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Tennis-Lockdown: Den Trainern und Aktiven fehlt das Verständnis

Tennisspieler in der Halle
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Kein Tennisspiel in der Halle am Stadtpark: Auch Moritz Pieper vom Lüdenscheider TV von 1899 hat den offenen Brief der zehnjährigen Karlotta aus Dortmund an NRW-Ministerpräsident Armin Laschet unterschrieben.

Der Lüdenscheider Tennistrainer Artur Tomaszewski darf im Moment keine Trainerstunden geben. Normalerweise wären es im November rund 150.

Lüdenscheid – Als der sportliche Lockdown Anfang November losging und zumindest Individualsport zu zweit noch erlaubt war, da reagierte der Lüdenscheider Tennis-Verein von 1899. Das Wetter spielte mit, zwei Plätze ließ der LTV 99 kurzfristig aufbereiten. Ein paar Matches im tristen November, der mit dem gelben Filzball und ein bisschen Sonne nicht mehr ganz so trist daherkam.

Ein paar Meter weiter in der schmucken Tennishalle dagegen durfte nicht gespielt werden – und das verstehen die Tennisspieler bis heute nicht wirklich. In Nordrhein-Westfalen hat sich eine Interessen-Gemeinschaft der drei Landesverbände gebildet, die gemeinsam am 12. November mit einem Bittschreiben ans Land NRW aktiv geworden ist. „Insbesondere die Erlaubnis für das Spiel zu zweit in der Halle, die es in zwölf anderen Bundesländern derzeit schon gibt, ist uns dabei im Namen der Tennisspieler, Tennistrainer, Vereine und Hallenbetreiber in Nordrhein-Westfalen ein wichtiges Anliegen“, heißt es im Schreiben, das an Minister Laumann adressiert ist.

Tennis-Lockdown: Trainer und Aktiven fehlt das Verständnis

Doppelt getroffen von den besonderen Verordnungen in NRW ist am Stadtpark Artur Tomaszewski. Der B-Lizenz-Inhaber ist seit 2017 hauptamtlicher Cheftrainer des LTV 99. Als Anfang November noch Spiele unter freiem Himmel möglich waren, durfte er kein Tennistraining geben – das Land NRW hatte dies verboten. Nur Spiele zu zweit waren erlaubt. „Das hat kein Mensch verstanden“, sagt der Lüdenscheider.

Als das Land dann nach knapp zwei Wochen einlenkte und Tennis-Einzeltraining (Trainer/Spieler) wieder freigab, da ging es mit dem Wetter rapide bergab. „Fünf Stunden habe ich noch geben können unter freiem Himmel“, sagt Tomaszewski, „und seitdem nichts mehr.“ Normalerweise sind es in einem normalen November rund 140 Trainerstunden, die Tomaszewski in der Stadtpark-Halle gibt.

Artur Tomaszewski darf aktuell kein Tennistraining geben.

Es sind viele Dinge, die der frühere Trainingspartner von Alexander Zwerev nicht recht versteht. „Anfang November hatten nur NRW und Hamburg die Tennishallen geschlossen“, sagt Tomaszewski, „inzwischen auch Bayern, Berlin und Hessen. Das Einzeltraining, berichtete mir ein Kollege aus Hessen, soll nun auch wieder verboten sein. Ich verstehe doch, dass Maßnahmen ergriffen werden müssen, dass kein Zweier- oder Dreier-Training geht im Moment. Aber wenn ich Einzeltraining gebe, sind 25 Meter Abstand zwischen den zwei Personen. Was soll denn da schiefgehen?“

Hoffen auf bessere Regelung bei Überbrückungshilfen

Für Tomaszewski kommen die getroffenen Maßnahmen einem Berufsverbot gleich. „Man verbietet uns zu arbeiten – dann müsste man wenigstens das Geld für den Lebensunterhalt zur Verfügung stellen, dass man überlebt“, sagt er. Die Corona-Hilfen im Frühjahr beim ersten Lockdown, sie klangen zunächst gut, doch auf den zweiten Blick waren es vor allem Hilfen für die laufenden Betriebskosten. Im Raum steht für Tomaszewski, dass er von diesen Hilfen noch zwei Drittel zurückzahlen muss. Er hofft nun, dass dies bei den neuen Überbrückungshilfen anders sein wird, ist mit seinem Steuerberater im ständigen Austausch, hat sich zuletzt auch im Rahmen eines Webinars des Westfälischen Tennis-Verbandes informiert.

„Ich hoffe“, sagt er, „dass es nicht so eine Katastrophe wird wie mit den Corona-Hilfen im Frühjahr.“ Die andere Hoffnung, die ihm bleibt, ist jene, dass die Verbände am Ende vielleicht doch Erfolg haben, dass das Land NRW womöglich doch einlenkt und die Tennishallen wieder öffnet. Mit ihm würden sich auch die Vereine und Hallenbetreiber über diesen Schritt freuen. „Am Mittwoch wird man in Berlin etwas Neues beschließen – ich bin gespannt, wie es für uns ab Dezember weitergeht, aber sehr optimistisch bin ich nicht“, sagt Tomaszewski traurig, „aber man kann da nichts machen. Wir sind nur kleine Marionetten. Die Entscheidungen treffen die da oben...“

Offener Brief einer Zehnjährigen an NRW-Ministerpräsident Laschet

„Ich heiße Karlotta, bin zehn Jahre alt und spiele seit fünf Jahren leidenschaftlich Tennis“, beginnt ein offener Brief einer jungen Tennisspielerin aus Dortmund, die am WTV-Stützpunkt in Kamen gefördert wird, an NRW-Ministerpräsident Armin Laschet. In Auszügen heißt es weiter: „Ich bin so traurig, dass ich kein Tennis mehr spielen darf. Ich darf nicht am Stützpunkt in meiner kleinen Trainingsgruppe trainieren, ich darf nicht zum privaten Einzeltraining gehen. Dass wir im Moment keine Turniere spielen dürfen, ist zwar doof, aber das verstehe ich noch, weil da viele Menschen zusammenkommen würden. Wir möchten aber zumindest in unserer Sportart weiter trainieren dürfen. In fast allen anderen Bundesländern ist das ja auch möglich. Ich stehe beim Tennis weit genug von meiner Gegnerin oder meinem Trainer entfernt, immer durch das Netz getrennt. Ein Tennisplatz hat eine Fläche von etwa 700 Quadratmeter, und auf dieser Fläche sind wir zu zweit. In der Schule sitze ich auf 70 Quadratmeter eng mit 26 Kindern zusammen, die ich nur halb so gut kenne wie meine Tennis-Freunde. Im Bus sitze ich womöglich neben fremden Leuten. Wir haben in den letzten Wochen vor Eintritt in die Tennishalle bereits Fieber gemessen, wir haben bis zum Platz unsere Maske getragen, wir haben Abstand gehalten, uns die Hände gewaschen und desinfiziert und wir waren in allem extrem verantwortungsvoll. Jetzt dürfen wir unsere Sportart nicht mehr machen und viele Trainer verdienen nichts mehr. Das macht mich sehr traurig.“

Den Brief haben im Nachgang 257 Kinder und Jugendliche aus ganz NRW unterzeichnet –unter anderem auch die vier Lüdenscheider Tennis-Talente Moritz Pieper, Ariane Paulus, Philipp Paulus und Luis Cordt.

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