Fußball

Sportplatz Katzenbusch: Verlassen, vergessen und fast verschwunden

Fristet ein freudloses Dasein: Der Sportplatz in Holthausen.
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Noch trotzt das Fußballtor den Erdmassen, die das Spielfeld auf dem Sportplatz Katzenbusch bedecken.

Geplant ist, dass der Baustart noch in diesem Sommer erfolgt: Die Firma Mendritzki will in Holthausen auf dem Sportplatz Katzenbusch ein rund 6000 Quadratmeter großes Logistikcenter errichten. Die Plettenberger Politik hat schon im vergangenen Jahr der Erweiterung des Betriebes zugestimmt, die Pläne des Schalksmühler Büros Bramey Partner Architekten AG liegen vor.

Plettenberg - Wenn der Bau einmal fertiggestellt sein wird, dürfte nichts mehr daran erinnern, dass am Katzenbusch über viele Jahrzehnte Sport getrieben wurde. Schon jetzt sieht man Plettenbergs letztem Aschengeläuf an, dass seine Tage längst gezählt sind. Der letzte Ball ist dort schon vor Jahren gerollt. Seitdem im Oestertal 2013 der dritte Kunstrasenplatz der Vier-Täler-Stadt entstanden ist, die Zahl der fußballspielenden Mannschaften abnahm, wurde der Katzenbusch entbehrlich, ja überflüssig.

Erdaushub und Baumstämme

Noch aber wehrt sich der Platz, trotzen das unverschlossene Umkleidegebäude, die Flutlichtmasten und das letzte verbliebene Tor den tonnenschweren Massen an Erdaushub von verschiedensten Baustellen und den gelagerten Baumstämmen, die auf dem Spielfeld lasten und es fast komplett in Besitz genommen haben. Die Atmosphäre auf dem Gelände am für die Baumaßnahme schon verlegten Elsebach wirkt gespenstisch – es scheint, als ob jederzeit zwei Mannschaften aus den Kabinen kommen könnten, aber es scheint auch nur so. Selbst als Abenteuerspielplatz wird der Katzenbusch an diesem Tag im Mai nicht genutzt.

Dabei hat der Sportplatz doch so viel zu erzählen. 1930 war sein Geburtsjahr, vier Jahre später gründete der Turnverein Westfalia Holthausen eine Fußballabteilung, die rasch Fortschritte machte und sich alsbald in der Kreisklasse behaupten konnte. 1938 schloss man sich mit dem TV Elsetal Bremcke zum TuS Westfalia Elsetal zusammen – dann kam der Krieg.

Sie schafften mit den Sportfreunden Holthausen 1954 den Aufstieg in Westfalens höchste Amateurklasse (von links): Echterhage, Hamann, Schmellenkamp, Hermann, Kluß, Jürgens, Bornemann, Schulte, Reimann, Voss und Minotti.

Das Holthauser Fußballmärchen

Wie bei so vielen klassischen Turnvereinen drängten die Fußballer nach dem Krieg auf Eigenständigkeit, lösten sich am 24. April 1949 vom Hauptverein und machten als Sportfreunde Holthausen weiter. Ein bemerkenswerter Aufstieg begann, und sorgte fünf Jahre später für eine der größten Sensationen im Plettenberger Fußball. Nachdem 1950/51 die Meisterschaft in der Kreisklasse und der Aufstieg in die Bezirksklasse errungen worden war, mischten die Holthauser auch dort sogleich in der Spitzengruppe mit. Nach Platz vier 1951/52 musste man im folgenden Jahr nur noch Hemer 08 den Vortritt beim Aufstieg in die Landesliga lassen. Der große Wurf gelang in der Saison 53/54: Mit einem Sieg in Meinerzhagen machten die SF Holthausen den Meistertitel in der Bezirksklasse perfekt. 100 Treffer gelangen dem 17-köpfigen Kader um Spielertrainer Jürgens.

Der Aufstieg in die damals höchste Amateurliga Westfalens brachte aber auch ein Problem mit sich. Der seinerzeit noch um 90 Grad gedrehte Sportplatz war zu klein, sollte noch in der Sommerpause ausgebaut werden, doch daraus wurde nichts.

Nach dem groß gefeierten Aufstieg folgte der Umzug zur Elsewiese und die Ernüchterung, dass die Landesliga, in der 1954/55 auch die beiden Lüdenscheider Vereine SF 08 und RSV Höh, der TuS Eiringhausen und Jahn Werdohl spielten, eine Nummer zu groß war für die heimatlos gewordenen Holthauser Fußballer. Am Ende fehlten fünf Punkte zum Klassenerhalt, mit 13:39-Zählern ging es als Tabellenletzter gemeinsam mit dem SV Brilon zurück in die Bezirksklasse.

Der Umbau zum Vereinsjubiläum

Der Tiefpunkt war 1968 mit dem Abstieg in die Kreisliga C erreicht, drei Jahre später gingen Kicker und Turner, nun unter dem Namen TuS Elsetal, den Weg wieder gemeinsam. Erst im Jahr der 100-Jahr-Feier des Vereins erfolgte der so lang ersehnte Ausbau des Sportplatzes Katzenbusch, am 26. Mai 1989 wurde die Anlage eingeweiht. Die seit 1986 wieder in der A-Liga ansässigen Elsetaler Fußballer mussten während der Bauphase wieder zur Elsewiese umziehen – und stiegen erneut ab.

Drei Jahre später die nächste Zäsur: Durch die Fusion mit der SpVg Plettenberg, den SF Oestertal und RW Lennetal ging der TuS Elsetal im neuen SC Plettenberg auf.

Ein letzter Triumph im Ausweichquartier

Es begann die Zeit des Kunstrasenbaus, die allerdings Holthausen unberücksichtigt ließ. Der Sportplatz Katzenbusch, Ende der 80er nach der Umgestaltung der modernste der Plettenberger Aschenplätze, verlor mit jedem weiteren entstehenden Kunstrasenplatz an Bedeutung. Der Türkische Fußballverein Gurbet Spor, der sich später mit Nachbar Hilal Spor zum FC Plettenberg zusammenschloss, trug am Katzenbusch seine Heimspiele aus, Jugendmannschaften von SC und TuS wichen so lange dorthin aus, bis ihre Trainings- und Spielzeiten sich auch problemlos auf der Elsewiese und im Lennestadion unterbringen ließen.

40 Jahre nach dem Aufstieg der SF Holthausen erlebte der Katzenbusch noch einmal einen Höhepunkt: Dem SC Plettenberg, ein Jahr zuvor aus der Bezirksliga abgestiegen, machte der Umzug von der Elsewiese, die als erster Fußballplatz in der Vier-Täler-Stadt einen Kunstrasen erhielt, auf die rote Asche in Holthausen offenbar nichts aus. 250 Zuschauer sahen am 15. Mai 1994 einen 4:3-Sieg gegen RW Lüdenscheid II, der dem Team von Trainer Wolfgang Schmidt den direkten Wiederaufstieg bescherte.

Weitere 20 Jahre später – mittlerweile wurde auch in Böddinghausen und im Oestertal auf Kunstrasen gespielt – gründete sich nach dem wenig rühmlichen Ende des FC Plettenberg mit Türkiyemspor Plettenberg zwar ein neuer Fußballverein, doch dieser orientierte sich ins Oestertal. Einer der letzten Aschenplätze im Kreis Lüdenscheid hatte damit endgültig ausgedient.

Dicht von Zuschauern gesäumt: Der Katzenbusch beim Motoballspiel 1982. Neben dem Umkleidegebäude ist der Reisebus der russischen Gäste zu erkennen.

Das letzte Motoballspiel in Plettenberg

„Ein schräger Acker mit dicken Steinen drauf. Links vom Tor floss das Wasser ab.“ So beschreibt Günter Heerich, in der 80er Jahren Vorsitzender der Motorsportfreunde Plettenberg, den Zustand des Sportplatzes Katzenbusch 1982, als dort ein denkwürdiges Sportereignis stattfand. Den persönlichen Kontakten und dem guten Verhältnis zu den MSF Tornado Kierspe war es zu verdanken, dass das Ende der Motoball-Ära in Plettenberg mit einem Freundschaftsspiel der Kiersper gegen die Nationalmannschaft der UdSSR begangen werden konnte. Die Russen waren in ganz Europa unterwegs. „Arme Jungs, die im Bus ihre Maschinen transportierten und dort auch geschlafen haben“, erinnert sich Heerich, dem wir auch die Fotos von der „Schlammschlacht“ am Katzenbusch zu verdanken haben.

Ursprünglich fanden die Motoballspiele auf der Elsewiese statt, „irgendwann durften wir nicht mehr auf die feine Asche“, so Heerich. An das genaue Ergebnis des von zahlreichen Zuschauern besuchten Freundschaftsspiels kann er sich nicht erinnern, nur soviel: „Die Kiersper hatten keine Chance.“

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