Tage vor allem die Spiele seines Sohnes bei der FSV Werdohl verfolgt. Im Corona-Jahr ist er nicht eben von schönen Themen verfolgt.

„Ich habe Türkgücü von Anfang an und bis zum Ende begleitet“, sagt der Lüdenscheider Fußball-Dauerbrenner. Zuletzt war er es, der für den Moscheeverein mit dem Türkischen SV Lüdenscheid über die Aufnahme der restlichen sieben, acht Türkgücü-Kicker sprach. Eine Spielzeit lang (19/20) gestattete der Kreis eine Spielgemeinschaft TSV/Türkgücü für diese eine Mannschaft. Inzwischen ist der kleine Rest des alten Klubs in der 4. und 5. Mannschaft des Türkischen SV aufgegangen. Und Zafer Demetgül selbst? Der führte die Reserve des Türkischen SV in die Kreisliga A, trainierte parallel die 4. Mannschaft und erleichterte dem Türkgücü-Personal so den Einstieg.

Türkgücü Lüdenscheid: Ein leiser Abschied nach 16 Jahren

„Ich denke, dass es in Lüdenscheid das Potenzial für zwei türkische Vereine gibt“, sagt Demetgül, „aber die Dinge sind bei Türkgücü am Ende nicht mehr so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt hatten.“ Er mag nicht näher auf die Probleme eingehen. Der Anfang der Geschichte war einer wie im Märchen: Bis in die Kreisliga A, das Oberhaus des Fußballkreises, stieg Türkgücü auf. Am 1. Juni 2008, nur vier Jahre nach der Gründung, machte der Verein im ersten Jahr unter Trainer Fahrettin Alptekin mit einem 3:1-Sieg (Torschützen: Kaya, Isboga, Dündar) vor 250 Zuschauern am Dickenberg gegen den LTV 61 II den Aufstieg in die Kreisliga A perfekt. 60 Punkte standen im Meisterjahr zu Buche – zwei mehr als beim Verfolger TuS Herscheid.

Türkgücü war keine Eintagsfliege: Fünf Spielzeiten im Oberhaus des Kreises sollten es werden. In der Saison 2009/10 gelang mit Platz sechs das beste Abschneiden. Erst im Juni 2013 verabschiedete sich der Verein wieder von dieser Bühne. Chancenlos mit nur sieben Punkten als Schlusslicht der Liga. Es war die Zeit, die Demetgül heute meint, wenn er davon spricht, dass sich die Dinge nicht so entwickelt hätten. Spieler waren gegangen, das Potenzial war einfach nicht mehr da gewesen.

Ich denke, dass es in Lüdenscheid das Potenzial für zwei türkische Vereine gibt, aber die Dinge sind bei Türkgücü am Ende nicht mehr so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt hatten...

Zafer Demetgül

Es ist eine Konstante gewesen, dass sich die Wege von Türkgücü und des türkischen Platzhirschs vom Wefelshohl immer wieder an markanten Stellen kreuzten, nicht nur bei Spielerwechseln. Am 9. Juni 2013 im letzten A-Liga-Spiel der Türkgücü-Historie hieß der Gegner TSV Lüdenscheid – 20:1 siegten die TSV-Kicker mit Yusuf Cilingir seinerzeit als 13-fachem Torschützen. Das letzte Türkgücü-Tor in der Kreisliga A schoss an diesem Tag Kayis zum 1:19. Lang ist’s her.

Der Niedergang nach dem Abstieg beschleunigte sich – Ende 2016 ging es eine weitere Etage nach unten. Und wieder spielte der Nachbar TSV Schicksal: Im Bemühen, Türkgücü auf der Zielgeraden der Saison im Fernduell gegen die Reserve von Rot-Weiß Lüdenscheid zu helfen, gewann der TSV zwar, setzte dabei aber zwei nicht spielberechtigte Spieler ein. Folge: Die Punkte bekam RWL II und hielt damit die Klasse, Türkgücü stieg dagegen in die Kreisliga C ab und kehrte auch nicht mehr nach oben zurück. Als es immer mehr bröckelte, folgte im Sommer 2019 quasi der Anschluss an den Türkischen SV.

Am Ende ist es auch ein Problem des Ehrenamts

Zafer Demetgül hat den Niedergang zwischenzeitlich aus der Ferne verfolgt – er war für vier Jahre beruflich in der Türkei gewesen. Am Ende waren es nicht nur die Spieler, die nicht mehr zur Verfügung standen. Es ging auch um die Besetzung von Positionen im Ehrenamt – die Kräfte der Moschee hatten nicht mehr so viele personelle Ressourcen wie zu Beginn, um die Fußballer zu unterstützen – und selbst fanden sie nicht mehr die Köpfe, die den Verein wieder nach vorne bringen konnten.

Den „DITIB Türkisch Islamische Gemeinde zu Lüdenscheid e.V.“ wird es weiterhin geben, den Namen Türkgücü Lüdenscheid auf der Fußball-Landkarte aber nun nicht mehr. Zafer Demetgül macht das traurig. Nicht nur er hätte es sich anders gewünscht. Es hat nicht sollen sein.

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