Sportausschuss in Lüdenscheid

Sportausschuss: Kennenlernrunde und Herantasten an vielfältige Arbeitsfelder

Sportausschuss im Theatersaal
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Der Sportausschuss tagte am Dienstag mit Maske und Abstand im Theatersaal des Kulturhauses.

Es gibt in Lüdenscheid wieder einen eigenständigen Sportausschuss. Am Dienstag tagte er zum ersten Mal. Es war ein Herantasten - an die neuen Ausschuss-Kollegen und an die Arbeitsfelder, die vor diesem Ausschuss liegen.

Lüdenscheid – Stadtsport goes Lokalpolitik: Die Premiere des Sportausschusses war am Dienstagnachmittag eine, die Appetit gemacht hat auf das, was die Legislaturperiode bringen könnte – mit einem eigenständigen Ausschuss, der sich um die Belange, Wünsche und Interessen der Sportlerinnen und Sportler in der Bergstadt kümmert.

Sportlerinnen und Sportler sind die Ausschussmitglieder ja zum Großteil selbst, jeder auf seine Art. Nicht jeder so ehrgeizig wie der Vorsitzende Michael Meyer, der zum einen gerne an seinem Golf-Handicap arbeitet und zum anderen für die Titelverteidigung bei den World-Games der Alterssportler im Taekwondo trainiert. Die etwas ungewöhnliche Kennenlernrunde durfte jedes Ausschuss-Mitglied ein bisschen aus dem sportlichen Nähkästchen plaudern lassen.

So erzählte Benjamin Pritschow, Sachkundiger Bürger für die SPD im Ausschuss, dass er mal in der Prellball-Bundesliga aktiv war. CDU-Ratsherr Lucas Karich verriet, dass er schon fast jede zweite Sportart ausgeübt habe – vom Schwimmen über den Kraftdreikampf und Taekwondo bis hin zum aktuell favorisierten Radfahren. Andreas Stach von den Grünen schaute auf seine sportliche Vergangenheit als Verteidiger der SpVg 28/32 zurück, Bastian Bremecker von der FDP verriet, dass er auch noch als Jugendtrainer aktiv sei. Damit ist er quasi ein Kollege von Regionalliga-Jugendcoach Mert Can Cetin (CDU). Dessen Parteifreundin Dr. Antje Heider berichtete von ihrer Leidenschaft für den Reitsport und wähnte sich als einzige Frau im Ausschuss. Das soll sich indes noch ändern, wenn für die SPD Leandra Moeser dazukommt, die am Dienstag verhindert war und von Lothar Hellwig vertreten wurde.

Kennenlernrunde und Herantasten an vielfältige Arbeitsfelder

Kurzum: Der Sport ist wieder präsenter als eigenständiges Gremium. Ein „Zeichen für die Sportler und die Vereine“ nannte es Michael Meyer. Matthias Reuver, Fachbereichsleiter Jugend, Bildung und Sport der Stadt Lüdenscheid, pflichtete ihm bei. „Ich habe richtig Lust auf diesen Ausschuss. Der Sport kann sich dadurch deutlicher positionieren“, stellte Reuver fest, der im Ausschuss von der Stadt Kerstin Kotziers (Fachdienstleiterin Schulen) und Dierk Gelhausen (Fachdienst Schule und Sport) an seiner Seite weiß. Reuver betonte auch, dass man zum Beispiel durch die Zusammenarbeit mit Referenten des Kreissportbundes eine Art Klausur-Angebote für diesen Ausschuss organisieren könnte. Ziel sei es, wie früher im Sportausschuss „an der Basis“ zu tagen, also die Sitzungen in Räumen, die zu Sporthallen oder Sportplätzen gehören, anzusetzen.

Dierk Gelhausen war auch schon als Verwaltungsfachmann für den Sport dabei, bevor der Sport in der Arbeit im Schul- und Sportausschuss ein wenig in die zweite Reihe trat. Ebenso wie RWL-Vorstandssprecher Michael Dregger (CDU), der seinerzeit auch bereits dem Sportausschuss angehörte. Und natürlich Jens Voß (SPD), der danach Vorsitzender des Schul- und Sportausschusses wurde und nun eigentlich gar kein Mitglied des Sportausschusses mehr ist, am Dienstag aber den gerade erst an der Hüfte operierten Michael Thielicke vertrat.

Einzige stimmberechtigte Frau bei der ersten Sitzung: Dr. Antje Heider.

Kurzum: Das Personal ist weitestgehend neu, vom Alter her sehr gemischt mit einigen sehr jungen Mitgliedern voller Tatendrang. Eine dynamische Mischung, das deutete die erste Sitzung bereits an, auch wenn es zunächst außer der Abstimmung über den Haushalt erst einmal darum ging, Arbeitsfelder abzustecken. Ein Blick auf die Aufgaben, die auf den Ausschuss zukommen:

Kunstrasenplätze: Langfristige Planung der Sanierung

Sanierungsarbeiten: Im Haushalt 2021 sind für den Sport Mittel vorgesehen für die Sanierung der Umkleiden im Nattenberg-Stadion, Sanierungsarbeiten in der LüWo-Arena und zudem die vorgesehenen Maßnahmen im Kulturhausgarten. CDU-Ratsherr Dregger richtete in diesem Kontext eine Anfrage an die Verwaltung, eine Liste mit den Maßnahmen vorzulegen, die aufgrund fehlender finanzieller Mittel nicht vorgenommen werden können.

Kunstrasenplätze: Eine Anfrage des SPD-Ratsherrn Dominik Hass bezieht sich auf Investitionen, die in Zukunft auf die Stadt zukommen dürften. Hass wünscht sich von der Verwaltung für die nächste Sitzung des Ausschusses am 16. März einen Bericht über den Zustand der Kunstrasenplätze. Gibt es einen verbindlichen Zeitplan zur Sanierung der Plätze? Wenn ja, welches Granulat soll verwendet werden? In welchen Zustand sind die Flutlichtanlagen auf den Plätzen? Diese Fragen hat die SPD-Fraktion formuliert, bringt zudem für die LüWo-Arena am Wehberg Fangzäune hinter den Toren und eine Ertüchtigung der Sprunggrube und der Laufbahn ins Gespräch. Die Kunstrasenplätze und deren Sanierung könnte ein Thema werden, das den Ausschuss lange Zeit betreffen wird.

Findet des „Diskurs der Stadtgesellschaft“ zum neuen Kulturhausgarten gut: Matthias Reuver.

Kulturhausgarten: Die Neugestaltung des Kulturhausgartens wird den Sportauschuss auch beschäftigen, weil hier ja auch Sportangebote angesiedelt werden sollen. Den „Diskurs in der Stadtgesellschaft“ zu diesem Thema lobte Matthias Reuver am Dienstag als „positiv“ und „eher nützlich als schädlich“.

Reuver berichtete, dass die Stadt am 15. Januar die entsprechenden Unterlagen zur Förderung der Projekte im Kulturhausgarten, am Wehberg und am Nattenberg in Arnsberg eingereicht und auf Nachfrage der Bezirksregierung die Kostenschätzungen und Planungen danach noch präzisiert habe. Bis Ende Februar/Mitte März rechne er mit einer Rückmeldung. Daneben betonte Reuver, dass Anträge für die nächste Förderrunde für das Jahr 2022 im September vorgelegt werden könnten.

Neue Minigolf-Anlage: Standort Nattenberg?

Trendsportarten: Zur Ansiedlung von Trendsportangeboten auf städtischen Flächen brachte Dierk Gelhausen die Ausschuss-Mitglieder noch einmal auf den aktuellen Stand – hier hat sich allerdings seit der letzten Sitzung des Schul- und Sportausschusses in der letzten Legislaturperiode praktisch nichts getan. Mit den Baskets Lüdenscheid ist die Stadt im Gespräch, um Flächen für ein mögliches Streetball-Angebot auszuwählen. Gelhausen verwies auch auf das Beispiel von Sportboxen im Internet, brachte für Lüdenscheid zudem für 2021 eine „Sport-im-Park“-Aktion nach dem Vorbild anderer Kommunen ins Gespräch. Im Jahr 2020 hatte man dies noch nicht realisieren können. Generell stellte Matthias Reuver heraus, dass es für Trendsportarten keine allgemein gültige Definition gebe. „Für uns bedeutet es vor allem, schneller, flexibler und offen zu reagieren“, stellte Reuver fest.

Halle Stadtpark: Dierk Gelhausen berichtete davon, dass die Stadt für die Halle Stadtpark inzwischen Multifunktionstore angeschafft habe. Inklusive der Anschaffung der mobilen Tribüne und der Einbaus eines kleinen Bewirtungsraumes habe man so nun einen zweiten Standort zum Beispiel für Kinder- und Jugendturniere zur Verfügung und könne so auch die große BGL-Halle entlasten. Im Bezug auf die BGL-Sporthalle stellte Michael Dregger die Anfrage, wie die Stadt mit dem nicht mehr zur Verfügung stehenden Parkraum auf dem angrenzenden Schützenplatz umgehen wolle. Bei Großveranstaltungen hatte die Stadt bisher immer auf diese Parkmöglichkeiten hingewiesen. Inzwischen aber sind die Parkplätze an der historischen Schützenhalle abgesperrt und kostenpflichtig.

Minigolf-Anlage: Dregger machte sich zudem in einer weiteren Anfrage für den Minigolf-Sport in Lüdenscheid stark. „Der MC 62 Lüdenscheid besitzt eine Anlage, ist aber auf der Suche nach einer Fläche, auf der die Anlage aufgebaut werden kann“, stellte Dregger fest und brachte als Standort den Nattenberg ins Spiel. Der Wunsch: Die Stadt möge den Minigolfern helfen. Ende 2019 hatte die alte Minigolfanlage am Sportklinikum in Hellersen für einen Ausbau der Parkplätze weichen müssen. Der MC 62 hatte sich in dieser Zeit eine in Paderborn abgebaute Anlage gesichert, die seitdem in einer Fabrikhalle gelagert wird. 2020 hatte der MC 62 seine Spiele in Halver austragen wollen – die Pandemie hatte allerdings auch den Minigolfsport zum Erliegen gebracht.

Leitete die Premierensitzung des neuen Sportausschusses: CDU-Ratsherr Michael Meyer.

Schwimm-Förderung: Lüdenscheider Sportler, die sich zwangsläufig in Richtung anderer Kommunen orientieren: Auch im Schwimmen hat es das zuletzt gegeben, wie Dierk Gelhausen auf Anfrage im Nachgang der Sitzung erläuterte. „Die Listen für Schwimmanfänger sind voll, es gibt Lüdenscheider, die mit ihren Kindern nach Ennepetal oder Olpe zu den Schwimmkursen gefahren sind“, sagt Gelhausen, „das sollte natürlich nicht sein.“

Die Stadt Lüdenscheid hat – das berichtete Gelhausen am Dienstag im Ausschuss – einen Teil des Geldes aus einem Förderprogramm über 15 000 Euro für die Unterstützung von Schwimmkursen bestimmt. Seit 2020 gibt es in Lüdenscheid den Verein „Bewegtes Miteinander“, in dem sich Jens Riewe unter anderem für Anfängerkurse im Schwimmen engagiert. Der Verein ist Mitglied im Stadtsportverband, SSV-Vorstandsmitglied Petra Rosenbach unterstützt das Projekt inzwischen als Trainerin, die Stadt sorgt für die Infrastruktur mit der Zur-Verfügung-Stellung der Lehrschwimmbecken in den Schulen Lösenbach und Gevelndorf.

Der andere Teil des Geldes aus dem Förderprogramm fließt in das neue Büro des Stadtsportverbandes im Gothaer Haus gegenüber dem Rathaus. Hier soll auf Dauer eine feste Anlaufstelle für den Lüdenscheider Sport mit einer fest angestellten Kraft des SSV und einmal wöchentlich dem Kreissportbund MK als Gast entstehen.

Stadtsportverband: Konzentration auf vier Projekte

Der Stadtsportverband ist im neuen Sportausschuss durch seinen Finanzfachmann Holger Schumacher vertreten. Schumacher berichtete am Dienstag im Rahmen der Sitzung von vier Hauptthemen, die derzeit den SSV beschäftigen. Da ist zum einen das Förderprogramm „Moderne Sportstätte 2022“, bei dem der SSV Maßnahmen zur Nachhaltigkeit und Jugendförderung priorisiert habe. Drei Vereine aus Lüdenscheid erhalten in diesem Zuge insgesamt 293 000 Euro an Fördermitteln: der LTC Augustenthal für die Tennisanlage am Nattenberg (70 000 Euro), der Lüdenscheider TV von 1899 für seine Tennisanlage am Stadtpark (113 000 Euro) und die Turbo-Schnecken Lüdenscheid für Maßnahmen zum Sonnen- und Lärmschutz am Schneckenhaus (110 000 Euro). Bei weiteren interessierten Vereinen muss rechtlich sichergestellt werden, dass die entsprechenden Sportstätten über Pachtverträge den Vereinen zugeordnet werden können und damit förderwürdig sind.

Ein weiteres Thema des SSV ist das Erweiterte Führungszeugnis zur Verbesserung des Kinderschutzes im Sport. Hier macht der SSV sehr individuelle Angebote, um jedem Verein bei der Beratung gerecht zu werden.

Sportlerehrung und Sportabzeichen-Verleihung am Nattenberg

In Planung ist beim Stadtsportverband zudem inzwischen eine alternative Verleihung der Sportabzeichen und Sportlerehrung. Da es unwahrscheinlich ist, dass diese Veranstaltungen wie üblich im Jürgen-Dietrich-Forum im Rathaus stattfinden können, plant der SSV nun eine gemeinsame Großveranstaltung für beide Anlässe unter freiem Himmel im Nattenberg-Stadion.

Und noch einen Punkt hatte Schumacher mitgebracht: Nach einer 9000-Euro-Spende der Sparkasse im Jahr 2018 hatte sich der Stadtsportverband dafür stark gemacht, dieses Geld den Vereinen für bedürftige Kinder zur Verfügung zu stellen. Damit sollten zum Beispiel Mitgliedsbeiträge bezahlt werden oder eine Erstausrüstung für die Sportart angeschafft werden können. Tatsächlich sind von den 9000 Euro bisher im Jahr 2019 nur 2724 Euro und im Jahr 2020 3345 Euro abgefragt worden. Knapp 3000 Euro liegen also noch bereit. Vereine können sich mit Anträgen an den Stadtsportverband wenden.

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