„Tour de Frost“ sorgt bei Radlern für rote Bäckchen

NEUENRADE ▪ Es war nicht nur kalt, es war eiseskalt – doch anstelle eines gemütlichen Platzes am Ofen wählten mehr als 600 Hartgesottene am Sonntagmorgen den ungemütlichen Platz auf dem Sattel ihres Fahrrades. Die Country-Tourenfahrt (CTF) im Rahmen der Westfalen-Winter-Bike-Trophy, die von Neuenrade durchs Sauerland führte, entwickelte sich zu einer „Tour de Frost“ und für manchen Teilnehmer mit eingefrorenen Schaltungen, Wasserflaschen und Plattfüßen obendrein noch zur „Tour de Farce“.

Bereits nach gut einem Kilometer mussten die beiden aus dem Ruhrgebiet angereisten Fahrer Immo Wehrenberg (29) und Jan Philipp (22) einen Plattfuß reparieren. Ein Stein hatte sich durch den Mantel gebohrt. „Normalerweise wäre die Tour beendet gewesen, denn eigentlich habe ich so gut wie nie einen weiteren Mantel dabei. Das war schon echtes Glück“, äußerte Wehrenberg aus Dortmund. Da er für den Kollegen und sich gerade frische Ware bestellt hatte und diese erst einen Tag zuvor angekommen war, befand sich diese im Auto. Der 29-Jährige fuhr zum Startbereich zurück, quälte sich zum zweiten Mal den unbequemen Auftaktanstieg hinauf, um mit seinem Kollegen das Fahrrad wieder flott zu machen. Nach diesem etwa zehnminütigen Boxenstopp ging es wieder auf die Strecke. „Vom Vorjahr sind wir ja einiges gewohnt. Da war hier Schnee und Eis, insofern sind die Bedingungen noch wirklich in Ordnung“, meinten die beiden. Gut dreieinhalb Stunden und mehr als 50 Kilometer und 1114 absolvierten Höhenmetern später im Ziel schwärmten Immo und Jan: „Es war an einigen Stellen richtig hart, aber genauso muss eine Tour sein.“

Um mögliche Gefahren auf der Strecke ausschließen zu können, hatten sich bereits um acht Uhr morgens Testradler des TuS Neuenrade auf die Strecke begeben. „Für uns ist wichtig, dass alle Teilnehmer ihre Freude haben - und das möglichst risikolos“, äußerte TuS-Vorsitzender Felix Loch, der mit seinem Team die Veranstaltung hervorragend organisiert hatte. Bei den Zwischenstationen in Affeln und am Schloss Wocklum reichten die Vereinsmitglieder Bananen, Fitnessriegel und die in Radlerkreisen schon obligatorischen Schmalzbrote sowie warmen Tee, Kaffee oder Brühe.

Bei technischen Defekten standen die TuS-Sportler, die sich für die Unterstützung ihrer Sponsoren ausdrücklich bedankten, mit Rat und Tat zur Seite: Tourwart Ulrich Kühn stellte Schaltungen wieder korrekt ein und nahm bei eingefrorenen Freiläufen auch mal einen Fön zur Hilfe – Not macht erfinderisch. Und getreu diesem Motto meinte ein Teilnehmer. „Nächstes Jahr fahre ich mit einem beheizbaren Sitz.“ Die Abzüge in puncto Zähig- und Widerstandsfähigkeit müsste dieser Fahrer dann in Kauf nehmen. Aber eigentlich ist die Wärme unnötig, denn bei Minusgraden bleibt Fleisch bekanntlich frisch – und nach der Tort(o)ur eigneten sich die Gesichter der Teilnehmer für das Etikett einer Neuenrader CTF-Spezialanfertigung des Rotbäckchen-Saftes. nico

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