Grasediek: "Keine Frage des Ehrenamts, sondern Stilfrage"

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Nimmt öffentlich Stellung zu seiner Beurlaubung als Trainer der SGSH: Mathias Grasediek

Schalksmühle - Zwei Wochen und zwei Tage nach der Beurlaubung als Cheftrainer der SG Schalksmühle-Halver hat Mathias Grasediek am Montagnachmittag eine offizielle Stellungnahme zu den Umständen seiner Demission im 20. Trainerjahr abgegeben. Die Stellungnahme, die in schriftlicher Form erfolgte, ist in den Printausgaben von Allgemeiner Anzeiger und Lüdenscheider Nachrichten in Auszügen abgedruckt, der komplette Text nachstehend.

„Die ganze Entwicklung macht mich traurig und betroffen. Eines gleich vorweg, die sportliche Entscheidung, nicht mehr mit diesem Trainerteam weiter zu arbeiten, ist zu 100 Prozent richtig. Neben der unterschiedlichen Einschätzung zum Leistungsvermögen des jeweilig zur Verfügung stehenden Kaders, machte auch die vielschichtige Einflussnahme auf Spieler, Sponsoren und Vereinsvertreter eine erfolgreiche Zusammenarbeit unmöglich. 

Selbstverständlich macht man als Trainer sportliche Fehler, eine Analyse meiner Fehler gehört zu jedem Spiel. Daraus versuche ich ständig zu lernen. Es ist völlig legitim, dass sich die Vereinsführung für neue Kräfte entscheidet. Das 'wie' ist entscheidend und mit Verlaub, schlechter geht es kaum.

Wie nun aber der Fokus verschoben wird und Kommentatoren zu Schuldigen werden und man sich hinter einem Geflecht aus Macht und Ehrenamtlichkeit versteckt, macht eine öffentliche Stellungnahme unausweichlich. 

Schon nach der ersten Kündigung, die gegen die Mehrheit im Vorstand nach dem Spiel in Volmetal durchgesickert war, stellte sich der neutrale Betrachter die Stilfrage. Es gab eine öffentliche Entschuldigung mit dem Tenor der Verkettung von Fehlern die bei ehrenamtlicher Arbeit passieren können. 

Politisch geschickt, war dies der erste Versuch, den Fokus zu verschieben. Ehrenamtliche, die mit viel Engagement arbeiten, machen halt mal Fehler, dies unterschreibt jeder. Den sportlichen Leiter von sportlichen Entscheidungen auszuschließen, ist jedoch keine Frage des Ehrenamtes, sondern eine Stilfrage.

Nun wird behauptet, die Trainer wären nicht gesprächsbereit gewesen. Es verhält sich genau umgekehrt. 

Die Trainer hatten bereits am Dienstag, 19. Januar, nach dem Spiel gegen Leichlingen um ein Gespräch mit dem Vorstand, dem neuen Sportlichen Leiter, der Geschäftsführung und der Mannschaft gebeten. Kräfte bündeln und auf einen Nenner kommen, war die Begründung unserer Bitte. 

Am Donnerstag, 21. Januar, sagte der Sportliche Leiter Axel Vormann den angedachten Termin für Freitag ab, weil Mark Wallmann in Paris sei und nicht wüsste, ob er es rechtzeitig zum Training um 19 Uhr schafft. 

Bereits am Mittwoch, 20. Januar, wurde mit Julian Mayer aber ein Gesprächstermin mit Mark Wallmann und Axel Vormann für den abgesagten Freitag um 16 Uhr vereinbart. Es erübrigt sich zu sagen, dass dieses Gespräch mit Julian Mayer pünktlich um 16 Uhr stattgefunden hat. 

Trotz dieser offensichtlichen Gesprächsverweigerung haben wir einen neuen Termin für Freitag, 29. Januar, vor dem Varel-Spiel angeboten, der ebenfalls abgelehnt wurde. Erst dann gab es ein erstes Gesprächsangebot von Mark Wallmann, und zwar für Sonntagvormittag. 

Dieser Termin war dem Trainerteam aus dienstlichen und privaten Gründen nicht möglich und die Mannschaft hätte extra anreisen müssen. Als weiteren Termin hatten wir Dienstag, den 2. Februar, angeboten. 

Das angebotene Gespräch von Mark Wallmann am Samstag nach dem Spiel um 22 Uhr am Ausgang der Halle, ohne Sportlichen Leiter, ohne Mannschaft und zunächst ohne ein einziges Vorstandsmitglied, war in keiner Weise akzeptabel. Uns wurde zu keiner Zeit signalisiert, dass dieses Parkplatzgespräch unserer Entlassung dienen sollte.

'Die SGSH-Führung hatte das Ziel, in diesem persönlichen Gespräch eine Lösung in gegenseitigem Einvernehmen zu finden und zu kommunizieren. Aufgrund dieser totalen Gesprächsverweigerung gab es jedoch keine andere Handlungsoption als die sofortige schriftliche Beurlaubung durch eine EMail.' 

Die E-Mail wurde zwar erst nach dem Spiel um 23.04 Uhr versendet, aber schon um 17.13 Uhr verfasst und lediglich die Gesprächsabsage am Sonntag als Begründung angeführt. Demzufolge hatte die Ablehnung eines Gesprächs vor der Halle auf dem Weg zum Parkplatz um 22 Uhr rein gar nichts mit dem Vorgehen zu tun.

Wallmann-Anruf bei einem ehemaligen Spieler der SGSH

Grundlagen unserer dringenden Gesprächsbitten nach dem Spiel gegen Leichlingen waren, neben den ständigen Beeinflussungen der Spieler hinsichtlich sportlicher Entscheidungen, ein Telefonat von Mark Wallmann mit einen ehemaligen langjährigen SGSH-Spieler. 

Dieser Spieler wurde gebeten, Ken Börner anzurufen, um ihm mitzuteilen, wie schlecht der Trainingsbetrieb unter Mathias Grasediek war. Wie enttäuscht er von ihm als Trainer war, und dass Grasediek nicht hinter seinen Spielern stehen würde. Weiterhin sollte er Ken sagen, wie schrecklich Grasediek mit Spielern umgehen würde und wie schlecht das Training sei. 

Der deutliche Widerspruch und die Aussage, er habe Mattes viel zu verdanken und ihn immer als ehrlichen und gut vorbereiteten Trainer erlebt, dem der Verein sicherlich einiges zu verdanken habe, führte zur schnellen Beendigung des Gesprächs durch Mark Wallmann.

Wenn das keine Intrigen sind, über die auch der Redakteur vertraulich und nicht zur Veröffentlichung Kenntnis hatte, müssen es wohl ehrenamtliche Fehler sein. All das hätte ich gerne in dem angedachten Kreis gelassen; sehe aber aufgrund der Kampagnen, die gegen das Trainerteam, die Presse und alle die, die sich beide Seiten angehört haben und ihre Meinung vertreten, keine andere Möglichkeit mehr, als dies öffentlich zu machen.

Es ist einfach nur traurig. Wir haben viele tolle Menschen im Verein und in der Fangemeinde. Lasst euch nicht blenden, hinterfragt die Dinge bei allen Beteiligten. 

Ich sage ein riesengroßes Dankeschön an alle, die über viele Jahre mit uns Erfolge gefeiert und Misserfolge ausgehalten haben. Es gibt immer Trainer, die mehr können und besser sind als ich. Bis zur letzten Sekunde habe ich jedoch alles gegeben was ich kann und zwar mit Loyalität, Ehrlichkeit und Engagement. 

Genau das hätte ich von der Führung erwartet, wenn man die Zusammenarbeit beenden will. Der Fokus gehört nicht auf die Berichterstattung oder die sportliche Entscheidung, sondern auf das inakzeptable menschliche Verhalten der Entscheider, die hier völlig unnötig auf Menschen herumtrampeln, die mit sehr viel Herzblut und weit über die normalen Pflichten hinaus für den Verein da waren. Ich wünsche dem Verein viel Erfolg für die Zukunft und sage Danke für sehr viele schöne Jahre."

"Öffentlich keine schmutzigeWäsche waschen"

Zur Stellungnahme von Mathias Grasediek wollte Mark Wallmann, Geschäftsführer der SGSH GmbH, am Montagnachmittag nicht Stellung nehmen, nur so viel: „Ich glaube nicht, dass ich darauf reagieren werde, denn ich habe keine Lust, Vereinsinterna öffentlich über die Medien zu diskutieren und schmutzige Wäsche zu waschen. Die Vorwürfe von Mathias Grasediek weise ich aber zurück und könnte sie auch widerlegen. Aber wir werden uns auf ordentliche und seriöse Arbeit für die SGSH konzentrieren.“ 

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