Trio des RC Lüdenscheid ‘98 ist einfach nur glücklich

Irgendwann hatten sich die RCL-Teamkameraden Martin Conredel (links) und Markus Sartory während des Marathonlaufs zufällig gefunden und entschieden sich dann, gemeinsam über die Ziellinie in Roth zu laufen.

KREISGEBIET -  Zwei „alte Hasen“ und ein Debütant auf der Triathlon-Langdistanz waren am späten Sonntagnachmittag einfach nur glücklich: Markus Sartory aus Altena, der Plettenberger Martin Conredel und der in Aschaffenburg lebende Nachrodter Frank Jacobs haben bei der „Challenge Roth“ den Zielstrich überquert – das erstgenannte Duo in Bestform und ohne vorherige Absprache gemeinsam nach 9:46:53 Stunden und der Berufsfeuerwehrmann Jacobs trotz schwer lädierter Schulter nach 10:17:36 Stunden.

Für Conredel war es die nahezu perfekte Feuertaufe über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen. Dagegen absolvierten Sartory und Jacobs bereits jeweils ihren dritten erfolgreichen Start in Roth und den vierten insgesamt über die Langdistanz.

„Wenn ich mir schon eine Stunde nach dem Zieleinlauf Gedanken darüber mache, wo ich als nächstes starten könnte, dann spricht das doch Bände“, so Sartory. Der 44-Jährige war nach seinem dritten Finish über die Langdistanz (in Klagenfurt war er während des finalen Marathons ausgestiegen) in neuer Bestzeit natürlich bestens gelaunt. „Zwei Jahre älter und fünf Minuten besser: Ich habe wirklich nichts zu klagen.“

Dabei hatte er am Samstag noch eine Schrecksekunde provoziert: Vor dem Wohnwagen lief er barfuß los und trat mit dem Zeh in den Asphalt. „Der klappte nach vorne weg, es blutete fürchterlich. Aber mein Betreuer Maik Riese ist wie MacGyver, der hat alles dabei“, lacht Sartory. Die Lösung: Vom Gummihandschuh aus dem Verbandskasten wurde der Daumen abgeschnitten und mit viel Tape als Zeh-Stabilisierung und Schutz vor dem Wasser verwendet. „Hat doch gehalten“, so Sartory, der dann aber entgegen seiner Gewohnheit beim Marathon Socken im Laufschuh anzog.

„Vom Empfinden her war es das härteste, was ich je erlebt habe. Auf dem Rad lief es zäh, da hatte ich nie das Gefühl, dass es rund läuft, obwohl die Zeit wie beim Schwimmen fast mit der von 2011 identisch war. Durch die frühe Startgruppe waren nicht so viele Fahrer auf der Strecke, das war fast wie ein Einzelzeitfahren mit viel Wind – ein hartes Brett“, so Sartory, der den Marathon extrem schnell an- und zu Martin Conredel auflief.

„Es fühlte sich gut an. Ich habe ihn gesehen, das hat gepusht. Jeder von uns hatte dann mal eine Schwäche und etwas Rückstand, dann haben wir uns zwei Kilometer vor dem Ziel gesagt, dass wir das Ding auch zusammen beenden. Zwischen uns liegen ja 20 Jahre, normalerweise kann ich mit Martin nicht mithalten, schon gar nicht auf der Kurzdistanz“, so Sartory, der vor allem die Rad-Steigung am Solarer Berg genoss: „Es war genial, aber ich hatte auch Schiss, weil die Kinder erst zurückweichen, wenn du drei Meter vor ihnen bist. Das war wieder Gänsehaut pur!“

Frank Jacobs ist „froh und stolz“

„Ich bin froh und stolz darauf, dass ich es durchgezogen und nicht doch auf einen Start verzichtet habe.“ Das sagte der 36-jährige Frank Jacobs nach einer für ihn denkwürdigen Vorbereitung mit dem schweren Radsturz vor rund vier Wochen. „Das Schwimmen habe ich im Wechsel im Bruststil und einarmig durchgezogen. Danach waren meine Oberschenkel aber so dick, dass ich erst mal gegen eine Absperrung gelaufen bin. Aber immerhin waren vier Leute aus meiner Startgruppe noch langsamer“, schmunzelt Jacobs.

Mit dem Rad legte er dann ein Höllentempo vor. Aus dem rund zehnminütigen Rückstand auf Sartory und Conredel wurden bisweilen nur noch zwei. „Ab Kilometer 110 ging dann aber nichts mehr. Mir war kotzübel, ich konnte aber nichts zu mir nehmen außer Flüssigkeit. Mir war klar, was passieren würde. Die Beine wollten nicht mehr, ich bin beinahe vom Rad gefallen“, so Jacobs, der in der Wechselzone wieder vor einen Zaun und wie auf Eiern erst mal Richtung Toilette lief…

Conredel steigert sich nach dem Schwimmen

Beim Laufen ging es irgendwann wieder besser. Frank Jacobs machte sein Rennen, hatte aber weiter mit massiven Magenproblemen zu kämpfen. Die Moral aber stimmte: Der Nachrodter hielt durch und ärgerte sich dann schon zügig darüber, dass er auf dem Rad derart schnell angegangen war und eine bessere Zeit verschenkte. Dabei war das Durchkommen schon ein Riesenerfolg. Damit beendete er auch die vierte Langdistanz hinter dem Zielstrich (3x Roth plus Ironman in Frankfurt).

Nach 9:46:53 Stunden und damit knapp 15 Minuten unter seiner persönlichen Zeitvorgabe von zehn Stunden, lief Conredel in Roth ins Ziel.

„Ich habe mein persönliches Ziel klar erreicht und bin mehr als zufrieden mit meiner Leistung, gerade weil es meine Premiere auf der Langdistanz war und ich extrem viel Zeit in die Vorbereitung gesteckt habe“, erklärte Conredel zwei Tage nach dem Rennen. Beim Schwimmen tat sich der Ausdauersportler wie gewohnt schwer. Von sich selbst sagt er, dass das Schwimmen nicht seine Paradedisziplin sei, und so stieg er nach 1:10:36 Stunden als 1041. aus dem Wasser, dass an diesem Sonntag auf Grund der Temperaturen gut zu „beschwimmen“ war.

Fortan ging es im Klassement aber immer weiter nach vorne. Beim Radfahren legte der 26-Jährige einen Zahn zu und stieg nach 5:11:39 Stunden vom Rad. Nach einem Kräfte raubenden Marathon lief der Plettenberger letztenendes zeitgleich mit seinem Mannschaftkollegen Markus Sartory nach 3:20:14 Stunden über die Ziellinie und belegte in seiner Paradedisziplin den 101. Platz.

Entspannungsurlaub nach dem Wettbewerb

Beim Marathonlauf hatten die beiden sich einen offenen Schlagabtausch geliefert, und da sich hinten heraus keiner der beiden absetzen konnte, einigten sie sich darauf, gleichzeitig die Ziellinie zu überqueren. In der Gesamtwertung bedeuteten die erarbeiteten Ergebnisse letztendlich den 228. Platz bei mehr als 3000 Startern.

„Die Vorbereitung auf so ein Rennen ist sehr anstrengend und nimmt viel Zeit in Anspruch, sodass Familie, Freunde und Freizeit meist hinten anstehen müssen“, ergänzte Conredel, der neben Familie und Freunden auch noch Job und Studium unter einen Hut bekommen muss.

Aktuell befindet sich der Triathlet im Entspannungsurlaub und erholt sich von den Anstrengungen des Sonntags, um dann komplett ausgeruht neue Herausforderungen ins Auge zu fassen.

Lars Becker und Rick Behnke-Schoos

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare