Malzer und Malzer: Tanzen als Lebenselexier

Ein Bild aus früheren Zeiten: Gisela und Michael Malzer nahmen vor 30 Jahren das Tanz-Training auf.

LÜDENSCHEID -  Als Gisela und Michael Malzer im Jahr 1983 in der Tanzschule das Training aufnahmen, ahnten sie noch nicht, wie weit die ersten zaghaften Schritte sie noch tragen sollten. Beim Drei-Königs-Pokal am Samstag gleiten sie zum 500. Mal gemeinsam über das Parkett.

„Dabei mussten wir zu Beginn richtig ackern“, berichtet der 60-jährige Malzer, der mit seiner Frau Gisela seit 36 Jahren verheiratet ist. Auf einer Feier wurde das Ehepaar angesprochen, ob sie nicht Lust hätten, eine Rock’n Roll Tanzveranstaltung zu besuchen. Begeistert nahmen die beiden kurze Zeit später Tanzstunden in der Lüdenscheider Tanzschule Hötschl. Über Rock’n Roll, Tänze der 1920er-Jahre und sogar Stepptanz landeten die Malzers dann bei den Standardtänzen. „Auf die hatte ich während der zwei Jahre in der Tanzschule sowieso ein Auge geworfen. Doch um der Standardtänze-Gruppe beizutreten, mussten wir auch Vereinsmitglieder werden.“

Der Beitritt beeinflusste die weitere Karriere entscheidend, denn seitdem die Malzers auf Turnieren tanzen, treten sie immer in der Standard-Tänze-Konkurrenz an. Langsamer Walzer, Tango, Wiener Walzer, Slow-Foxtrott und Quick-Step – so lautet seither die Reihenfolge auf den Bällen, Turnieren und Meisterschaften.

Über die D-, C-, B- und A-Klasse hat sich das Ehepaar in die höchste, die S-Klasse, getanzt, aus der es auch nicht mehr absteigen kann. Höhepunkte der Laufbahn waren die Kürung zum Lüdenscheider Sportler des Jahres 2000 sowie der siebte Platz bei der Westdeutschen Meisterschaft 1993 in Holzminden. Früher standen die Malzers bis zu sechsmal, heute rund viermal pro Woche bei Training und Turnieren auf der Tanzfläche. Bis heute fahren sie einmal pro Woche nach Köln zu den Tanzstunden bei Trainer Georg Aggelakis, der das Paar seit 1989 betreut und es „in die S-Klasse geführt“ habe.

„Zu unseren besten Zeiten haben wir 46 Turniere pro Jahr getanzt. Heute suchen wir uns die Leckerbissen raus,“ sagt Malzer. Denn Tanzen ist ein teures Hobby: „Wir tragen die Sprit- und Hotelkosten selbst und mit unseren 44 Mitgliedern beim TC Terpsichore Lüdenscheid sind wir froh, dass die Hallen-Miete und die Trainer-Kosten gedeckt sind.“ Hinzu kommen Aufwendungen für Frack und Kleider. Gisela Malzer näht jedes Jahr ein neues.

Beim Sport steht der Wettkampfgedanke im Hintergrund: „Ich tanze für das Publikum und freue mich über starke Konkurrenz. Dann weiß ich, dass den Zuschauern was geboten wird.“

Über die Jahre hat das Ehepaar auf seinen Reisen zahlreiche Freundschaften geknüpft. Beim Wiener Weltranglistenturnier an Pfingsten wohnen die Malzers zum Beispiel nicht im Hotel, sondern bei einem befreundeten Tanzpaar, den österreichischen Staatsmeistern.

Vor sieben Jahren rettete das Tanzen Michael Malzer sogar nach eigener Aussage das Leben. Sein Blut, so Malzer, sei so „dick“ gewesen, dass es nur mithilfe eines Verdünners abgenommen werden konnte. „Ihr Blut hätte eigentlich nicht mehr durch den Körper transportiert werden können“, sagte ihm der Arzt. Sein durch das Tanzen gut trainierter Herzmuskel bewahrte Malzer vor Schlimmerem. Seither ist klar:„Solange meine Füße mich tragen, werde ich tanzen.“

Emanuel Holz

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