Verbandsgericht verwirft RWL-Berufung

+
Weiterhin erst ab 1. Juli für Rot-Weiß Lüdenscheid spielberechtigt: Hakan Firat (rechts).

Lüdenscheid - Mit völligem Unverständnis reagierte RW Lüdenscheids Vorstandssprecher Michael Dregger, als er am Freitagmittag sein DFB-Postfach öffnete: Das Verbandsgericht des Westdeutschen Fußball-Verbandes unter Vorsitz von Heinz-Hubert Werker (Düren) hat im schriftlichen Verfahren die Berufung von RWL gegen das Urteil der Verbandsspruchkammer zur Erteilung der Spielberechtigung für Hakan Firat durch die Passstelle verworfen.

Die Sportrichter folgen der Verbandsspruchkammer-Argumentation, dass Hakan Firat als Amateur bei den VSV Wenden gespielt habe. Für die Passstelle habe sich beim Wendener Antrag auf Spielberechtigung keinerlei Hinweise auf geheime Absprachen oder irgendwelche Vorbehalte ergeben, was RWL freilich auch nie angezweifelt hatte.

 Das Verbandsgericht erklärt einigermaßen überraschend, „der Umstand, dass an den Spieler möglicherweise Zahlungen geleistet worden seien, die über den Betrag von monatlich 249,99 Euro hinausgingen, muss in diesem Zusammenhang außen vor bleiben.“ „Selbst dann, wenn die Zahlungen über den Grenzbetrag hinaus getätigt worden sein sollten, hat dies keinen Einfluss auf die Amateureigenschaften des Spielers“, heißt es weiter.

 Selbst „Schwarzzahlungen“ werden förmlich legalisiert: „Es ist den Verbandsorganen bekannt, dass ungeachtet der Regelungen in der RuVo (Rechts- und Verfahrensordnung) in zahlreichen Fällen, Gelder aus den unterschiedlichsten Quellen ... fließen“. Dies kann nicht zum Verlust der Amateureigenschaften im Sinne unserer Bestimmungen führen. Würde man dies anders sehen, so käme man u. U. dazu, einem Spieler, der plötzlich während einer Saison größere Geldbeträge erhält, die Amateureigenschaft absprechen zu müssen. Vertragsspieler wäre er aber auch nicht“, meinen die Sportrichter. Solche Regelungen seien nicht „gangbar“.

 „Das kann ja nur übertrieben heißen, dass ich einem Spieler auch 10 000 Euro monatlich zahlen kann und er als Amateur gilt, solange wir keinen DFB-Mustervertrag abschließen“, schüttelt Dregger entgeistert den Kopf und hofft auf einsichtigere Richter beim DFB-Bundesgericht in Frankfurt. Die Revisionsgebühr hat er jedenfalls schon überwiesen.

Die Vorgeschichte zum
"Fall Hakan Firat"

Rot-Weiß Lüdenscheid kämpft um die Spielberechtigung von Angreifer Hakan Firat und bezweifelt, dass der bis Januar für den abgebenden Verein VSV Wenden in der Spielzeit 2015/16 überhaupt spielberechtigt war. Und zwar, weil er gemäß einer Vereinbarung mit dem Klub höhere Zuwendungen als die für Amateure gestattetenen 249,99 Euro monatlich erhalten hatte, deshalb kein Amateurspieler sein konnte. Und Vertragsspieler war er in der Wendener Zeit auch nicht, weil kein DFB-Mustervertrag bestand und dem Verband vorgelegt worden war, der höhere Zahlungen „legalisiert“.

 RWL-Beschwerdeführer Michael Dregger folgert daraus, dass Firat per satzungsgemäßer Definition als „Nichtspieler“ zu gelten habe und dementsprechend nicht für Wenden spielberechtigt gewesen sei.

 Da die Passstelle Firat aber als Amateur eingestuft und entsprechend seines letztes Einsatzes für die VSV die Spielberechtigung des Stürmers für RWL erst zum 1. Juli ausgestellt hatte, hat Rot-Weiß Beschwerde eingelegt. Der halfen weder Passstelle noch Verbandsfußball-Ausschuss ab, so dass RWL Beschwerde bei der Verbandsspruchkammer des Westdeutschen Fußball- und Leichtathletik-Verbandes eingelegt hatte. Doch auch die wurde von den Sportrichtern in Duisburg verworfen, so dass Dregger und Anwalt beim Verbandsgericht Berufung eingelegt hatten, weil ein Urteil in ihren Augen auch „grundsätzliche Bedeutung“ für den Amateurfußballsport in Deutschland haben kann.

Und Michael Dregger ist zudem fest entschlossen, den „Fall Firat“ deshalb zur Not sogar noch zivilrechtlich klären zu lassen.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare