Sportentwicklungsplanung in Schalksmühle

Sportgemeinde: Angebote der Zukunft nach konkretem Bedarf planen

Bild mit interaktiver Befragung
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In einer interaktiven Fragerunde durften sich die Teilnehmer am ersten Teil der Sportentwicklungsplanung direkt einbringen.

Schalksmühle in der Vorreiterrolle im Märkischen Kreis: Als erste Kommune will sich die Volmegemeinde in Sportfragen mit externer Hilfe für die Zukunft neu aufstellen. Es geht um Sportstätten, neue Sporträume und auch um ganz neue Angebote, zum Beispiel für Ältere.

Schalksmühle – Der Begriff Sportentwicklungsplanung klingt ein bisschen sperrig, wenn nicht gar technokratisch. Seit Mittwochabend haben die interessierten Bürgerinnen und Bürger in Schalksmühle aber eine Ahnung davon, wohin die Reise unter diesem Oberbegriff gehen soll. Es geht darum, die Kommune für die Zukunft im wahrsten Sinne des Wortes fit zu machen – mit einem Sportangebot, das sich an den Interessen der Basis orientiert. 

Für einen solchen Prozess ist es von Vorteil, einen Prozessbegleiter vom Fach zu haben: Für die Gemeinde Schalksmühle kommt dieser Prozessbegleiter aus dem Kreis Heinsberg, war dort zwölf Jahre lang Vorsitzender des Kreissportbundes und arbeitet nun freiberuflich für den Landessportbund (LSB) NRW: Ronnie Goertz stellte den 35 Teilnehmern beim digitalen Startschuss zum Projekt am Mittwoch seinen Denkansatz vor – und holte die Gäste direkt mit ins Boot.

Drei Säulen in der Bewertung, ein Ziel: Um die Abschätzung des künftigen Bedarfs an attraktiver und alternativer Sportstätteninfrastruktur auf den Weg zu bringen, will der LSB-Mann drei Arbeitsfelder beackern. 

Angebote der Zukunft nach konkretem Bedarf planen

Im ersten geht es um den demografischen Wandel. Bis 2030 geht die Kalkulation für Schalksmühle von einem Rückgang der Bevölkerungszahl von etwa 13 Prozent aus (11500 auf 10000 Einwohner). Nach dieser Statistik wird es in der Kommune mehr Ältere und weniger Junge geben – die Hauptzielgruppe des Sports, Kinder und Jugendliche, wird abnehmen. So droht den Vereinen in diesem Bereich ein Mitgliederrückgang, womöglich einer, der für die eine oder andere Sparte existenzgefährdend sein könnte. Gerade die Älteren müssen von den Vereinen als neue Zielgruppe erkannt werden – mit den entsprechenden Folgen für die Angebotspalette.

Und damit zur zweiten Säule: Wenn dies so kommt, muss schon jetzt bedacht werden, was dies für die Sportstätten der Gemeinde bedeutet. Zum Beispiel, wenn über Sanierung und Modernisierung von Sportanlagen nachgedacht wird. „Welche Sportstätte wird in Zukunft noch benötigt?“, fragte Goertz, „welche sollte gepflegt, instand gesetzt oder modernisiert werden? Welche alternativen Sport- und Bewegungsräume, zum Beispiel Parks und andere Freiflächen, werden benötigt?“

Goertz machte klar, dass die Zukunft – und damit zur dritten Säule – weniger Wettkampfsport und mehr Sport mit Sinnorientierung und Körpererfahrung bringen werde („Das Projekt ist nicht nur für Sportvereine, das wäre zu klein gedacht...“). Das Sportartenzapping werde zunehmen. Goertz rechnet mit einem Wandel des Sports hin zu einer bewegungsaktiven Freizeit und Erholung. In Köln zum Beispiel bewegen sich drei Viertel der Sporttreibenden im öffentlichen Raum: Joggen, Walken, Inline-Skaten und Radfahren – für all dies gibt es keinen Bedarf an klassischen Sportstätten.

„Hoher Sozialisierungsfaktor für die Gemeinde“

Im Bezug auf die Sportstättenfrage gibt es dazu einen empirischen Befund: „Die Sportstättennachfrage koppelt sich teilweise vom vorhandenen Sportstättenangebot ab“, stellte Goertz fest – mit anderen Worten: Es wird im Verhältnis zur Nachfrage zu viele Tennisaußenplätze, Fußballplätze und Kampfbahnen geben. Am Ende könne auch die Neuerschließung und Umwidmung von Sportstätten und Sporträumen als Möglichkeit in Betracht kommen. 

Goertz ermunterte seine Zuhörer, „Sporträume neu zu denken“ und „den Tellerrand zu verlassen“, „Impulse zu setzen für eine neue Entwicklung“, die die Zukunftsfähigkeit auch der Vereine sichern solle. Gerade im Bezug auf neue Angebote für Ältere warb  der Heinsberger auch dafür, dass Sport in der Gemeinschaft hier einen „hohen Sozialisierungsfaktor für die Gemeinde“ haben könne.

Ich bin erstaunt über die gute Beteiligung und die gut gefüllten Zettel. Es liegt ein großes Stück Arbeit vor uns – aber wenn die Beteiligung weiter so gut ist, bin ich sehr zuversichtlich.

Klaus-Peter Wiebusch (Gemeindesportverband)

Klaus-Peter Wiebusch, als Vorsitzender des Gemeindesportverbandes in Schalksmühle Mitinitiator der Sportentwicklungsplanung in Schalksmühle, die im Märkischen Kreis ein Pilotprojekt ist, freute sich über die große Resonanz auf die Kick-off-Veranstaltung. „Ich bin erstaunt über die gute Beteiligung und die gut gefüllten Zettel“, stellte Wiebusch fest, „es liegt ein großes Stück Arbeit vor uns – aber wenn die Beteiligung weiter so gut ist, bin ich sehr zuversichtlich.“

Als nächster Schritt in diesem Projekt wird es nun einen „Sportdialog mit den Sportvereinen“ geben – wieder in einer digitalen Runde am 23. März ab 18 Uhr. Nach den Osterferien soll es eine Online-Befragung an den Schulen geben zur Erhebung der Sport- und Freizeitbedarfe bei Jugendlichen.

In einem weiteren Schritt wollen Gemeindesportverband und Gemeinde mit den Älteren ins Gespräch kommen, um auch hier Wünsche und Bedarfe festzustellen.

Die Kommunikation des Projektes erfolgt über die neue Internetseite des Gemeindesportverbandes Schalksmühle unter der Adresse: www.gsv-schalksmuehle.de

Interaktive Fragerunde zu drei Fragestellungen

In Schalksmühle sind in 16 Sportvereinen 4600 Mitglieder aktiv. „In Schalksmühle ist der Sport die größte Bürgerbewegung“, stellte Ronnie Goertz fest. Während im Landesschnitt knapp ein Viertel der Bürgerinnen und Bürger im Sportverein sind, liegt der Wert in der Volmegemeinde bei über 40 Prozent. In einer interaktiven Fragerunde beackerte die Kick-off-Runde am Mittwoch drei Fragestellungen:

  • Wo treiben Sie Sport? Wo bewegen Sie sich? Das Gros der Teilnehmer beantwortete diese Frage mit Turn-/Sporthalle und Sportplatz, doch auch der öffentliche Raum hatte viele Treffer, viel mehr als zum Beispiel Fitness-Studios. 
  • Welche Sport- und Bewegungsangebote wünschen Sie sich für Schalksmühle? Von Blasrohrschießen über Paartanz, einer Skateranlage, Paintball, einem Lehrpfad, geführten Wanderungen, Fahrradwegen und einer Mountainbikestrecke gingen die Wünsche. Goertz frage verwundert nach: „Sie haben doch ein hügeliges Terrain: Warum gibt es bei Ihnen denn noch keine Mountainbikestrecke?“ Eine Frage, die Potenziale, gerade auch im Bereich von Wanderstrecken mit eventuell verbundenem Tourismus in der Gemeinde offenlegte.
  • Was ist mir sonst noch wichtig in Bezug auf die Sportentwicklung in meiner Gemeinde? Hier gab es auch viele Akzente bei den Antworten. Von der Priorisierung des Sports für Kinder und Jugendliche über die Förderung von vorhandenen Sportarten, die Stärkung des Ehrenamts, Vereinskooperationen und eine neue Vereinskultur gingen die Wünsche. Wünsche und Pläne, die nun mit Leben gefüllt werden sollen…

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