Handball, 3. Liga

Tiemann-Modell für 3. Liga: Sportliche Aufsteiger, keine Absteiger

Handballer im Zweikampf
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Die Wege der SGSH Dragons und des VfL Eintracht Hagen trennen sich: Während die Eintracht in die Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga geht, will die SGSH für die Pokalrunde auf freiwilliger Basis melden.

Auch in der 3. Liga glaubt man nicht mehr an die Austragung einer einfachen Runde. Die Handballer setzen nun auf einen Spielbetrieb auf freiwilliger Basis - mit einer Aufstiegsrunde und einer Pokalrunde. An der Pokalrunde will die SGSH teilnehmen.

Schalksmühle – Am Ende des Abends blieb eine Frage offen: Hatte der Handballverband Westfalen nun das Spielmodell der 3. Liga übernommen oder war es die 3. Liga, die sich das Modell der Westfalen zu eigen gemacht hatte? Auch in der 3. Liga jedenfalls wird bei der Fortsetzung der Saison auf ein Spielformat gesetzt, das auf Freiwilligkeit bei den Beteiligten setzt.

Wer möchte, soll in der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga spielen können. Wer möchte, hat die Möglichkeit, in einer Spielrunde zur Qualifikation für den DHB-Pokal zu spielen. Und wer nicht spielen möchte, muss gar nicht spielen in Zeiten der Corona-Pandemie. Der Abstieg wird ausgesetzt.

Es ist das Tiemann-Modell – der Vorschlag des Staffelleiters der Drittliga-Männerstaffeln und Vizepräsident Spieltechnik in Westfalen kam am Dienstag bei den Drittligisten genauso gut an wie am Samstag im Präsidium des HV Westfalen. Dass es noch eine andere Option für den Restart gibt – die der Saisonfortsetzung Anfang März mit Ausspielen einer einfachen Runde, gemäß der November-Planung – sei nicht vergessen. Realistisch aber ist diese Option nicht, deshalb konkret zu dem, was nun auf die SGSH Dragons und die übrigen 72 Männer-Drittligisten warten wird.

Tiemann-Modell für 3. Liga: Sportliche Aufsteiger, keine Absteiger

Aufstiegsrunde: Wer in die 2. Bundesliga möchte, muss bis zum 1. März beim Deutschen Handball-Bund diese Absicht erklären und bis zum 31. März seine Lizenz-Unterlagen einreichen. Es dürfte ein überschaubarer Kreis an Mannschaften sein. Wenn die Zahl der Teams und zudem der Start-Zeitpunkt für eine Spielrunde feststeht, wird Tiemann mit den Beteiligten absprechen, wie der Spielbetrieb einer solchen bundesweiten Aufstiegsrunde aussehen könnte. Klar ist: Bis Ende Mai, also Pfingsten, sollen die beiden Aufsteiger feststehen, weil der DHB der Junioren-WM im Juni aus dem Weg gehen will.

Pokalrunde: Alle Mannschaften, die sich nicht für einen Aufstieg in die 2. Bundesliga interessieren, wohl aber für eine Spielrunde in der Pandemie-Zeit, sollen in regionalen Gruppen die Teilnehmer am DHB-Pokal ausspielen. Auch hier gilt: Eine detaillierte Planung gibt es erst, wenn feststeht, wer teilnimmt und wann es losgehen kann. Ein realistischer Starttermin dürfte im Zeitraum nach den Osterferien liegen. Auch hier soll bis Pfingsten die Spielrunde abgeschlossen sein. „Wichtig ist hier, dass die Staffeln klein sind und das Infektionsgeschehen damit überschaubar bleibt“, sagt Andreas Tiemann. Diese Runde ist auch ein Angebot, damit die Vereine ihren Sponsoren etwas präsentieren können für die geleisteten Zahlungen. Wer dies nicht möchte, wird nicht gezwungen, im Frühjahr wieder aufs Handballparkett zurückzukehren. „Niemand soll dafür bestraft werden, dass er unter Corona-Gesichtspunkten nicht spielen kann oder will“, stellte Tiemann am Dienstagabend im Rahmen der Konferenz fest.

Saison 21/22: Mit Blick auf die Spielzeit 21/22 machte Tiemann klar, dass er bereits am ersten August-Wochenende starten will. Mit dem frühen Starttermin und kleinen Staffeln (zehn bis zwölf Mannschaften) hofft der Ostwestfale, vor der Infektionszeit im Herbst einen Großteil der Runde über die Bühne zu bekommen.

Der frühe Startzeitpunkt stieß gerade bei den südlichen Vertretern auf wenig Gegenliebe, weil hier oft erst Ende Juli/Anfang August die Sommerferien anfangen, die Sporthallen entsprechend zum Teil gar nicht zur Verfügung stehen. Hier dürfte das letzte Wort noch nicht gesprochen sein. Unverhandelbar sind zwei andere Dinge mit Blick auf die Spielzeit 21/22: Ein Corona-Testkonzept ist für die neue Saison ebenso verpflichtend wie die Bereitstellung eines Livestreams bei Heimspielen auf der Plattform sportdeutschland.tv – wer dies nicht leisten kann, wird nicht mehr dabei sein.

Testkonzept: Die Spiele im Frühjahr finden auch allesamt nach einem klaren Testkonzept statt. Das Konzept stellte Melanie Prell vom DHB vor. Danach wird in der 3. Liga – anders als in der 1. und 2. Bundesliga – auf Schnelltests am Spieltag gesetzt. Während Erst- und Zweitligisten ihre Spiele bereits am Donnerstag einem PCR-Test unterziehen, damit sie am Wochenende spielen können, wird in der 3. Liga frühestens sechs Stunden vor dem Spiel ein Antigentest vorgenommen. Und zwar für alle Spieler, Trainer und Betreuer sowie die Schiedsrichter, die sich danach bis zum Spielbeginn in Isolation begeben müssen. Die Zeitnehmer und Sekretäre sollen nicht getestet werden, was auf Kritik von Seiten der Vereine stieß.

Schnelltests auch vorm Training und langen Fahrten

Der DHB, der mit Blick auf die Schnelltests mit dem Paul-Ehrlich-Institut zusammenarbeitet, empfiehlt den Vereinen zudem, die Spieler auch vor allen Trainingseinheiten zu testen. Bei weiten Auswärtsfahrten (mehr als 300 Kilometer) wird zudem ein Schnelltest vor der Abfahrt empfohlen. Die Vereine müssen alle Tests schriftlich dokumentieren und auf Nachfrage vorlegen.

Sollten am Spieltag vier Spieler (oder mehr) eines Teams positiv getestet werden, wird das Spiel abgesagt. Eine Absage kann auch schon erfolgen, wenn diese positiven Tests vor der Abfahrt festgestellt werden. Unklar blieb, wie verfahren wird, wenn zum Beispiel ein Schiedsrichter positiv getestet wird. Unklar blieb ebenfalls, wie zum Beispiel ein Transfer positiv getesteter Spieler auf Auswärtsfahrten zurück in den Heimatort laufen soll.

Wir müssen auf jeden Fall verhindern, dass Handballspiele zu Super-Spreader-Events werden!

Carsten Korte (DHB-Vizepräsident)

Klar ist, dass die Tests entweder von Ärzten, Physiotherepeuten oder geschulten Betreuern durchgeführt werden sollen. Angeregt wurde, dass der Gastgeber der Einfachheit halber die kompletten Tests beim Heim- und Gastverein sowie Schiedsrichtern durchführen soll. Klar ist, dass die Kosten für die Tests bei den Vereinen bleiben, der DHB beteiligt sich daran nicht. Allerdings können Vereine für die Tests Corona-Hilfen beantragen beim Bund.

Ein Vertreter des OHV Aurich rechnete am Dienstagabend vor: Sollte man tatsächlich vor dem Spiel und drei Trainingseinheiten die Tests durchführen, so würden bei Kosten von fünf Euro (netto) pro Kopf pro Team-Testserie rund 400 Euro pro Woche, ergo 1600 Euro im Monat, auf die Vereine zukommen. Kosten, die wehtun und doch sein müssen, denn, wie es DHB-Vizepräsident Carsten Koste formulierte: „Wir müssen auf jeden Fall verhindern, dass Handballspiele zu Super-Spreader-Events werden...“

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