Fußball

„Der Ball sollte nie zu kurz kommen“

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Hendrik Winkelmann

Lüdenscheid – Für die Fußballer im Kreis Lüdenscheid ist es wohl mit die ungeliebteste Zeit: die Vorbereitung. In der Zeit kurz vor dem Saisonstart wird zumeist an der Kondition gearbeitet, harte Läufe führen die Ballkicker oftmals ans Limit. Doch ist dies die richtige Form der Vorbereitung? Worauf kommt es an? Über diese und weitere Fragen sprach Sportvolontär Julian Witzel mit Hendrik Winkelmann.

Winkelmann bildet seit 2015 unter anderem die Teilnehmer der C-Lizenz-Lehrgänge im Kreis Lüdenscheid aus. Der Meinerzhagener hat einen Abschluss an der Deutschen Sporthochschule Köln erlangt und ist auch beruflich in der Domstadt beheimatet. Der 26-Jährige trainiert die U 11 vom Bundesligisten 1. FC Köln.

Hendrik Winkelmann, welche Tipps und Tricks haben Sie für die Vorbereitung einer Fußballmannschaft im Amateurbereich? 

Ein Allheilmittel für die perfekte Vorbereitung gibt es wahrscheinlich nicht, aber ich vermittle beim Trainerlehrgang der C-Lizenz-Jahrgänge immer, dass auch in der Vorbereitung die Arbeit mit dem Ball nie zu kurz kommen sollte. Die Kondition wird auch bei Spielformen wie einem ‘Neun gegen Neun’ oder ‘Acht gegen Acht’ gefördert. Zum Ende der Vorbereitung sollten die Spielformen kleiner gehalten werden, von einem ‘Acht gegen Acht’ wäre es nützlich, beispielsweise in einem ‘Vier gegen Vier’ anzukommen. Dadurch wird es fußballerisch anspruchsvoller, und den Spielern werden mehr Aktionen abverlangt, die Intensität wird dadurch erhöht. Aber nur beziehungsweise ausschließlich Waldläufe oder Ähnliches in der Vorbereitung zu absolvieren, damit ist keinem geholfen.

Welche Bereiche sollten gezielt gefördert werden? 

Drei Bereiche müssen abgedeckt werden: Die Ausdauer, die Kräftigung, welche unter anderem der Verletzungsprophylaxe dient, und die Schnelligkeit. Kräftigungsübungen können gezielt mit Rumpfstabilisationsübungen durchgeführt werden, dadurch wird das Laufen ökonomischer und die Kräftigung, beispielsweise der hinteren Oberschenkelmuskulatu,r beugt Verletzungen vor. Um an der Schnelligkeit zu feilen, ist es nicht vonnöten, viele Sprints zu machen, sondern vielmehr mit Sprungkrafttraining diese zu fördern.

Wie würden Sie die Vorbereitung bei einer Amateurmannschaft angehen? 

Im Amateurbereich sollte vor allen Dingen der technisch/taktische Bereich im Vordergrund stehen und die Vorbereitung nicht nur auf die Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer abzielen. Konditionelle Aspekte sollten automatisch mittrainiert werden. Die Amateure laufen schließlich keinen Marathon, sondern spielen Fußball. Der Ball sollte bei allen Übungen dabei sein und auch im Mittelpunkt stehen. Es bringt nichts, die Spieler mit den Konditionsübungen zu überlasten, weniger ist da manchmal mehr. Zumal die Mannschaften höchstens dreimal die Woche trainieren, da werden die Schwerpunkte meiner Meinung nach teilweise falsch gesetzt. Eine Profimannschaft trainiert jeden Tag, kann deswegen auch eine ganz andere Gewichtung vornehmen und ist konditionell auch anders gefordert und ausgebildet.

Die Profis müssen auch in ihren Ferien Läufe absolvieren, dies wird mithilfe einer App von Vereinsseite geprüft. Mittlerweile wenden auch Amateurvereine diese Methode an. Was halten Sie davon? 

Einerseits ist es gut, da sich die Grundlagenausdauer vor die Zeit des gemeinsamen Trainingsstarts verschiebt. Anderseits finde ich es trotzdem schwierig, Spieler auf diesem Niveau auf eine gewisse Art und Weise zu „überwachen“. Das schafft keine Vertrauensbasis – und spätestens zum Vorbereitungsstart sehen die Trainer auch, wer wo steht und wer wie viel investiert hat, um auf einem guten Level fit zu sein. Die Spieler sollten nicht dazu gezwungen werden. Diejenigen, die gerne laufen, werden es auch in der Freizeit machen.

Wie sind Ihre eigenen Erfahrungen als Aktiver mit der Vorbereitung? 

Ich habe nicht allzu viele mitgemacht, ich glaube es waren drei oder vier. Insgesamt wurde mir in der Zeit auch zu wenig mit dem Ball gemacht. Aber ich hatte Trainer, die sich schon damit auseinandergesetzt haben und mehr in Spielformen trainierten.

Sie leiten die C-Lizenz-Lehrgänge des Kreises Lüdenscheid. Macht Ihnen die Arbeit weiterhin Spaß? 

Absolut, ich war mittlerweile an neun Lehrgängen beteiligt und gerade der Letzte im Mai war wirklich besonders stark und hat extrem viel Freude bereitet, das hat uns auch der Prüfer bestätigt. Das Wissen zu vermitteln, macht extrem viel Freude und Spaß. Aber am liebsten stehe ich selbst auf dem Grün und trainiere Spieler. Sie selbst sind Inhaber der Trainer-A-Lizenz. Haben Sie das Ziel, auch noch den Fußball-Lehrer zu machen, um im Profibereich tätig zu sein? Zurzeit brauche ich den Schein nicht und ich weiß auch nicht, ob ich ihn in der Zukunft machen werde. Dort, wo ich jetzt tätig bin, macht es mir sehr viel Spaß und es füllt mich aus. Das Erlernte auf dem Rasen selbst anzuwenden und Entwicklungen bei Spielern zu begleiten ist das, was ich am liebsten mache.

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