1,5 Millionen registrierte Sportverletzungen

Dr. Steinacker: Sport regelmäßig und mäßig betreiben

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Fuß- und Bänderverletzungen gehören mit zu den häufigsten Sportverletzungen. Die meisten Blessuren passieren in Form von Überbelastungsschäden bei Untrainierten, sagt Dr. Theo Steinacker, leitender Arzt der Zentralambulanz im Sportklinikum Hellersen.

Lüdenscheid - In Deutschland gibt es im Jahr rund 1,5 Millionen registrierte Sportverletzungen. Rund die Hälfte passierten dabei im organisierten Sport. Dr. Theo Steinacker, leitender Arzt der Zentralambulanz der Sportklinik Hellersen, kennt die häufigsten Gründe für gesundheitliche Folgen durch sportliche Aktivitäten.

Dr. Steinacker, sich sportlich zu betätigen liegt seit langer Zeit im Trend und viele Menschen gehen dabei häufig an ihre körperlichen Grenzen. Welche gesundheitlichen Folgen können in Verbindung mit Sport auftreten?

Die meisten Verletzungen im Sport sind glücklicherweise Allerweltsverletzungen. Zu den Favoriten unter den Sportverletzungen gehören Fuß- und Bänderverletzungen, Knieverletzungen und bei Sportarten wie Handball und Basketball auch Fingerverletzungen. Ab und zu wird auch mal der Rücken in Mitleidenschaft gezogen. Wer Sport richtig macht, der muss sich, abgesehen von Unfällen, nicht unbedingt verletzen. Die meisten Blessuren passieren in Form von Überbelastungsschäden bei Untrainierten. Dabei sollte man jeden Tag etwas für seine Ausdauer und körperliche Fitness machen.

Gibt es über die Jahre gesehen mehr Verletzungen?

Dr. Theo Steinacker ist leitender Arzt der Zentralambulanz der Sportklinik Hellersen.

Ich denke, dass es sich auf einem ähnlichen Niveau bewegt. Die Ausrüstung der Sportler und dasTraining sind zwar deutlich besser geworden. Doch die Geschicklichkeit und Balance der Menschen haben sich verschlechtert. Wir bemerken einen deutlichen Verfall der Körperlichkeit in den letzten 50 Jahren. Die körperliche Grundausbildung als Prävention fehlt heutzutage – vor allem bei Kindern. Dabei sollte jeder Purzelbäume, Liegestütze und Klimmzüge können.

Ist mit dem flächendeckenden Bau von Kunstrasenplätzen die Zahl der Kreuzbandrisse angestiegen?

Ich bin zwar ein Verfechter der alten Schule und finde einen gepflegten Naturrasen besser, doch die neuen, modernen Kunstrasenplätze sind sehr nach dran. Die Plätze sind sehr eben. Man muss sich halt entsprechend vorbereiten.

Sehen Sie einen Anstieg an Verletzungen im Amateur- und Profisport durch eine mögliche Überbelastung der Sportler?

Zwar hat der Leistungsdruck im Hochleistungssport zugenommen. Doch auch die wissenschaftlichen Grundlagen durch Trophologie, Physiotherapie, Präventionsarbeit oder etwa Balancetraining sind deutlich besser geworden. Heute ist ein Trainer auch Mediziner und Physiotherapeut. Er achtet auf die Gesundheit seiner Sportler. Es kann immer etwas passieren, doch durch den Faktor „richtige Vorbereitung“ kann man Risiken verringern. Deshalb denke ich, dass die Verletzungshäufigkeit gleich geblieben ist. Doch die Leute machen sich zu wenig Gedanken.

Wenn eine Verletzung aufgetreten ist, was ist bei der Behandlung und Rehabilitation zu beachten?

Der Sportler ist heute ein hohes Kapital. Der Arzt steht im Profisport oft unter Druck. Entscheidungen sind deshalb schwer zu treffen. Erstens lässt sich die gesamte Belastung aus den Wettkämpfen nicht vollständig im Training simulieren. Und zweitens ist der Arzt auf den Sportler angewiesen. Dieser ist natürlich getrieben von äußeren Zwängen oder sportlichem Ehrgeiz. Wenn der Patient nicht richtig mitarbeitet, dann hat der Arzt ein schweres Spiel.

Welchen Ratschlag können Sie für ein gesundes Sporttreiben geben?

Es wird viel zu diesem Thema geschrieben und gesendet. Aber die Argumente kommen oft nicht an. Deshalb kann ich nur an die Eigenverantwortung der Sportler appellieren. Mit dem Sport ist es wie mit dem Essen – nach dem Motto: Regelmäßig und mäßig.

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