Handball

Janson: „Das wird ein großes Abenteuer“

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Roland Janson

Kreisgebiet –  Sportredakteur Thomas Machatzke sprach mit Roland Janson über die Startschwierigkeiten und seine Befürchtungen für die neue Saison und welche Probleme das neue Handballportal Handball 4all derzeit noch bereitet.

Roland Janson, am Wochenende haben im Männer-Kreispokal drei Spiele stattgefunden. Im Internet war bis zum Dienstag aber nur ein Ergebnis zu finden. Was ist schief gelaufen?

Das Problem war, dass der TVE Netphen die Spielerlisten nicht laden konnte. Man hätte sie auch händisch einpflegen können, aber das ist nicht geschehen. Also hat es den guten alten Spielbericht auf Papier gegeben in diesen beiden Spielen. Einen hat man mir zugeschickt, den vom zweiten Spiel haben die Schiedsrichter mitgenommen, der ist auf dem Postweg zu mir. Aber das Ergebnis hat man mir per WhatsApp mitgeteilt. Immerhin...

Läuft es denn sonst zufriedenstellend mit dem neuen Internet-Portal Handball4All? 

Die Klassen sind eingeteilt, das mit den Spielplänen läuft auch. Das ist alles okay. Man muss sich da ein bisschen reindenken und reinarbeiten, aber das läuft. Die Vereine haben wir mit einer Veranstaltung in Olpe geschult, an der 50 Leute teilgenommen haben. Aber es gibt auch noch Problemfelder. Zum Beispiel die Schiedsrichter-Ansetzungen. Die werden über das Phoenix-Programm gemacht. Als wir anfangen wollten, stellten wir fest, dass Phoenix und Handball4all nicht kompatibel waren. Es mussten erst Nachbesserungen gemacht werden. So waren erst Anfang August die ersten Schiedsrichter-Ansetzungen möglich. Aber die sind schwierig. Thomas Karwehl und ich haben zusammengesessen und für fünf Spiele eineinhalb Stunden gebraucht.

Wo ist das Problem?

Man sieht in Phoenix zum Beispiel nicht mehr, ob ein Schiedsrichter, der gleichzeitig Spieler, Trainer oder Betreuer einer Mannschaft ist, ein Spiel hat. Oder ob er für einen Tag mal einen Freitermin eingetragen hat, weil er etwas vor hat. Im sis-Portal habe ich einen Schiedsrichter gesehen und es wurde direkt angezeigt: Der spielt selbst am Sonntag um 14 Uhr. Dann konnte ich ihn um 18 Uhr noch als Schiedsrichter einsetzen. Die Freitermine wurden auch direkt angezeigt. Nun sehen wir in der ersten Abfrage die Schiedsrichter ganz oben, die die wenigsten Spiele gepfiffen haben. Mehr Informationen, die hilfreich sind, gibt es nicht. Alles ist unübersichtlich. So ist es ein ganzer Haufen an Mehrarbeit für die Leute, die das alle ehrenamtlich leisten müssen. Und wenn man dann angesetzt hat, beschweren sich auch schon die ersten Schiedsrichter, weil sie da vielleicht einen Freitermin hatten. Da muss auf jeden Fall noch reichlich nachgebessert werden. 

Es wirkt ganz so, als komme der Saisonstart noch zu früh für Handball4all... 

Definitiv. Nehmen wir zum Beispiel die Spielverlegungen. Die Saison kommt ja immer ganz plötzlich, und schon wollen Vereine die ersten Spiele verlegen. Früher ging im sis-System eine Mail raus, mit der man direkt den Gegner und alle zuständigen Stellen erreicht hat. Das kann Handball4All aber noch nicht. Also muss nun der Staffelleiter angemailt werden. Der informiert dann den Gegner und die Schiedsrichter über die Absetzung oder Umbesetzung, wenn wie beim Kreispokal der Frauen am Wochenende das Spiel nicht in Kierspe, sondern in Meinerzhagen stattfindet. Nichts geht automatisch – und du bist als Staffelleiter praktisch mit der Kette an den Computer gefesselt. Die Vereine haben ja auf bestimmte Daten keinen Zugriff – die Datenschutzgrundverordnung lässt grüßen...

Apropos Datenschutzgrundverordnung. Ende der vergangenen Saison waren auf einmal die Spielernamen in den Elektronischen Spielberichten verschwunden. Die soll es aber wieder geben, oder? 

Wenn man sich die ersten Spielberichte vom Wochenende anschaut, da steht hinter der Rückennummer des Spielers ein „N.N.“ – für alle Spieler und Offiziellen. Den Spielverlauf und die Torschützen kann man da nachvollziehen, aber man sieht die Namen nicht. Das sollte sich aber doch wieder ändern... Ja, es wird sich ändern: Jeder einzelne Spieler muss sich dazu aber im Phoenix-System registrieren und bestätigen, dass er mit der Veröffentlichung seiner Daten einverstanden ist. Wenn er nicht einverstanden ist oder wenn er nicht weiß, wie das funktioniert, wird dort weiter ein „N.N.“ stehen. Diese Registrierung geht herunter bis zur E-Jugend: Im Jugendbereich müssen sich dafür beide Elternteile im Phoenix-System registrieren und zustimmen. Ich kann da nur den Kopf schütteln. 

Wir brauchen die Presse – was will man mit solchen Sachen anfangen? Fassen wir zusammen: Sie rechnen mit einem eher holprigen Saisonstart. Was dominiert nun: Lust oder Frust? 

Natürlich ist Frust da. Wir sind verärgert. Man hat uns das neue System in so kurzer Zeit aufs Auge gedrückt – es wäre zumindest schön gewesen, das alte System ein halbes Jahr parallel laufen zu lassen. Meine Kollegen und ich sind zudem drei Jahre umsonst durch die Gegend gefahren und haben den Elektronischen Spielbericht gelehrt. Wenn mich die Leute heute fragen, was sie mit der Lizenz dafür anfangen sollen, sage ich: Zündet damit den Kamin an! Es gibt ja nun den „Spielbericht online“. Meine Prognose ist: Die Vereine werden nicht in der Lage sein, es umzusetzen. Natürlich knien sich einige Vereine rein und machen das gut, aber es gibt auch Vereine, deren Mannschaften bis heute nicht mit dem System verknüpft sind. Die HSG Siegtal in der Kreisliga A zum Beispiel, auch die neue DSG Lennetal. Ich kann ja einsehen, wann man zuletzt eingeloggt war. Ich versuche immer, die Dinge positiv zu sehen, und freue mich natürlich auch wieder auf die Saison. Aber eins ist klar: Das wird ein großes Abenteuer!

Roland Janson, vielen Dank für das Gespräch!

Zur Person

Roland Janson ist Männerspielwart im Handballkreis Lenne-Sieg und außerdem Pokalspielleiter des Kreises. Der langjährige Schiedsrichter von der TS Evingsen fungiert außerdem im Handball-Verband Westfalen als Schiedsrichter-Lehrwart. In all diesen Funktionen hat Janson mit allen Feinheiten in der Organisation des Spielbetriebs seit Jahren zu tun.

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