Fußball

Edin Terzic: Ex-Mitspieler verraten, wie der neue BVB-Trainer tickt

Trainer Edin Terzic (Borussia Dortmund)
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Noch ist sein Bekanntheitsgrad offenbar nicht allzu groß: Die Sportschau unterlegte in der Bundesligasendung am Dienstag den neuen BVB-Trainer Edin Terzic mit dem falschen Vornamen.

Auf dem Spielplan der Fußball-Bundesliga steht am Freitagabend um 20.30 Uhr die Partie zwischen 1. FC Union Berlin und der Borussia aus Dortmund und damit ein ganz besonderes Spiel. Nicht für die Liga vielleicht, wohl aber für zwei Protagonisten beider Seiten, die einst bei den Sportfreunden Oestrich gemeinsame Sache gemacht haben.

Auf der einen (Union)-Seite der damalige Oestricher Trainer Oliver Ruhnert als Geschäftsführer Sport, auf der anderen Seite Edin Terzic, seit wenigen Tagen neuer Cheftrainer des BVB und damals mit 22 Jahren als junger Kicker in der Schledde ein Ruhnert-Schützling. Wie gesagt: ein Wiedersehen der besonderen Art.

Lars Scheerer ist fast vom Stuhl gefallen

„Ich hätte gern Ollis Gesicht gesehen, als er das von Edin gehört hat“, sagt Lars Scheerer. Der Lüdenscheider gehörte seinerzeit auch zum Oestricher Team. „Wahnsinn. Edin Chef beim BVB. Genial“, postete Scheerer noch direkt am Sonntagabend auf Facebook. Er freut sich für einen ehemaligen Weggefährten. „Krass, ich bin fast vom Stuhl gefallen, als ich das gehört habe“, sagt Scheerer.

Und wie war der Edin damals so? – „Ein cooler Typ“, sagt Scheerer, „umgänglich, kollegial, jung und dynamisch war er – und man hat schon da gesehen: Der hat was im Kopf.“ In Oestrich teilten sich Scheerer und Terzic eine Position, wobei Terzic als junger Spieler meist auf der Bank saß. „Aber auch damit ist er gut umgegangen – ich habe schon damals damit gerechnet, dass er seinen Weg macht.“

Die Aufgabe bei Schwarz-Gelb traut Scheerer seinem ehemaligen Kollegen zu. „Er kennt den Verein in- und auswendig“, sagt er, „und der Verein geht damit auch einen einfachen Weg – ein Externer hätte viel mehr liefern müssen.“ Dass sich Terzic und Ruhnert nun am Freitagabend in Köpenick treffen, nennt Scheerer eine kuriose Situation. „Trainer und Spieler von damals treffen nun als Manager und Trainer in der Bundesliga aufeinander – das ist – ganz ohne Neid – der Wahnsinn. Ich freue mich einfach für beide...“

In Gojskis Zimmer auf dem Boden geschlafen

Karl Gojski freut sich auch für Terzic. „Der Edin ist ein richtig Netter gewesen, aufrichtig, respektvoll – und zielstrebig. Er wusste schon damals, was er wollte“, sagt der Ex-Stürmer aus Lüdenscheid, der in Oestrich ein Jahr lang gemeinsam mit dem neuen BVB-Coach um Punkte gekämpft hat. „Ich war mit 27 Jahren damals der Älteste im Team“, erinnert sich Gojski, „Edin studierte zu der Zeit. Da hatte er nicht so viel Geld – so habe ich ihm angeboten, dass er bei der Mannschaftsfahrt nach Cala Ratjada bei uns im Zimmer auf dem Boden schlafen kann. So musste er nur den Flug bezahlen – das hat er dann auch gemacht...“ Dass Edin Terzic nun die Profis in Dortmund trainiert, findet Gojski „cool“. Er hat Terzic am Sonntag auf Facebook auch direkt gratuliert. „Es gibt manchen Ex-Mitspieler, dem ich das nicht gönnen würde“, sagt Gojski, „aber dem Edin gönne ich das!“

Der Erzrivale und der Wadenbeißer

Murat Kaya wechselte 2009 vom TuS Plettenberg zu Borussia Dröschede. Als er sich ein Jahr später den SF Oestrich-Iserlohn anschloss, kam Edin Terzic auf die Dröscheder Emst. Insofern verpassten sich beide Fußballer knapp, aber dennoch kennt der Altenaer Edin Terzic und auch dessen Bruder Alen, Chefscout beim BVB, gut: „Edin war oft mein Gegenspieler – ein sehr intelligenter Spieler. Ich weiß, wie er tickt. Ich beobachte seine Entwicklung schon seit Jahren, denn er war ja auch bei Besiktas Istanbul tätig, dem Erzrivalen meines Herzensvereins Galatasaray. Edin Terzic ist ein zielorientierter Mensch, ein sehr gutes Vorbild für junge Spieler. Und er kommt praktisch mit Jedermann klar. Es freut mich für ihn und ich gönne es ihm, dass er den Trainerjob beim BVB bekommen hat. Damit hätte ich niemals gerechnet, denn Dortmund gehört zu den Topclubs in Europa. Ich denke, wir werden ihn noch lange sehen, wenn die Ergebnisse stimmen. Er ist ein Dortmunder Junge und weiß genau, was zu tun ist. Er kann mit Druck umgehen und man wird ihn anders behandeln als seinen Vorgänger. Aktuell ist er die beste Lösung für den BVB.

Oliver Ruhnert war immer ein absoluter Wadenbeißer, stand aber immer auf der Seite des Gegners, wenn ich mit ihm zu tun hatte. Er hat auf Schalke schon viele gute Spieler zu Profis gemacht. Edin und Olli sind mutige Leute, zwei absolute Profis.“

Der enge Freund und der Förderer

Eng mit Edin Terzic befreundet ist der Plettenberger Arben Tahiri, der seit 2011 in Hannover lebt und dort als Teamleiter des Internats des Tennisverbandes Niedersachsen-Bremen arbeitet. Beide spielten gemeinsam unter Trainer Ruhnert in Oestrich und danach bei Westfalia Herne. „Ich habe drei Tage vor dem Stuttgart-Spiel noch ein langes Telefonat mit Edin geführt, in dem es aber nicht um Fußball ging, denn er blickt immer über den Tellerrand. Wir sind seit 20 Jahren eng befreundet, waren mit unseren Familien in diesem Jahr gemeinsam im Urlaub.

Edin ist sehr ehrgeizig und zielstrebig, besitzt großes Fachwissen, hat aber auch eine große menschliche Qualität. Und er ist über die Jahre immer auf dem Boden der Tatsachen geblieben. Diese Grunddemut zeichnet ihn aus. Ich habe ihn auch in Istanbul und London besucht, als er Co-Trainer von Slaven Bilic war. Edin ist ein grundpositiver Mensch, den man einfach gern in seiner Nähe hat. Er kann Menschen fangen. Er wird in Dortmund den Ordner genauso behandeln wie den Geschäftsführer. Er hat sich den Trainerjob verdient, weil er ein super Standing im Verein hat.

Oliver Ruhnert war als Trainer für meinen Werdegang genauso wichtig wie der verstorbene Michael Arndt damals in Plettenberg. Olli hat einem viel beigebracht. Er hat mich gefördert, bei ihm hat man sich als Mensch weiterentwickelt, er hat einem viele Charakterzüge mitgegeben. Sonst hätte ich es nie bei Westfalia Herne geschafft. Und genauso wie Edin hat Olli immer noch die Wurzeln, sein Fundament im Amateursport, was ja auch seine Tätigkeit als Schiedsrichter zeigt. Klar war er ein harter Hund und hat uns gepuscht, aber unter vier Augen bekamst du bei ihm immer Gehör und hast viel davon mitgenommen. Menschlich war das einfach klasse. Es war eine tolle und prägende Zeit, für die ich immer dankbar bleibe und an die ich oft zurückdenke.“

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