Reiten, Balve Optimum

Tobias Meyer wird Meister auf dem Familienpferd

Auch Tobias Meyer entging dem Bad nach der Siegerehrung nicht.
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Der knapp geschlagene Maximilian Weishaupt (rechts) zeigt an, dass es für Tobias Meyer jetzt unweigerlich ins Wasser geht. Der neue Deutsche Meister will aber erst noch seine Brille in sichere Hände abgeben. Links der Drittplatzierte Patrick Stühlmeyer.

Keiner reckte so die Faust nach einer Nullrunde wie Tobias Meyer, als er als erster Reiter auch den vierten Umlauf bei der Deutschen Meisterschaft der Springreiter in Balve fehlerfrei beendet hatte. Zu diesem Zeitpunkt hätten dem 33-Jährigen aus Esterwegen in Niedersachsen und seinem zehnjährigen braunen Wallach Greatest Boy noch vier Konkurrenten in ein Stechen um den Titel folgen können, doch nur einer, Maximilian Weishaupt (31), schaffte es.

Balve - Keine 20 Minuten später hatte Meyer auch den Berufsreiter aus Jettingen in Bayern im Stechen um acht Zehntelsekunden hinter sich gelassen, brach der Jubel auf dem Abreiteplatz aus ihm heraus. Es war ein Jubel, dem die Tränen folgten, als Meyers kleine Tochter beim Siegerinterview unbedingt auf den Arm wollte und das Mikrofon des ZDF begutachtete. Es war der Zeitpunkt, als Meyers Stimme merklich stockte und ihn die Emotionen überwältigten. Seine Frau Vanessa, seine Tochter und seinen Sohn, der nicht bei ihm lebt, hatte er zuvor schon freudestrahlend umarmen dürfen, schließlich gab es auch noch ein Küsschen für den Greatest Boy, sein Pferd, das Meyer noch gar nicht lange reitet.

So richtig kann ich das noch gar nicht fassen. Als ich hierher gefahren bin, habe ich mit allem gerechnet, aber nicht mit dem Deutschen Meistertitel.

Der neue Deutsche Meister Tobias Meyer

„So richtig kann ich das noch gar nicht fassen. Das ist ein ganz besonderer Tag. Als ich hierher gefahren bin, habe ich mit allem gerechnet, aber nicht mit dem Deutschen Meistertitel“, sagte Meyer. Erst vor sieben Monaten kam Greatest Boy zu ihm, hatte in die Vorbereitung auf Balve aber noch kein derart schweres Springen bestritten. „Es ist unser Familienpferd. Meine zweijährige Tochter reitet es jeden Tag“, war es für Meyer kaum zu fassen, zu welchen Leistungen der Wallach auf großer Bühne fähig sein würde. „Aber er hat einen tollen Charakter und war einfach in einer Topverfassung“, lobte ihn Meyer.

Überraschungsmeister Tobias Meyer und sein Greatest Boy.

Nach dem Schritt in die Selbstständigkeit im November 2019 folgte die schwierige Coronazeit für den Familienvater, dem nun aber Sponsor Johannes Heinrichs aus Heinsberg nicht weniger als 36 Pferde zur Verfügung gestellt hat. In Kürze wird Meyer im niederländischen Weert eine neue Reitanlage beziehen dürfen.

Einen großen Verdienst an seinem ersten Titelgewinn sprach Meyer auch seinem Coach Tjark Nagel zu: „Ein erfahrener Mann, der Ruhe reinbringt. Er hat vor dem Stechen gesagt, wir haben Silber – jetzt wollen wir Gold.“

Auch der knapp geschlagene Maximilian Weishaupt war nach seinem ebenfalls bis dato größten Erfolg „super happy“. Die Stute Omerta Incipit sei „unglaublich gesprungen“ und habe „im Stechen unglaublich gekämpft. Wenn sie einen schnelleren Reiter gehabt hätte, hätte sie gewonnen.“

Das Podium der jungen Dreißiger komplettierte Patrick Stühlmeyer (31) aus Mühlen, der schon 2013 DM-Bronze geholt hatte. Die zehnjährige Carmina reitet er erst seit vier Monaten. Stühlmeyer war bester Reiter mit vier Fehlerpunkten, gefolgt von Marcus Ehning, der mit Priam du Roset schon am allerersten Sprung des zweiten Umlaufs seine Titelchancen begrub. Entschädigen konnte sich Routinier Ehning (47) mit dem Prüfungssieg im Longines Optimum Prize, der zweiten Teilprüfung zur Deutschen Meisterschaft. Mit Stargold, seinem zweiten Pferd, blieb er nach acht Fehlern am Donnerstag am Samstag zweimal fehlerfrei und legte im zweiten Umlauf mit 54,91 Sekunden die Bestzeit hin.

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