Ein besonderes Händchen für den Tennisball

Rolf Legsding verstarb in der vergangenen Woche im Alter von 89 Jahren.

Lüdenscheid -  Der Lüdenscheider Sport trauert um Rolf Legsding: Der national und international erfolgreiche Eishockey-, Handball- und Tennisspieler verstarb in der vergangenen Woche im Alter von 89 Jahren. Ein persönlicher Nachruf seines langjährigen Weggefährten Henrich C. Schlötermann.

Henrich C. Schlötermann war über Jahrzehnte ein Weggefährte des verstorbenen Rolf Legsding. Obwohl die beiden Jahrzehnte an Lebensalter trennten, spielten und trainierten sie gemeinsam auf dem Tennisplatz. Schlötermann ist wie Legsding dabei immer Mitglied des Lüdenscheider Tennis-Vereins von 1899 am Stadtpark gewesen. Für diesen Verein gehört Schlötermann aktuell auch zu den Verantwortlichen für die Planung und Durchführung des Hallen-Neubaus auf der Anlage am Stadtpark.

Lieber Rolf,

nein, einfach hast Du es einem nie gemacht. Nicht neben, und schon gar nicht auf dem Platz. Stopp – Lob, das war Dein Lieblingsspiel beim Tennis, und so verlief auch Dein Leben.

Geboren wurdest Du 1924 in Riga, Lettland. Schon in der Jugend konntest Du Deine einzigartige Mobilität und Dein unglaubliches Ballgefühl sportlich unter Beweis stellen. Allerdings war zu dieser Zeit der Ball noch ein Puck und der Tennis- ein Eishockeyschläger. Damit brachtest Du es bis in die Deutsche B-Nationalmannschaft, denn als sogenannter „Balten- Deutscher“ hattest Du zeitlebens die deutsche Staatsbürgerschaft. Das war nicht nur von Vorteil. Der Vertreibung Deiner Familie aus Riga 1939 ins zwischenzeitlich annektierte Polen folgte für Dich schon als 17-jähriger – mit „Notabitur“ – die Einberufung zur Deutschen Wehrmacht. Du musstest zur Ostfront. Über Diese schreckliche Zeit im Krieg hast Du nie wirklich gesprochen. Nur so viel, dass Du „glücklicherweise“ zweimal schwer verwundet wurdest und dadurch in einem Lazarett in Norddeutschland den Rest des Krieges verbringen konntest.

In Eggebek in Schleswig-Holstein verbrachtest Du die ersten Jahre nach 1945. Beruflich als Vertreter für Spielzeug, sportlich jetzt als Handballer, natürlich gleich wieder in der Oberliga.

Anfang der 50er-Jahre Neustart in Lüdenscheid

Anfang der 50er Jahre verschlug es Dich nach Lüdenscheid. Hier lerntest Du die zwei großen Lieben Deines Lebens kennen. Zunächst die Tochter eines bekannten Arztes, die Grundschullehrerin Marianne, die Du 1954 dann auch prompt geheiratet hast. Aus der Ehe gingen Tochter Ariane und Sohn Alexander hervor, der auch heute noch intensiv mit dem Tennissport verbunden ist.

Auch beruflich ging es aufwärts. Nachdem Du anfangs noch einem typischen Lüdenscheider Job nachgehen musstest (Metalldrücker), bekamst Du das Angebot als Außendienstler für die BAT (British American Tobacco). Diese Arbeit hast Du dann bis zu Deiner Rente mit 65 gleichermaßen erfolgreich wie gerne gemacht.

Die zweite Liebe aber sollte Dein Leben für die kommenden 60 Jahre – so lange warst Du auch Vereinsmitglied – genauso prägen. Der weiße Sport war für Dich wie gemacht. Ballgefühl, Fitness und Nervenstärke verhalfen Dir zu unzähligen Titeln und vorderen Platzierungen bei Deutschen und Europäischen Meisterschaften. Höhepunkt Deiner Karriere war aber Deine Teilnahme an den Seniorenweltmeisterschaften in Australien 1999 mit der deutschen Nationalmannschaft. Sportlich war zwar dort auf ungewohntem Rasen gegen die Australier und Neuseeländer nichts zu holen, aber die Reise sollte eine immer währende, angenehme Erinnerung bleiben.

Berüchtiger angeschnittener Aufschlag

Unangenehm hatten Dich immer nur Deine Gegner in Erinnerung. „Berüchtigt“ Dein angeschnittener Aufschlag und Dein „Spezialball“, ein eingewickelter Stopp, der erst auf der Seite des Gegners landete und dann zu Dir zurück sprang. Überliefert die Reaktion eines Kontrahenten bei einer Deutschen Meisterschaft in Hamburg. Nach zwei solcher Bälle sagte dieser bereits beim Stand von 0:2: „Ich bin doch hier nicht im Zirkus“. Und gab auf.

Bis ins neue Jahrtausend hast Du noch aktiv auf dem Platz gestanden. Die 90 hast Du dann leider nicht mehr ganz vollgemacht. Wie soll man ein so bewegtes und langes Leben zusammenfassen? Vielleicht so: 2004, zu Deinem 80. Geburtstag, waren wir zusammen in Berlin. Auf dem Kurfürstendamm standen wir vor der völlig zerstörten Gedächtniskirche und Du sagtest mit Tränen in den Augen. „Beim meinem letzten Besuch hier war die Kirche noch heil“.

Das letzte Match konntest auch Du nicht gewinnen. Und so trauern wir vom LTV von 1899 um eines der schillerndsten und erfolgreichsten Mitglieder seiner Vereinsgeschichte.

Lieber Rolf, Du wirst wohl hoffentlich noch lange warten müssen, aber reservier schon mal die Plätze!

von Henrich C. Schlötermann

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