Komplette Triathlon-Saison eher fraglich

Veranstalter müssen schwierige Entscheidungen treffen

Triathlon Schwimmen im Dahler Freibad
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Schwimmen im 25-Meter-Becken? Die Triathleten würden es wohl mitmachen – doch ob die Veranstaltungen stattfinden werden, ist in vielen Fällen eher fraglich. Die Veranstalter sind unsicher, halten sich zurück.

Kreisgebiet – Die Triathlon-Saison ist eine, die zumeist in der warmen Jahreszeit und unter freiem Himmel stattfindet. Auf den ersten Blick Rahmenbedingungen, mit denen es die Ausdauerspezialisten in Corona-Zeiten besser zu haben scheinen als viele Hallensportler. Ob es indes 2021 eine komplette Liga-Saison in NRW geben wird, ist auch eher fraglich.

14 Ligen für alle Leistungsklassen bietet der NRWTV (Nordrhein-Westfälischer Triathlon-Verband) an. Es ist das umfassendste und größte Liga-System in ganz Deutschland. Und damit eines, das angewiesen ist auf viele Triathlon-Veranstaltungen – genau daran könnte die Ligasaison aber in diesem Jahr scheitern.

„Wir haben als Vereine ein Protokoll vom Ligatreffen bekommen. Darin heißt es, dass von den üblicherweise 90 Veranstaltungen in ganz NRW bisher 34 Beantragungen vorliegen“, sagt Frank Lachnitt, Vorsitzender von TriSpeed Herscheid – die Ebbe-Triathleten sind mit Teams in der NRW-Liga und Verbandsliga aktuell der Marktführer im Ligabetrieb aus der Region. Lachnitt sagt, vieles sei im Moment spekulativ, es gebe wenig konkrete Aussagen, aber seine Bedenken hat er. Mit 34 Veranstaltungen, sagt er, sei es nicht realistisch, ein Ligaprogramm in vollem Umfang durchzubekommen.

„Von der Bundesliga über die Regionalliga bis zu den kleinen Ligen, die man nicht einfach in eine andere Region verlegen kann, wird es dann unheimlich schwierig mit den Kapazitäten“, sagt Lachnitt, „üblicherweise sind es vier bis sechs Rennen pro Liga pro Saison. Das wird nicht klappen. Vielleicht werden es am Ende zwei.“

Finanzielle Vorleistung ist ein Problem

Dass die Veranstalter sich dieser Tage bedeckt halten, was die Ausschreibung von Wettkämpfen angeht, kann Thomas Geitmann, Vorsitzender des RC Lüdenscheid ‘98, ganz gut nachvollziehen. Die Lüdenscheider haben bis 2015 den Herscheid-Triathlon als Großveranstaltung im Ebbe durchführt. Geitmann ist froh, dass er nun nicht vor dieser Entscheidung steht.

„Als Veranstalter trittst du erst einmal mit einem Betrag im hohen vierstelligen Bereich in Vorleistung“, sagt Geitmann, „und wenn dann die Veranstaltung nicht stattfindet oder die Triathleten nicht kommen, hast du ein Problem.“ Erst recht, wenn womöglich auch die Sponsoren-Situation in Corona-Zeiten womöglich nicht besser wird. 300 Aktive hat der RCL regelmäßig nach Herscheid gelockt, auch Ligasportler.

In Hückeswagen ist es eine weitläufige Veranstaltung – mit Schwimmen im freien Wasser in der Bever: Wenn so ein Triathlon nicht stattfindet, wie sollen es dann andere schaffen?

Frank Lachnitt, Vorsitzender TriSpeed Herscheid

Was indes, wenn die Ligen am Ende gar nicht stattfinden? Dann wäre dies andersherum für die Veranstalter, die Ligastarter fest eingeplant haben, die nächste Hypothek neben der Frage, ob das eigene Hygiene-Konzept den Corona-Anforderungen genügt und die Veranstaltung am Ende vielleicht doch gar nicht stattfinden kann.

Hückeswagen hat schon abgesagt

In Hückeswagen hat man eine Entscheidung treffen müssen – und hat sich gegen einen Triathlon 2021 entschieden. „Wir haben lange mit uns gerungen, diskutiert, Zahlen untereinander geschrieben, gerechnet. Letztendlich hat die Summe aller Fakten und die auch die Summe aller Risiken und Unwägbarkeiten uns zu dem Entschluss kommen lassen, auch in diesem Jahr in Hückeswagen keinen Triathlon durchzuführen“, heißt es auf der Internetseite des Vereins.

„Der Hückeswagen-Triathlon ist immer ein großer gewesen, viel größer als unser Triathlon in Herscheid. 1000 Teilnehmer“, sagt Geitmann traurig – der Halveraner war nicht nur einmal dort zu Gast.

Frank Lachnitt macht die Kunde aus Hückeswagen auch nicht froh. „In Hückeswagen, das war eine weitläufige Veranstaltung – mit dem Schwimmen im freien Wasser in der Bever“, sagt er, „wenn so ein Triathlon nicht stattfindet, wie sollen es dann andere schaffen, die wie zum Beispiel in Altena auf ein 25-Meter-Becken angewiesen sind. Wie will man da für die Abstände und Sicherheit garantieren? Ich hatte gedacht, wenn eine Veranstaltung stattfindet, dann mit Freiwasserschwimmen. Deshalb bin ich überrascht, dass sich Hückeswagen da rauszieht.“

Abwarten in Herscheid und Lüdenscheid

In Lüdenscheid und Herscheid will man abwarten, bis der NRWTV konkreter wird mit seinen Aussagen zum Ligabetrieb. Der RCL hat seine Mannschaft beisammen, die Athleten stehen parat, in Herscheid ist es nicht anders. „In dieser Saison würden wir wohl die Teams für beide Ligen zusammenbekommen“, sagt Lachnitt, „ich weiß nicht, ob das 2022 auch noch so wäre, die jüngste Mannschaft haben wir ja nicht mehr…“

In diesem Kontext spielt immer auch die Motivation eine Rolle. Wie hart sind die Aktiven bereit zu trainieren, wenn das Wettkampfziel schwammig bis unkonkret bleibt? Lachnitt selbst ist ein gutes Beispiel. 2020 hat er sich auf den Ironman 70.3 in Duisburg vorbereitet. Ein hartes Training. Im August wurde die Veranstaltung dann in den Oktober verschoben, im Oktober schließlich komplett abgesagt.

Lachnitt vermisst das Schwimmtraining

Lachnitt switchte um auf den Ironman im Juni in Hamburg – und traf dann nach dem Lockdown im November die Entscheidung, auch diesen Plan zu verwerfen. „Es war absehbar, dass es auf Sicht zum Beispiel kein Schwimmtraining geben würde. Das vermisse ich sehr“, sagt Lachnitt, der als Beatmungstherapeut in Hellersen auf der Intensivstation täglich mit Corona-Patienten arbeitet und sich sehr gut vorstellen konnte, in welche Richtung sich die Dinge entwickeln. „Wenn ich erst im April mit dem Schwimmtraining hätte starten können, hätte es bis Juni doch gar nichts werden können. Dann wäre ich nie mit einer vernünftigen Zeit die 3,8 Kilometer durchs Wasser gekommen.“

Seinem sportlichen Anspruch wäre Lachnitt mit dieser Vorbereitung nicht gerecht geworden, viel Geld hätte der Start trotzdem gekostet. „Natürlich ist man leidenschaftlich dabei, man investiert viel Zeit und auch Geld“, sagt er, „da fällt einem eine Absage nicht leicht, aber aus sportlicher Sicht ist es eine Vernunftentscheidung gewesen.“

Eine Entscheidung, vor die sich Sportler wie Veranstalter dieser Tage gestellt sehen. Und so haben es die Triathleten momentan in der Tat nur auf den ersten Blick besser als andere Sportler. Auf den zweiten Blick bleibt alles extrem kompliziert und schwer prognostizierbar…

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